Miese Rider-Schlagzeilen

Verfasst 1. Mai 2013 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Antisemitismus, Europ. Medien und Nahost, Geistesgrößen, Islam+Islamisten, Israel, Medienwelt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

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HonestReporting Media BackSpin, 1. Mai 2013

Durch einen israelischen Luftangriff wurde ein islamischer Jihadist getötet. Hithem Ziad Ibrahim Masshal war an einem Raketenangriff auf den Ort Eilat vor wenigen Tagen beteiligt. Die Geschosse waren aus der ägyptischen Halbinsel Sinai abgefeuert worden. Masshal hatte den Konflikt also mit Sicherheit internationalisiert.

Deshalb amüsierte ich mich über diese Headline von Sky News. Die gelbe Hervorhebung akzentuiert die Beschreibung von Masshal, der – sagen wir mal – sicher niemanden an Peter Fonda, Dennis Hopper und Jack Nicholson im Kult-Film Easy Rider erinnert. Der Jerusalem Post zufolge war der Salafist Masshal „an der Herstellung, Entwicklung und dem Handel mit Schusswaffen, insbesondere Raketen und Bomben beteiligt…”


Motorradfahrer?

Trug er einen Helm?

So also hatte Israel Masshal beschrieben?

Sicher nicht.

Dann möchte ich als Jerusalems Top Bus Surfer in Erinnerung bleiben.

UPDATE: Beim Guardian hat auch jemand einen Trip geschluckt.


UPDATE: So auch beim Independent.

Bombenanschläge in Boston offenbaren journalistische Unzulänglichkeiten

Verfasst 24. April 2013 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Geistesgrößen, Lesen/besuchen, Medienwelt

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HonestReporting Media BackSpin, 24. April 2013

Abbildung: Unmittelbar nach dem Bombenanschlag in Boston.

Offensichtlich ist der Hang der Medien, zuerst zu berichten und dann zu recherchieren, nicht nur auf die Berichte über Israel und Nahost beschränkt. Der schreckliche Bombenanschlag beim Boston-Marathon und die darauf folgende Fahndung dominierten nicht zufällig die letzten Nachrichten. Aber wie viele Gerüchte und Unwahrheiten erschienen im Fernsehen und in den Zeitungen, bevor die wirklichen Details ans Licht kamen?

In seiner Forderung nach grundlegenden Veränderungen journalistischer Praxis schreibt Brendan Nyhan im Columbia Journalism Review*:

Es überrascht nicht, dass viele erste Berichte über die Bombenanschläge fehlerhaft waren, aber einige Massenmedien hoben diese Ungenauigkeit im Laufe der Woche auf eine weitere Ebene. Zu den weithin bekannten Nachlässigkeiten gehörte die Berichterstattung der CNN, die unzutreffend berichtete, dass ein Verdächtiger festgenommen worden sei, sowie die der New York Post, die beide unzutreffend und fälschlicherweise einen saudischen Staatsbürger als Verdächtigen ausmachten und das Bild von zwei unschuldigen Männern unter die Headline ihrer Berichterstattung stellten, die ihrerseits suggerierte, dass sie in das Verbrechen involviert gewesen seien. Aber das waren sicher nicht die einzigen und schwerwiegenden Fehler, die von zahllosen Journalisten und Nachrichtenagenturen begangen worden waren.

Warum haben sich so viele Medien dermaßen ungeschickt angestellt?

Im Verlaufe einer Berichterstattung sind Kurzmeldungen immer problematisch und verwirrend, und Fehler passieren regelmäßig. Die nahezu unbegrenzte Größe der Nachrichtenlöcher jedoch, die die Medien über Nachrichtenagenturen und soziale Medien versuchen auszufüllen, selbst wenn nur wenige oder zuverlässige Informationen erhältlich sind, machen die Herausforderung noch schwerer und erzeugen falsche Anreize. Angesichts schwacher wirtschaftlicher und gesellschaftspolitisch relevanter Sanktionen aufgrund von Ungenauigkeiten – angeblich verdreifachte sich die CNN-Zuhörerschaft gegenüber der nachrichtenarmen Zeit in der Woche zuvor – schwirrten Reporter aus, um die Leere zu füllen, gleich welch’ dubiose Informationen verfügbar waren.

Nyhan spricht auch das Problem der Berichterstattung via nicht bestätigter Quellen sozialer Medien an, wenn er feststellt, dass “Handeln aufgrund eines Kanals nicht überprüfter  Informationen ein Akt journalistischer Verantwortungslosigkeit ist.”

Wie viele Male haben wir über die Jahre hinweg Verleumdungen gegen Israel in der Presse registriert, die sich später als falsch erwiesen hatten? Und Nyhan sagt folgerichtig, dass “erste falsche Berichte während eines nachrichtenrelevanten Vorfalls Fehleinschätzungen produzieren können, die jahrelang haften bleiben.” Da fallen einem sofort Vorfälle wie das so genannte “Jenin-Massaker” ein.

Nyhan führt auch aus, dass “Korrekturen und vorsichtiges Zurückrudern der Medien viel zu selten wahrgenommen werden und kaum Aufmerksamkeit erzeugen.”

Deshalb ist es so wichtig, dass wir nicht nur danach streben, diese Korrekturen bestätigt zu bekommen, sondern sie auch zu veröffentlichen und sicherzustellen, dass die Medien für ihre Fehler zur Verantwortung gezogen werden.

Schließlich stellt Nyhan die Frage, ob „es überhaupt eine Möglichkeit gäbe, dass wir einen Anti-Pulitzer-Preis für die schlechteste aktuelle Berichterstattung ausloben?” Ja, vielleicht: zumindest wenn es um die Berichterstattung über Israel geht, ist HonestReporting mit seinen ganz speziellen Dishonest Reporter Award ganz knapp dran.

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel im CJR (In Englisch).

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*Das Magazin wird von der Columbia University Graduate School of Journalism geführt.

Die Columbia University Graduate School of Journalism vergibt den Pulitzer-Preis, den weltweit renommiertesten Preis für Journalismus.

Britische Medien: Auf Israel-Kurs oder Reingewinn aus?

Verfasst 24. April 2013 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Medienwelt, Sonstiges

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HonestReporting Media BackSpin, 24. April 2013

Wenn die BBC die jüdische Gemeinde für sich gewinnen will, hat sie noch eine Menge Arbeit vor sich. Das Institute for Jewish Policy Research survey (Pdf-Format) fand heraus, dass satte 80 Prozent der britischen Juden davon ausgehen, dass Beeb* Israel gegenüber voreingenommen ist.

Da die BBC größtenteils von Haushalten finanziert wird, die eine jährliche Rundfunkgebühr von 145,50 £ entrichten (was dank Online-Zugang irrelevant wird) wissen neue BBC-Führungskräfte, dass sie ihre Kunden bei Laune halten müssen.

Womit wir bei James Harding sind, dem neuen Nachrichtenchef der BBC (Ab August). Kann er etwas verändern, was die institutionelle Voreingenommenheit des Senders gegenüber Israel betrifft? Vier hoffnungsvolle Aspekte sprechen für ihn:

1. Er ist Jude.

2. Er unterstützt Israel.

3. Sein vormaliger Arbeitgeber, die Times of London, berichtete fairer über Israel als sich das die BBC jemals vorstellen konnte.

4. Am meisten spricht jedoch für Harding, dass der Guardian (via The Commentator) sich bereits Gedanken über ihn macht. Lisa O’ Carroll schreibt:

Harding, der Jude ist, wird auch den pro-israelischen Kurs der Times hinter sich lassen. In einer Debatte im jüdischen Gemeindezentrum für London im Jahr 2011 sagte Harding: “Ich bin pro-israelisch eingestellt”, und bezüglich der Berichterstattung zu Nahost “wurde es mir nicht allzu schwer gemacht“, weil “die Times seit Jahren pro-israelisch ist”. Er betonte jedoch die Notwendigkeit ausgewogener Berichterstattung, und er sagte, dass auch er einen palästinensischen Staat befürworte.

Wahrscheinlich macht sich der Guardian mehr Sorgen um seinen Reingewinn als um eine pro-israelische Linie: jeden Tag zahlen britische Steuerzahler 60.000 Ausgaben des Guardian, die über Beeb vertrieben werden.

Abbildung: CC-BY-SA HonestReporting, Flickr/Images_of_Money

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*Beep = Verballhornung von BBC

Leserbriefe und das Getöse der Massen

Verfasst 8. April 2013 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Die Welt und Nahost, Israel, Lesen/besuchen, Medienwelt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

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HonestReporting Media BackSpin, 8. April 2013

Pesach Benson, Honest Reporting (HR) Jerusalem

Eine Auswahl von E-Mails in meinem Postfach heute Morgen:

1. Diese Fragestellung von G.

Wurde irgendwo in den internationalen Medien berichtet, dass die “Israelis, die all’ die armen Palästinenser unterdrücken, einen arabischen Mediziner zum neuen Leiter der Notaufnahme im ’Hadassah Ein Kerem’-Krankenhaus ernannt haben?”

Meines Wissens berichtete nur die Jerusalem Post über die Ernennung von Dr. Aziz Darawshe. Seine Vita ist beeindruckend, und seine Ansichten zum Verhältnis zwischen Juden und Arabern in Israel sind freimütig.

Es würde mich nicht überraschen, wenn einige Kommentare Darawashes Ernennung dazu nutzten, um gegen Israel zu argumentieren. Die “Logik” bestünde darin, dass Darawashe ein Feigenblatt für ein größeres Muster böser und systematischer israelischer Diskriminierung sei und dass Israels Unterstützer heuchelten, wenn sie das groß herausstellen. Ähnliche Argumentationen verbergen sich hinter dem Homo-Pinkwashing, der Heuchelei wegen einer schwarzen Miss Israel etc. Unterm Strich: Israel kann es niemandem recht machen.

2. Von MK aus Großbritannien:

Ist es nicht merkwürdig, dass Israel weiterhin von einer iranischen Atombombe bedroht wird und kaum jemand mit der Wimper zuckt? Aber nun droht Nordkorea, und schon läuft die Welt Sturm – allen voran die USA?

Das überrascht nicht. Meine unbedeutende Meinung dazu: eine Nebenerscheinung zur allgemeinen Fokussierung auf Pjöngjang ist, dass wir mehr erfahren über die Involvierung des Iran in das nordkoreanische Nuklearprogramm. Das wenige, das wir wissen, zeigt nur die Spitze des Eisberges.

3. von B. in Jerusalem, der Fragen stellt zu dem unheilbar an Krebs erkrankten schottischen Schriftsteller Iain Banks, der sich in einem Gastbeitrag im Guardian der BDS-Bewegung angeschlossen hatte:

Guter Test für Diplomaten auf israelischer Seite – inwiefern könnte dies Banks beeinflussen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Banks zu beeinflussen ist. Er ist unheilbar an Krebs erkrankt, und er hat sich entschieden, seine verbleibende Zeit auf dieser Welt auf diese Weise zu verbringen? Das ist Hardcore-Feindseligkeit.

(Abbildung via Flickr/RambergMediaImages)

Medizinische Versorgung für Terroristen

Verfasst 4. April 2013 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Araber, Islam+Islamisten, Israel, Mitmachen, Palästinenser, Sonstiges, Weltmedien und Nahost

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HonestReporting Media BackSpin, 4. April 2013

Die Medien waren kürzlich voll mit Geschichten wie dieser über einen palästinensischen Häftling in Sicherheitsverwahrung, der in einem israelischen Gefängnis an Kehlkopfkrebs gestorben war. Während die Medien jede Menge Zeit dafür aufbrachten, palästinensische Offizielle zu zitieren, die Israel für seinen Tod verantwortlich machten und detailliert über deren Wut wegen seines Ablebens berichteten, haben einige wichtige Fragen noch immer nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen zukommt.

1) Speziell der Häftling Maysara Abu Hamdiya saß eine lebenslange Haftstrafe wegen versuchten Massenmordes ab. Er war General der palästinensischen Sicherheitskräfte (jawohl, jener paramilitärischen Einheit, die durch internationale Spenden zur Stützung des “gemäßigten” Regimes der Palästinensischen Autonomiebehörde finanziert wird).  Offenbar schickte General Hamdiya einen jungen Mann mit einer Bombe in nein Jerusalemer Cafe mit der Order, so viele Menschen wie möglich umzubringen. Gott sei Dank zündete die Bombe nicht, der General wurde erwischt und verhaftet. Tragischerweise wurden bei ähnlichen Anschlägen während der zweiten Intifada mehr als tausend Israelis getötet.

2) Obwohl er wegen des Mordversuchs an dutzenden israelischer Cafebesucher inhaftiert wurde, erhielt Hamdiya (wie Tausende andere Palästinenser) medizinische Versorgung in einem israelischen Krankenhaus. Die meisten Leute wissen nichts über viele palästinensische Zivilisten, die in israelischen Krankenhäusern behandelt werden (was zu einem Großteil von israelischen Steuerzahlern bezahlt wird.) Jeden Tag ermöglicht Israel den Zugang von Menschen aus Gaza, die in den ausgezeichneten medizinischen Einrichtungen in Israel behandelt werden. Man kann das als Argument dafür sehen, wie großzügig Israel handelt.

Aber in diesem Fall handelt es sich um einen tatsächlichen Terroristen, der Israelis ermorden wollte und dennoch Zugang zu medizinischer Versorgung in Israel erhielt. Der lautstark in den Schlagzeilen erhobene Vorwurf lautete, dass dieser Mannes, der an einer tödlichen Krankheit litt, nicht ausreichend genug gepflegt worden sei.

Ein Kommentator der Washington Post verlinkte zu diesem Beitrag, der das Problem zurechtrückt. Ein Auszug:

Nach erstaunlicher ist die Tatsache, dass, während die Hamas weiterhin ihre Raketen verschoss, sie weiterhin  Patienten nach Israel zur Behandlung in dortige Krankenhäuser schickte, viele davon in Gebiete, die unter Beschuss der Hamas-Raketen lagen.

Israelische Krankenhäuser nehmen schon seit Jahren Palästinenser auf. In Gaza gibt es einfach nicht genug medizinische Einrichtungen, die eine Behandlung der stetig anwachsenden Bevölkerung garantieren können. Und die dort vorhandenen sind schlecht ausgestattet. Dem ’Palestinian Central Bureau of Statistics’ zufolge gibt es in Gaza 24 Krankenhäuser, die 1,7 Millionen Menschen zu versorgen haben. Israel hingegen verfügt über 377 Krankenhäuser, verteilt auf eine Bevölkerung von etwa 8 Millionen. Allein im vergangenen Jahr erhielten mehr als 100.000 Palästinenser medizinische Versorgung in Israel. Selbst auf dem Höhepunkt der Kämpfe im vergangenen November behandelten israelische Krankenhäuser Patienten aus dem Gazastreifen.

CNN: Nur ein stetiges Tröpfeln lästiger Projektile

Verfasst 4. April 2013 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Antisemitismus, Geistesgrößen, Israel, Medienwelt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

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HonestReporting Media BackSpin, 4. April 2013

Als lästig bezeichnet man den unvermittelt auftretenden Ärger, wenn man in bequemen Socken im Haus herumwerkelt und unerwartet in eine Wasserpfütze tappt, die die eigenen Kinder angerichtet haben. Aber was kann man da tun? Kinder sind nun mal Kinder.

Und ‘lästig’ ist keine Umschreibung dafür, was Israelis – oder irgendwelche anderen Menschen sonst – im Zusammenhang mit Raketenbeschuss empfinden. Sorry, CNN.


Schlagzeile übersetzt: Weitere Raketen aus Gaza ärgern Israel.

Etwas, das durch eine kleine Valium-Abgabe behoben werden könnte, oder?

Das stetige Tröpfeln von Projektilen hat den jüdischen Staat verärgert, der am Dienstag erstmals wieder Luftangriffe auf palästinensischem Gebiet durchgeführt hat, was das Ende des Waffenstillstandes bedeutet, der nach 8 Tagen feindseliger Auseinandersetzungen im November vereinbart worden war.

(Hat tip: E-Mail von Israeli Grouch)

Eine weitere Ausgabe von “Alles begann, als Israel zurückfeuerte”

Verfasst 4. April 2013 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Antisemitismus, Geistesgrößen, Geschichte, Israel, Medienwelt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

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HonestReporting Media BackSpin, 4. April 2013

Eine weitere Ausgabe von ins Gegenteil verdrehter Chronologie seitens der Nachrichtenmedien. Reuters ist ein Paradebeispiel dafür, was wir als das Phänomen “Alles begann, als Israel zurückfeuerte” bezeichnen.

So, als bestünde kein Zweifel, wer Schuld am letzten Gewaltausbruch trage, schreibt Reuters:

Die Luftschläge drohten eine von Ägypten  vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas zu beenden, eine Waffenruhe, die an der Grenze seit November für relative Ruhe gesorgt hatte….

Aber wenn man weiterliest, erfährt man, dass die Schläge der IDF eine Reaktion auf palästinensischen Raketenbeschuss waren.

Nun, ist das etwas, das eine Waffenruhe bedroht?

Update, Mittwoch, 12:30: Associated Press zeigt, wie es man es richtig macht.


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