Posted tagged ‘Ed Sanders’

Trotz des Hypes um E1: Das Westjordanland wird nicht durchtrennt

3. Dezember 2012

HonestReporting Media BackSpin, 3. Dezember 2012

Der Flecken Land, auf den die Welt zurzeit so fixiert ist, misst etwa 4,5 Quadratmeilen zwischen Jerusalem und Maale Adumim, und für diesen Ort existiert kein Fanatasienamen. Hier handelt es sich schlicht um einen bürokratischen Begriff mit dem Kürzel E1.

Nachdem die Vollversammlung der Vereinten Nationen einseitig die Palästinenser als Nichtmitgliedstaat mit Beobachterstatus puschte und eine Rede von Mahmoud Abbas israelische Offizielle gereizt hatte, reagierte Jerusalem, indem es alte Pläne zum Ausbau von E1 aus der Schublade holte. Wir sprechen über ca. 3.000 Wohneinheiten.

Siedlungsaktivität ist ein umstrittenes Thema, auch bei Israelis. Aber lasst uns eines klarstellen:

Der Ausbau von E1 teilt das Westjordanland nicht in zwei Hälften. Er beschädigt nicht den Fortbestand eines künftigen palästinensischen Staates. Selbst wenn Israel diese Pläne weiterverfolgen würde (Und es ist nicht das erste Mal im Laufe der Jahre, dass bürokratische Entscheidungen zu E1 Nachrichten generierten und letztlich auf Eis gelegt wurden), wird das für die Palästinenser verbleibende Land ihnen immer noch den territorialen Grundstock sichern.

Die palästinensische Gürtellinie zwischen Maale Adumim und dem Toten Meer ist etwa 15 Kilometer breit. Dieser Korridor unterscheidet sich also nicht von der entsprechenden geografischen israelischen Engstelle (Nördlich von Tel Aviv [bd]). Und das hat niemals ein Problem für den Fortbestand des israelisch-territorialen Fortbestandes ausgelöst.

http://honestreporting.com/wp-content/uploads/2012/12/westBank-E1.jpg
Und dennoch wiederholen und verstärken die Zeitungen heute den gleichen palästinensischen Schwindel. Hier einige Übeltäter:

Los Angeles Times-Korrespondent Ed Sanders:

Der Ausbau auf dem Hügel, bekannt als E1, würde die West Bank-Siedlungsaktivität bei Maale Adumim mit Ostjerusalem zusammenführen und den Zugang zwischen den palästinensischen Städten Ramallah und Bethlehem abschneiden.

AFP:

Die Palästinenser widersetzen sich mit allem Nachdruck gegen das E1-Projekt, da es das besetzte Westjordanland faktisch in zwei Hälften teilt – von Norden nach Süden -, und die Errichtung eines lebensfähigen palästinensischen Staates sehr problematisch macht.

(Man muss AFP zugestehen, dass es eine korrekte Karte verwendete, aber ich frage mich, wie viele Menschen davon Notiz nahmen).

BBC (mit einer sehr ungenauen Karte):

Pläne für den Bau von Siedlungen in diesem Areal, das als E1 bekannt ist, werden von den Palästinensern vehement abgelehnt, die behaupten, dass die Erschließung das Westjordanlandes in zwei Teile aufspalten wird, was die Errichtung eines zusammenhängenden palästinensischen Staates verhindere.

• Und Jodi Rudoren, Büroleiterin der New York Times in Jerusalem, schreibt:

Der Ausbau von E1 im Westjordanland-Gebiet, das Israel im Krieg von 1967 eroberte, würde die große jüdische Siedlung Maale Adumim mit Jerusalem verbinden und das Westjordanland in zwei Hälften teilen.

Ich* habe mit der NY TIMES sowieso ein Hühnchen zu rupfen:

Ihre Headline überzog die fehlerhafte Aufteilung und zeichnete eine Karte, die E1 nicht im Kontext zum Westjordanland zeigte. Eine exakt präsentierte Karte hätte der reißerischen Schlagzeile widersprochen und den Lesern eine eigene Beurteilung ermöglicht:

http://honestreporting.com/wp-content/uploads/2012/12/NYTE1header.jpg

http://honestreporting.com/wp-content/uploads/2012/12/NYTE1map.jpg
Daily Telegraph-Reporter Robert Tait:

Berichten zufolge sollten einige der neuen Wohneinheiten im umstrittenen Gebiet, bekannt als E1, zwischen der Siedlung Maale Adumim und Ostjerusalem gebaut werden, um die nördlichen und südlichen Teile des Westjordanlands voneinander zu trennen.

Washington Post-Korrespondent Joel Greenberg:

Kritiker sagten, dass die geplanten Gebäude nahe Jerusalem die Verbindungen zwischen dem nördlichen und südlichen Westjordanland abschnitten und die Chancen für einen lebensfähigen palästinensischen Staat ernsthaft gefährdeten.

Was für ein idiotisches Geschwätz.

Die öffentliche Diskussion über Siedlungstätigkeit ist sowieso schon genug aufgeheizt. Und die überspitzte Darstellung in den Massenmedien nutzt niemandem.

——-
*(Anm. der Redaktion [bd]: Pesach Benson, Redakteur von Media Backspin in Jerusalem)

Aufhetzung und Voreingenommenheit: Ein Paradebeispiel

25. Oktober 2011

HonestReporting Media BackSpin, 25. Oktober 2011

Schon seit langem haben Israels Unterstützer versucht, die Aufmerksamkeit der Medien auf das große Problem der Aufhetzung in palästinensischen Schulbüchern zu lenken. So war ich zunächst erleichtert  zu sehen, dass sich die LA Times dieses Themas annahm.

Das Problem dabei ist [aber], dass sich Reporter Ed Sanders vorrangig der israelischen Zensur palästinensischer Texte in israelisch gesponserten Ostjerusalemer Schulen widmete, nachdem Jalal Abukhater das Thema im +972 Magazine angesprochen hatte (ich werde auf diese Verbindung später zurückkommen). Positiv anzurechnen ist Sanders, dass er zwei wichtige Aspekte anspricht:

1. Palästinensische Texte stiften Kinder zu Hass an:

Ein Großteil der Bearbeitung, sagen sie [die Zensoren (bd)], konzentriert sich auf die palästinensische Mär, die die Rolle der Kinder im Kampf gegen die Besatzung unterstützt und das Martyrium verherrlicht. Ein Lehrbuch der achten Klasse hebt ein Gedicht hervor, welches auf den “Begeisterungstaumel” eines Kindes verweist, das den Märtyrertod stirbt. Ein anderes behauptet, dass “wenn der Jihad sprechen könnte, er sie zum Mitmachen auffordern würde.”

Andere Abschnitte beinhalteten Teile einer Geschichtsstunde der 10. Klasse, die den Zionismus als “rassistische” Bewegung mit “vorgetäuschten” historischen Beziehungen zum Heiligen Land beschreibt. Ein weiteres Buch „dokumentierte“ das Bild einer Briefmarke aus der britischen Mandats-Ära, das digital verfälscht worden war, um eine hebräische Beschriftung zu entfernen.

2. Israel finanziert diese Schulen, also sollte auch ein Wort darüber verloren werden, was dort gelehrt wird:

Behörden in Jerusalem, die etwa 50 öffentliche Schulen in den arabischen Vierteln Ostjerusalems finanziell unterstützen und teilweise Unterstützung für Dutzende privater Institutionen leisten, gehen davon aus, dass sie das Recht haben, sicherzustellen, dass die Lehrbücher korrekt geschrieben sind, nicht zur Gewalt aufstacheln und Israels Legitimität respektieren.

Die LA Times hätte sich [eigentlich], statt Israel daraufhin zu untersuchen, wie es damit in Jerusalem selbst umgeht, mit der Frage der Anstiftung zu Hass im PA-Bildungssystem auseinandersetzen können, was letztendlich die beanstandeten Bücher auf den Markt gebracht hatte. Palestinian Media Watch weist schon seit Jahren vehement auf die Schulbuch-Politik der PA hin.

Ich gehe davon aus, dass es die Massenmedien vorziehen, die Hassaufrufe zu ignorieren – so lange, bis sich die Palästinenser darüber beschweren, dass Israel sie zensiert.

Was +972 betrifft frage ich mich, ob jener Teil der von der Public Relation beeinflussten Menschen dort ihre Pressekontakte nutzt, um Geschichten ebenso zu verbreiten wie die in den Mainstream-Medien. Nichts gegen Anschluss-Stories: Ich hoffe nur, dass die Mainstream-Medien verantwortlich genug sind, auf divergierende Quellen zuzugreifen.

Mehr zu den Hintergründen in der Jerusalem Post.

Warum kein MSM-Protest gegen Medienbeschränkungen der Palästinensischen Autonomiebehörde?

31. Oktober 2010

HonestReporting Media BackSpin, 31. Oktober 2010

Die PA versucht, den Informationsfluss einzuschränken, indem sie Journalisten daran hindert, an von Israelis unterstützten Reisen in die West Bank teilzunehmen. Eine Pressetour nach Jericho wurde bereits gecancelt.

Nun fragt sich der palästinensische Journalist Khaled Abu Toameh: Warum protestieren die Mainstream-Medien (MSM) nicht gegen diesen Anschlag auf die Pressefreiheit?

Die vom Westen finanziell unterstützte palästinensische Regierung instruiert doch tatsächlich die Auslandsjournalisten, dass sie ab sofort nur noch über Angelegenheiten berichten sollten, die ein positives Licht auf die PA und deren Führer werfen.

Wenn sie darauf besteht, dass die Journalisten ihre Besuche in die palästinensischen Gebiete allein mit den Palästinensern absprechen sollen, beweist die Palästinenserregierung, dass ihre Einstellung zur Pressefreiheit sich nicht wesentlich von derjenigen der Hamas, Mahmoud Ahmadinejad oder Bashar Assad unterscheidet.

Auslandsjournalisten, die über den Konflikt in Nahost berichten, sollten nicht in eine Situation versetzt werden, in der irgendjemand sie bedrohen oder beeinflussen könnte bezüglich dessen, was sie schreiben wollen. Man sollte ihnen [vielmehr] ermöglichen, sowohl in Israel als auch in den PA-Gebieten ungehindert zu arbeiten; sie sollten auch das Recht haben, zu befragen, wen sie wollen und mit allen, deren Zusammenarbeit sie in Anspruch nehmen wollen, jeden Ort aufzusuchen.

Toameh mit einem weiteren Blick auf die PA-Pikiertheid und Verweis auf diesen LA Times-Beitrag von Ed Sanders:

Die Entscheidung wurde gut informierten palästinensischen Quellen zufolge nach einer Nachrichtenstory in der Los Angeles Times gefällt, die offensichtlich für Verwirrung bei der palästinensischen Regierung gesorgt hatte.

Die Geschichte, die in Zusammenhang mit einer Zeremonie zum 10.000. Jahrestag  von Jerichos Gründung stand, besagte, dass viele Palästinenser und ausländische Würdenträger, die zur Feier nicht eingeladen worden, nicht erschienen.

Offensichtlich war der Korrespondent der LA-Times nicht in der Lage, seinen Besuch in Jericho mit dem Büro des PA-Sprechers abzustimmen.

MediaCentral ist ein HonestReporting-Projekt, das Journalisten in der Region Unterstützung zukommen lässt. Es hatte Sanders Bericht aus Jericho nicht begleitet.

Leider ist dies nicht das erste Mal, dass die Mainstream-Medien von Palästinensern eingeschüchtert wurden. Letztes Jahr wurde der britische Journalist Paul Martin von der Hamas mehr als einen Monat inhaftiert, ohne dass die westlichen Nachrichtenmedien einen Pieps von sich gegeben hatten.


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 353 Followern an