Archive for the ‘Weltmedien und Nahost’ category

Terroranschlag in Jerusalem: irreführende Schlagzeilen

24. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 23. Oktober 2014

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Am Mittwochabend fuhr ein Palästinenser sein Auto absichtlich in eine Menschenmenge, die aus einer Jerusalemer Straßenbahn ausstieg, wobei er ein drei Monate altes Baby tötete und mehrere Menschen verletzte. Es handelt sich ganz eindeutig um einen Terroranschlag.

Erste Berichte hatten ausgesprochen irreführende Titelzeilen. Nehmen wir die erste Schlagzeile der Associated Press, die zu breiten Protesten führte:

Israelische Polizei erschießt Mann in Ost-Jerusalem

Israelische Polizei erschießt Mann in Ost-Jerusalem

Dass AP die Schlagzeile noch in derselben Stunde gegen das akkuratere „Palästinenser tötet Baby an Jerusalemer Haltestelle“ austauschte, deutet darauf hin, dass die Presseagentur erkannt hatte, dass sie mit ihrer ersten Schlagzeile falsch lag. Doch AP ist trotzdem verantwortlich für den immensen Schaden, den diese Schlagzeile verursachen kann. Was ist zum Beispiel mit den Medien, die nicht zögerten, die ursprüngliche Schlagzeile zu übernehmen, z. B. die türkische Daily Sabah? (H/T: Richard Behar)

Israelische Polizei erschießt Mann in Ost-Jerusalem

Israelische Polizei erschießt Mann in Ost-Jerusalem

HonestReporting kontaktierte AP Jerusalem direkt und bat um eine Erklärung. Hier die Antwort:

Die fragliche Schlagzeile war kurzlebig und wurde formuliert, als Einzelheiten über die Ereignisse noch knapp waren. Die Schlagzeile wurde nur ungefähr eine halbe Stunde später ersetzt, als AP Updates über den Vorfall, den Fahrer und das Opfer veröffentlichte. Die endgültige Version der Story und seiner Schlagzeile stellte klar, was geschehen war.

AP hat seinen Fehler korrigiert, aber die Berichterstattung der Agence France Presse (AFP) über den Terroranschlag ist im Vergleich womöglich noch schlimmer. Ich schreibe diesen Artikel ganze 17 Stunden nach ihrem Erstbericht, und noch immer hat AFP die folgende Schlagzeile:

Jerusalemer Fahrer erschossen nach Rammen von Fußgängern: Polizei

Jerusalemer Fahrer erschossen nach Rammen von Fußgängern: Polizei

Für die AFP also geht es nur um das Erschießen eines Fahrers statt um die Taten eines Terroristen. Zwar machte die AP einen ähnlichen Fehler, aber dieser wurde wenigstens korrigiert. AFPs Untätigkeit ist bezeichnend für ein Medium, das mit seiner antiisraelischen Einseitigkeit absolut kein Problem hat. Die Form erinnert an eine frühere AFP-Meldung: Vergleichen Sie obige Schlagzeile mit dieser hier, die nach einem Terroranschlag im Juli 2008 entstand, als ein palästinensischer Bulldozerfahrer einen israelischen Bus in Jerusalem rammte:

Jerusalemer Bulldozerfahrer erschossen: Polizei

Jerusalemer Bulldozerfahrer erschossen: Polizei

Ein weiterer Wiederholungstäter ist die BBC. In typischer Manier kann die BBC sich nicht dazu durchringen, einem Palästinenser die Verantwortung für einen Terroranschlag zu geben:

Neun Verletzte, als Auto Fußgänger an Jerusalemer Haltestelle erfasst

Neun Verletzte, als Auto Fußgänger an Jerusalemer Haltestelle erfasst

Selbst als bereits vollkommen klar war, dass dieser Vorfall kein einfacher Verkehrsunfall war, legte die BBC die Betonung auf das Fahrzeug und nicht auf den Fahrer, wobei sie sogar in Frage stellte, ob es sich um eine absichtliche Tat handelte, da sie um das Wort „Anschlag“ Anführungszeichen setzte:

Jerusalemer Auto-„Anschlag“ tötet Baby an Straßenbahnhaltestelle

Jerusalemer Auto-„Anschlag“ tötet Baby an Straßenbahnhaltestelle

Ein Blick auf die vorherige Berichterstattung der BBC über den Bulldozer-Terroranschlag zeigt wie im Fall der AFP einen durchgängigen Trend. Sehen Sie sich die Evolution dieser BBC-Schlagzeilen von März 2009 an:

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Und genau dasselbe gab es schon Wochen zuvor.

In jedem Fall, einschließlich dem letzten, stellen die BBC-Schlagzeilen Terroranschläge in Frage und lenken die Verantwortung auf das Fahrzeug statt auf den Palästinenser hinter dem Lenkrad.

Das oben Angeführte demonstriert, dass AFP und BBC unfähig oder nicht willens waren, ihre ursprüngliche Haltung aufzugeben, selbst dann noch, als weitere Informationen verfügbar waren. Ein weiteres Mal offenbart sich die tiefe antiisraelische Pathologie dieser Nachrichtenagenturen.

UPDATE
Was ist mit den Prioritäten des Independent los? Der Jerusalemer Terroranschlag ist ihnen nur ein paar Zeilen wert, und zwar nach sieben Absätzen in einem Artikel mit dieser Schlagzeile:

Israelische Soldaten gefilmt, als sie ‘einen 11jährigen palästinensischen Jungen, der des Steinewerfens beschuldigt wird, die Augen verbinden und festnehmen’

Israelische Soldaten gefilmt, als sie ‘einem 11jährigen palästinensischen Jungen, der des Steinewerfens beschuldigt wird, die Augen verbinden und ihn festnehmen’

Der Independent sagt, dass der palästinensische Junge, der Lernschwierigkeiten hat, 15 Minuten festgehalten wurde, bevor er seinem Vater übergeben wurde.

Es ist ein trauriges Zeugnis für den Mangel einer moralischen Richtschnur beim Independent, dass die Zeitung die 15minütige Festnahme eines palästinensischen Jungen für wichtiger und nachrichtenwürdiger bewertet als den Mord an einem drei Monate alten jüdischen Baby bei einem palästinensischen Terroranschlag.

Der Doppelstandard der New York Times

24. Oktober 2014

Yarden Frankl, HonestReporting, 19. Oktober 2014

DoubleStandards

Margaret Sullivan, Public Editor der New York Times, kämpft mit einem schwierigen ethischen Dilemma. Einige Leser hatten sie gefragt, ob der Kolumnist David Brooks gefeuert werden sollte, weil er (bis vor kurzem) verschwiegen hatte, dass sein Sohn in der IDF dient. Zwar sagt sie, der Militärdienst von Brooks’ Sohn sollte seiner Arbeit für die Times nicht entgegenstehen, aber sie meint, er hätte die Information nicht verschweigen dürfen, denn die Leser hätten ein „Recht“, so etwas zu erfahren.

Im allgemeinen, so Sullivan, sollten Kolumnisten nicht dem gleichen Grad von Offenlegung unterliegen, wie Reporter ihn haben. Doch da sein Sohn im israelischen Militär diene, habe er eine erweiterte Informationspflicht. Sie schreibt:

Ich glaube nicht, dass die Leser normalerweise wissen müssen, was die Ehepartner von Kolumnisten denken oder welchen Beruf die Brüder haben oder ob eine Tochter in der US-Armee dient. Aber diese Situation hier erscheint mir grenzwertiger. Der Sohn von Herrn Brooks dient als Angehöriger einer ausländischen Militärstreitkraft, die in einen ernsten internationalen Konflikt involviert war – einer, über den der Kolumnist zuweilen schreibt, und der sehr oft in den Nachrichten war.

Schön und gut. Doch wenn es um den Gaza-Chefkorrespondenten der Times geht, der Yassir Arafat als Facebook-Profilbild nutzte und Israelis Terroristen nannte, stieß das bei Sullivan nicht auf Widerspruch. Sogar nachdem Richard Behar in einem Forbes-Artikel darüber berichtete, nahm die Times die Voreingenommenheit ihres Korrespondenten nicht offiziell zur Kenntnis. Tatsächlich arbeitete Fares Akram weiterhin für die Times, selbst nach Veröffentlichung der Story.

Wie kann es sein, dass der Beruf des Sohnes eines Kolumnisten wichtiger ist als die persönliche Bewunderung eines Chefkorrespondenten für einen der schlimmsten Terroristen der Geschichte?

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Bezüglich Brooks’ Sohn schreibt Sullivan:

Ich glaube, eine einmalige Anerkenntnis dieser Situation, und zwar in gedruckter Form (nicht in einem Interview mit einer anderen Publikation), wäre vernünftig. Diese Information ist relevant; und die Leser verdienen es, darüber am selben Ort zu erfahren, an dem diese Kolumnen erscheinen.

Wenn es jedoch um die Yassir-Arafat-Verehrung ihres Gaza-Chefkorrespondenten geht, hält Sullivan die Information offenbar nicht für „relevant“ und denkt nicht, dass es „die Leser verdienen, darüber zu erfahren“.

Mailen Sie Sullivan bitte in englischer Sprache unter public@nytimes.com und fragen Sie, warum es bei der New York Times einen doppelten Standard gibt – auf der einen Seite die Mitarbeiter mit Bezügen zu Israel, auf der anderen Seite die Mitarbeiter mit Bezügen zu palästinensischen Terroristen.

Um sicherzugehen, dass sie Ihre Frage sieht, schreiben Sie bitte folgende Zeilen dazu:
Article Headline: Should David Brooks Disclose His Son’s Israeli Military Service
Date Published: October 8, 2014
Web or Print: Web

Studie: Selbstzensur bei palästinensischen Reportern weit verbreitet

19. Oktober 2014

Alex Margolin, HonestReporting, 20. Oktober 2014
(Übs.: Yvaine de Winter)

SelfCensorship

Was können interessierte Leser tun, wenn sie eine Vorstellung von dem bekommen wollen, was in den Palästinensergebieten wirklich geschieht?

Wie sich herausstellt, ist es dabei das schlechteste, die palästinensische Presse zu lesen.

Eine Studie zeigt, dass gewaltige 80% der palästinensischen Journalisten eine Art Selbstzensur betreiben, und 68% der Journalisten „sagten, einiges von ihrem journalistischen Material und dem ihrer Kollegen durfte oftmals überhaupt nicht veröffentlicht werden“.

In der vom Palestinian Center for Development and Media Freedoms (MADA) durchgeführten Studie sagten nur 19% der palästinensischen Journalisten, sie hätten bei ihrer Arbeit niemals Selbstzensur betrieben.

Das bedeutet, dass nur einer von fünf palästinensischen Reportern den Versuch gemacht hat, die ganze Geschichte darzustellen, und nur einer von drei bekam seine Berichte nicht ständig abgelehnt und verworfen.

Selbstzensur bzw. die bewusste Zurückhaltung von Informationen ist besonders heimtückisch, da sie den Machthabern die Kontrolle über den Informationsfluss erlaubt, ohne den Anschein zu erwecken, auf die Journalisten Druck auszuüben.

Für gewöhnlich betreibt man Selbstzensur aus Angst vor Strafe oder Vergeltung in irgendeiner Form, wenn man nicht an der „Parteilinie“ festhält. Im letzten Gazakrieg beispielsweise haben Hamas-Terroristen die internationalen Presseleute aufmerksam verfolgt und begleitet, weshalb es praktisch keine Fotos davon gab, wie die Hamas Raketen auf Israel schießt.

Aber Selbstzensur kann auch stattfinden, wenn palästinensische Journalisten ihre Position zur Unterstützung eines politischen Standpunkts benutzen, z. B. der Antinormalisierungsbewegung in den Palästinensergebieten, die jede Form der Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinensern unterbinden möchte.

In jedem Fall ist der größte Verlierer bei dieser Praxis die Öffentlichkeit, die sich auf die Medien verlässt.

Zwar betrachtet die Studie die Selbstzensur als interne palästinensische Angelegenheit, sie hat aber auch Effekte weit über die Palästinensergebiete hinaus.

Westliche Reporter, die in den Palästinensergebieten arbeiten, verlassen sich oft auf palästinensische Mittelsmänner, Dolmetscher und Führer. Zensieren palästinensische Reporter ihre eigenen Berichte, wie können dann westliche Journalisten mit Sicherheit wissen, dass die Leute, auf deren Aussagen sie sich für ihre eigenen Storys verlassen, nicht dasselbe tun?

Und was noch wichtiger ist: Die Studie beweist aufs Neue, dass jede Information aus einer Region, die weder die Meinungsfreiheit unterstützt noch eine freie Presse unterhält, niemals hundertprozentig verlässlich sein kann.

Die fünf größten Fälle von Medien-Versagen im Gaza-Krieg 2014

7. Oktober 2014

Alex Margolin, HonestReporting, 16. September 2014 (Übersetzt von Cora)

Die Berichterstattung in Kriegszeiten mag für die Medien die ultimative Herausforderung sein. Doch der Konflikt zwischen Israel und der Hamas offenbarte einmal mehr die ernste Beschränkung des traditionellen Jouranlismus. Fünf Versager stechen besonders heraus.

Die 5 größten Medien-Versager
Ausgabe Gaza-Konflikt 2014

Medien Versagen # 1

Opferbilder als moralisches Barometer

Reporter vertrauten Zahlen, die ihnen von Gazas Gesundheitsministerium, das der Hamas untersteht, mitgeteilt wurden, und das, obwohl die Hamas ein strategisches Interesse an einer Inflation der Anzahl hat

Col. (Reserve) Reuwen Ehrlich vom Mei Amit Intelligence and Information Centre prüfte die Namen, die vom Gesundheitsministerium in Gaza herausgegeben wurden.

„Die Liste wurde hastig erstellt und später wurden Änderungen vorgenommen. Es gab eine Anzahl falscher Namen, die aufgelistet wurden, die Details der Todesursachen waren nur unvollständig, was die Identifikation verdächtigt macht. Es gab Namen, die mehr als einmal verwendet wurden und einige sind eher durch eigenen Beschuss, als durch die israelische Armee umgekommen. Die Liste unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Terroristen. Alle Toten auf der Liste werden „Shahids“ (Märtyrer) genannt.“

Viele Medienangaben behaupten, dass es sich bei 80% um zivile Opfer handelt.

Aber ein Bericht der New York Times fand heraus, dass ein verdächtig hoher Anteil der Opfer Männer im Alter zwischen 20 und 29 Jahren waren – das Hauptalter der Hamasterroristen.

Die Mainstream Medien präsentieren häufig eine Opferaufrechnung – die Anzahl der Palästinenser neben der Anzahl der Israelis.

Diese Aufzählung hat einen moralischen Unterton. Berichte ohne Hintergründe suggerieren, dass Israel der Aggressor war oder die Bedrohung Israels übertrieben wurde.

Doch die „Anzahl“ ist nicht die ganze Geschichte. Sie zeigen nicht die Anstrengung Israels, seine Zivilisten zu schützen und es schließt nicht in die Rechnung mit ein, mit welchen Mitteln die Hamas Zivilisten in Gefahr brachte, indem sie reine Wohngebiete zu Kriegsschauplätzen machte.

Wie Bret Stephens im Wall Street Journal schrieb:
„Der einzige Nutzen der Leichenzahlen besteht darin, den Reportern und Kommentatoren die ultimative Möglichkeit zu geben, Israel die Schuld zuzuschieben während sie den Fragen nach der tatsächlichen Verantwortung für das Morden ausweichen.“

Medienversagen # 2

Das Syndrom des „geprügelten Journalisten“

Die Hamas schüchtert Journalisten ein.

Die Situation in Gaza war so schlimm, dass die Foreign Press Association (FPA) eine verichtende Verurteilung des Benehmens der Hamas gegenüber den Journalisten herausbrachte.

Aus dem Statement der Foreign Press Association:

„Die FPA protestiert auf Schärfste gegen die aufdringlichen, ständigen, gewalttätigen und unlauteren Methoden der Hamas-Authoritäten und ihrer Vertreter gegenüber den internationalen Journalisten, die Gaza in den letzten Monaten besuchten …

In mehreren Fällen wurden ausländische Reporter, die in Gaza arbeiteten, schikaniert, bedroht oder über ihre Geschichten ausgefragt oder über Informationen, die sie über ihre Nachrichtenmagazine oder durch die Sozialen Medien weitergaben.“

Erstaunlicherweise war die Antwort einiger der einflussreichsten Journalisten, die über Gaza berichteten, darauf, dass die ganze Sache übertrieben sei.

Die Chefin des Jerusalemer Büros der New York Times, Jodi Rudoren, nannte das Statement der FPA via Twitter „Unsinn“.

Joshmitnick

Foreign Press Ass. Protestiert gegen aufdringliche, ständige, gewalttätige Hamasbelästigungen, Drohungen gegen Reporter in #Gaza pic.twitter.com

Jodi Rudoren

@ joshmitnick: Jeder Reporter, den ich getroffen habe und der in Gaza während des Krieges war, sagt, dass die israelische/jetzt FPA Darstellung Unsinn ist.

Warum geht jemand hin und spielt etwas gezielt herunter, das offensichtlich Auswirkungen auf die Darstellungen hat, die über diesen Konflikt auftauchen?

TRANSPARENZ

Wenn Reporter transparent über die Herausforderungen berichteten, dann zugeben müssten, dass die Hamas auf vielen Ebenen Anstrengungen unternahm, die Kontrolle über alle Berichte zu bekommen, die aus Gaza kamen.

Wie der Journalist Michael Totten nach der Veröffentlichung des AFP Statements schrieb:

„Der Gazakrieg war natürlich eine große Geschichte und es musste darüber berichtet werden. Aber es hätte genauso gut von der israelischen Seite der Grenze aus aufgedeckt werden können. Über beide Seiten der Geschichte zu berichten ist natürlich, wann immer es geht, vorzuziehen, doch eine ausgewogene Berichterstattung von Israel aus mit den zensierten Berichten aus Gaza zu vergleichen, ist eine journalistische Vernachlässigung der Sorgfalt. Hört auf damit!“

Medienversagen # 3

Fehlende Informationen werden nicht bekannt gemacht

Viele Journalisten und Fotografen behaupten, dass sie bei ihrer Arbeit von der Hamas nicht behindert wurden, aber sie konnten auch nicht glaubhaft erklären, warum es so wenige Bilder von Hamaskämpfern in Aktion gab.

 

Der Starfotograf der New York Times, Tyler Hicks, sagte, dass er überhaupt keinen Terroristen oder Raketenrampe gesehen habe. „Es war als gäbe es sich gar nicht.“ sagte er.

Und so haben die meisten Bildreihen das Geschehen auch behandelt – als ob es keine Raketenabschussrampen und Leute, die diese auf Israel abgeschossen hatten, gegeben habe.

Dagegen gab es keinen Mangel an Fotos von Palästinensern, die auf die israelischen Luftangriffe reagierten. In unzähligen Fotostrecken aus Gaza war es schwer auszumachen, dass hier zwei Seiten kämpften, nicht nur eine.

Mediale Veröffentlichungen haben die Pflicht, den Leser wissen zu lassen, wenn etwas fehlt.

Medienversagen # 4

Überbetonung grausamer Kriegsbilder

Während es aus den Tagen schwerster Kämpfe in Gaza buchstäblich keine Bilder von Hamaskämpfern gibt, findet man Bilder von Kindern und Babys, die bei israelischen Luftangriffen verletzt wurden, in Hülle und Fülle.

Aber das verdreht die Auseinandersetzung in Gaza aufs Schlimmste. Nimmt man das Fehlen der Bilder von Hamaskämpfern dazu, wird die Botschaft klar: Israel ist ein Aggressor, der auf Kinder zielt.

Tatsächlich aber kämpfte Israel um seine Bevölkerung vor Raketenbeschuss und Tunnel unter seiner Grenze zu beschützen.

Medienversagen # 5

Das Versagen, die tatsächlichen Ziele der Hamas klar zu stellen.

Während der Wochen der Kämpfe und vor allem während der Perioden, in denen über einen Waffenstillstand verhandelt wurde, behaupteten die Medien, dass die Hauptmotivation der Hamas entweder die Aufhebung der Blockade rund um Gaza, oder die Eröffnung eines Hafens oder Flughafens sei.

Aber warum hat die Hamas dann Jahre darauf verwendet, ein Tunnelsystem und Bunker zu bauen, die die Grenze unterqueren und weit bis nach Israel hineinreichen?

Es wäre ehrlicher, wenn man darauf hinweisen würde, dass sich die Hamas der Vernichtung Israels verschrieben hat.

Ihre Charta sagt das deutlich:

„Die islamische Widerstandsbewegung ist ein Glied in der Kette im Kampf gegen die zionistischen Invasoren. Sie geht zurück auf das Jahr 1939 … und auf die Muslimbruderschaft im Krieg 1948 und den Jihad Operationen der Muslimbruderschaft in den Jahren 1968 und danach …

Die islamische Widerstandsbewegung strebt nach der Realisierung des Versprechen Allahs, egal wie lange es dauern mag. Der Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, hat gesagt:

„Der Tag des Gerichtes wird nicht kommen, bis die Muslime die Juden bekämpfen (Juden töten), während sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken. Die Steine und Bäume werden rufen: Oh Muslim, oh Abdullah, da ist ein Jude hinter mir, komm und töte ihn …“

Die Medien haben die Verpflichtung den Konflikt als das darzustellen, was er ist: Die Aggressionen einer Terroristengruppe, die darauf hinarbeitet, Israel zu zerstören und Israels Anstrengungen, seine Bürger zu beschützen.

S.E. Cupp schrieb in der New York Daily News:

Es wird selten in einem Nachrichtenbericht erwähnt, dass das vorrangige Ziel der Hamas, ihr Hauptziel, das, was sie wirklich will und wozu ihr militärischer Arm geschaffen wurde und entschlossen ist, die totale Vernichtung Israels und die Auslöschung der Juden ist.

Das ist eine entscheidende Komponente, die in den Berichten regelmäßig ausgelassen wird. Aber jede Story, die das nicht als Hauptforderung der Hamas erwähnt, ist weder intellektuell ehrlich noch vollständig.

Wie man eine „Siedlungskrise“ erschafft

4. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 02.10.2014

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Es ist wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Der israelische Premierminister Netanyahu trifft sich mit US-Präsident Obama, und die Medien sind voll mit Geschichten über israelischen Siedlungsbau und Verurteilungen sowohl vom Weißen Haus als auch vom US State Department.

Wie kam es also zu dieser „Verkettung unglücklicher Umstände“?

Zuallererst wäre so etwas ohne die vollkommen siedlungsbesessenen Medien nicht möglich gewesen. Ungeachtet all dessen, was in der Region vor sich geht, schließen sich viel zu viele noch immer unhinterfragt dem Narrativ an, der Bau von jüdischen Wohnhäusern (in diesem Fall in einem Stadtteil Jerusalems) sei das größte Friedenshindernis im Nahen Osten.

Rechnen Sie zweitens die symbiotische Beziehung zwischen den Medien und nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) mit ein, insbesondere derjenigen, die Israels Politik gegenüber kritisch eingestellt sind. Die Washington Post sieht die Dinge bei ihrem Bericht über die Baupläne für Givat Hamatos in Jerusalem richtig:

Die Siedlungsentwicklung war jahrelang in Planung, befand sich jedoch bis letzte Woche auf Eis. Letzte Woche gab die Regierung eine öffentliche Bekanntmachung heraus, was ihr erlaubte, Angebote entgegenzunehmen und mit dem Bau zu beginnen. Die Bekanntmachung erhielt jedoch keinerlei Aufmerksamkeit, bis die israelische Lobbygruppe Peace Now kurz vor dem Treffen zwischen Obama und Netanyahu eine Pressemeldung über sie veröffentlichte.

Tatsächlich wurde alles erst zu einer Story, als das hier im E-Mail-Postfach ausländischer Journalisten landete:

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Also hielt Peace Now diese Pressemeldung bewusst für eine ganze Woche bis zu dem Zeitpunkt zurück, von dem sie wussten, dass sie in der Presse maximale Zugkraft haben und Netanyahu auf seiner US-Reise noch mehr Kopfschmerzen bereiten würde. Und dies trotz der Tatsache, dass der Bau in Givat Hamatos schon im Dezember 2012 genehmigt worden war.

Aber z. B. für die Times of London ist das eine brandneue Siedlung und kein Bau in einem bereits existenten Bereich von Jerusalem:

Spaltungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten traten zutage, als Stunden vor einem Treffen zwischen den Oberhäuptern beider Nationen eine kontroverse neue jüdische Siedlung genehmigt wurde.

Es ist keine „neue jüdische Siedlung“, und sie wurde ganz gewiss nicht Stunden vor dem Treffen zwischen Netanyahu und Obama genehmigt.

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Im Bild oben: Givat Hamatos ist rot umrandet, blau sind die jüdischen Stadtteile, braun sind die arabischen Stadtteile.

Was ungeachtet israelischer Medien in der Pressemeldung ebenfalls fehlt, ist die Tatsache, dass die Hälfte der Wohneinheiten in Givat Hamatos für arabische Bewohner bestimmt ist. Bei den Argumenten bezüglich Siedlungen in Jerusalem wird generell missverstanden, dass man arabische Einwohner Jerusalems oder israelische Araber nicht legal davon abhalten kann, Immobilien innerhalb der Stadtgrenzen zu kaufen, zu mieten oder dort zu wohnen.

Also können wir klarstellen, dass Timing und Inhalt der Givat-Hamatos-Story nichts weiter als eine künstlich erschaffene „Krise“ darstellen, die in Wirklichkeit unbeachtet geblieben wäre, wäre da nicht Peace Now gewesen.

Bild: CC BY-SA HonestReporting, flickr/Philip Taylor

Der Guardian beschuldigt Israel mit dem Krieg begonnen zu haben

2. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 26. September 2014 (übersetzt von Cora)

In einem Editorial „Der Blick des Guardian auf die menschlichen, ökonomischen und die wirtschaftlichen Kosten des Gaza-Krieges“, stellt die Zeitung die Richtigkeit der israelischen Betrachtungsweise der Geschehnisse in Frage, die zu dem Tod der zwei Palästinenser geführt hat, die für die Entführung und Ermordung der drei israelischen Jugendlichen anfang des Sommers verantwortliche waren.

„In der folgenden Schießerei wurden die zwei Männer in dem Haus getötet. Das haben sie verdient, könnte man sagen, wenn man annimmt, dass die beiden schuldig waren und die Polizei keine Alternative hatte, als zurückzuschießen als sie unter Feuer kamen.“

Das Editorial fährt fort:

„Den vollständigen Hintergrund des Verbrechens werden wir nie erfahren, weil die angeblichen Täter jetzt tot sind. Doch die Beweise lassen stark vermuten, dass die Behauptung der israelischen Regierung, sie hätte „eindeutige Nachweise“, dass die Hamas als Organisatoren dafür verantwortlich ist, unberechtigt sind.“

Welche Beweise besitzt der Guardian genau, die die Hamas von der Verantwortung für die Entführung und Ermordung der drei israelischen Jugendlichen frei spricht? Kein einziger wird genannt. Stattdessen verbreitet der Guardian seine Interpretation der Geschehnisse, wobei er sicher stellt, dass die Beweislast für die Verantwortung des Konflikts nicht bei der Hamas, sondern bei der Regierung Benjamin Netanyahus liegt.

„Durch den Beschluss die Hamas zu beschuldigen scheint Benjamin Netanyahu, der Premierminister Israels, eine Möglichkeit gesehen zu haben, die gerade geschaffene Einheitsregierung der Palästinenser, die Hamas und Fatah zusammen gebracht hatte, zu destabilisieren und M. Abbas, den Präsidenten der palästinensischen Selbsverwaltung zugrunde zu richten. Die Israelis stürmten durch die Westbank und verhafteten hunderte Mitglieder der Hamas.

Provoziert und darin eine Möglichkeit sehend, die schwindenden Sympathien zurück zu holen, antwortete die Hamas in Gaza mit Raketen. Erzürnt verlangte die israelische Öffentlichkeit, in Unkenntnis aller Fakten, nach Taten gegen Raketen und die neu entdeckten Tunnel. In die Enge getrieben, schickte Netanyahu Truppen los.“

In den Augen des Guardian war die Operation Protective Edge also nicht dazu da, Israelis vor den Hamas Raketen zu beschützen, sondern ein zynisches Manöver Israels.

So ist es kein Wunder beim Guardian, dass er wie üblich die Schuld bei Israel statt bei den Terroristen sieht.

Verteidigung der Meinungsfreiheit eines Professors?

2. Oktober 2014

Yarden Frankl, HonestReporting, 30.09.2014

Die Geschichte des Professors, der proisrealische Studenten als „hirntot“ beschrieb, geht in Illinois und auch auf den Seiten der New York Times weiter.

Unser Video „Steven Salaita: Meinungsfreiheit oder Israelhass?“ zeigt, dass die University of Illinois Steven Salaita nicht etwa vor die Tür gesetzt hat, weil er ein Israelkritiker war. Vielmehr zogen sie ein Jobangebot an jemanden zurück, der Israelunterstützern hasserfüllte Drohbotschaften entgegenschleuderte. Das ist keine Frage der Meinungsfreiheit oder der akademischen Freiheit.

Es ist die simple Frage, ob eine Universität jemanden beschäftigen muss, der ein Klima der Einschüchterung fördert. Bemerkungen wie „hirnlose“ Israelunterstützer und „abscheuliche Menschen“ sind kein Bestandteil irgendeiner legitimen Debatte. Den Wunsch zu äußern, alle „verd*mmten“ Israelis, die in den umstrittenen Gebieten leben, sollten entführt und ermordet werden, geziemt sich nicht für einen zivilisierten Menschen, und insbesondere nicht für einen Lehrer junger Menschen.

Doch dann meldet sich die Times mit einem Artikel mit der Überschrift „Organisierung zur Verteidigung der Meinungsfreiheit eines Professors“. Der Artikel beschreibt den Einsatz von Professor Corey Robin vom Brooklyn College (einem Teil der City University of New York) für die Herbeiführung eines akademischen Boykotts der University of Illinois. Professor Robin ist ein selbsternannter „Antizionist“. Auf seiner Website:

Er empfiehlt, dass Wissenschaftler aller Disziplinen öffentliche Erklärungen abgeben, dass sie jedwede Einladung, auf einem Campus der University of Illinois zu sprechen, ablehnen würden. Dies stellt eine ernste Störung des Akademiewesens dar.

Die Times erwähnt gegenüber ihren Lesern jedoch mit keinem Wort die hasserfüllten Tweets, welche die Universität zur Rücknahme ihres Beschäftigungsangebots bewog. Statt dessen beschreibt der Artikel Robins Organisation des Boykotts. Ironischerweise führt der Artikel folgendes Zitat von Robin an:

Herr Robin betrachtet seinen Aktivismus bezüglich Salaita und anderer Fälle als Erweiterung seiner Arbeit in politischer Theorie. Sein erstes Buch widmete sich der Politik der Angst. Schon seit langem interessiert er sich für Angelegenheiten der Einschüchterung und Nötigung.

Ironisch, denn durch seine Verteidigung Salaitas verteidigt Robin in Wirklichkeit Einschüchterungen auf dem Campus.

Zum Ende des Artikels hin beschuldigt Professor Todd Gitlin von der Columbia University Robin, dass jener nicht die tatsächliche Natur der Tweets angesprochen hätte. Die Antwort?

Herr Robin räumt ein, sich „absichtlich nicht dem Inhalt gewidmet zu haben…“ Sich den Einzelheiten in den Tweets zu widmen, sei seiner Aussage zufolge „den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“.

Doch indem sie einen Artikel bringt, in welchem sie den Sachverhalt als Problem der Meinungsfreiheit darstellt und die Inhalte der Tweets verschweigt, ist die Times diejenige, die den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.


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