Archive for the ‘Weltmedien und Nahost’ category

Wo ist der dritte Tempel?

14. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 14. Mai 2013

Die Londoner Times (Paywall für Nicht-Abonnenten) veröffentlicht eine Geschichte unter der folgenden Überschrift:

Übersetzung: EU unterstützt dritten Tempel an Jerusalems heiligster Stätte, so jüdische Extremisten

Im Artikel heißt es:

Ein Aufruf der EU-Außenbeauftragten Lady Ashton zur Religionsfreiheit in Jerusalem wurde von extremistischen jüdischen Organisationen und religiösen Führern als Erklärung zur Unterstützung für einen umstrittenen dritten Tempel auf dem Hügel in der Altstadt vereinnahmt.

Doch nur zwei Absätze später dies:

Nun fordern einige Hardliner-Gruppen, dass Juden an der Stelle beten dürfen sollen, die sie das “Allerheiligste” nennen, und sie interpretieren einen Aufruf Lady Ashtons für Religionsfreiheit in Jerusalem als stillschweigende Unterstützung für das Recht der Juden, dort beten zu dürfen.

Ein Sprecher Lady Ashtons sagte am Wochenende: “Es ist von grundlegender Bedeutung, dass der Zugang zu den Heiligen Stätten in Jerusalem für friedlichen Gottesdienst allen Konfessionen in vollem Umfang zuerkannt wird.”

In der Tat gibt es Forderungen, Juden den Gottesdienst auf dem Tempelberg, der heiligsten Stätte des Judentums, zu erlauben – auch die religiöse Vorstellung, dass in Zukunft dort ein dritter Tempel entstehen wird.

Jedoch scheinen Artikel und Überschrift daraus ein Gefühl von Gefahr zu vermitteln, das weit darüber hinaus geht, was die Nachweise im Text selbst hergeben.

Wie konnte ein Aufruf für die Gebetsfreiheit auf dem Tempelberg zu einer Überschrift mutieren, die den Bau eines dritten Tempels fordert?

Newseum überdenkt Ehrung für Hamas-Terroristen

14. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 14. Mai 2013

Es sieht danach aus, dass Newseums nun versucht, vom Sims herunterzuklettern, nachdem es sich zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Das Washingtoner Medien-Museum kündigte an, dass es neu über die Aufnahme der zwei Hamas-”Journalisten” in ihre Gedenkstätte für getötete Reporter nachdenkt.

Es gab ernst zu nehmende Nachfragen dahingehend, ob zwei Personen auf unserer Vorschlagsliste für Journalisten, die während der Ausübung ihrer Tätigkeit letztes Jahr getötet worden waren, tatsächlich Journalisten waren oder ob sie an terroristischen Aktivitäten teilnahmen.

Wir nehmen die Bedenken bezüglich dieser beiden Männer ernst und haben beschlossen, vor ihrer Aufnahme als Journalisten in unserer Gedenkstätte weitere Nachforschungen  anzustellen.

Der Terrorismus hat die Szene in vielerlei Hinsicht verändert, einschließlich der Regeln für den Kriegseinsatz, das Recht, den Geheimdiensteinsatz und Verhörtechniken und die Internierung feindlicher Kombattanten. Der Journalismus bildet da keine Ausnahme.

Wie HonestReporting bereits erwähnte, waren Mahmoud Al-Kumi und Hussam Salama als Hamas-Aktivisten bekannt.

Volltreffer: BBC korrigiert syrische Propaganda-Headline

10. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 10. Mai 2013

Am Montag hatten wir unsere Leser gebeten, wegen dieser Headline eine Beschwerde an die BBC zu richten:


Wir hatten darauf hingewiesen, dass bei der BBC die syrische Propaganda, in der suggeriert wurde, Israel arbeite mit Terrorristen zusammen, im Wortlaut übernommen worden war. Die BBC hat nun mit einer neuen Headline und Korrektur reagiert:

Korrektur (7. Mai 2013): die Überschrift dieses Berichts wurde geändert, um klarzustellen, dass die Behauptung, israelische Luftangriffe wären mit den Rebellen koordiniert worden, von den syrischen Behörden aufgestellt wurde.


Geänderte Headline übersetzt: Syrien behauptet, dass israelische Luftschläge “mit Terroristen koordiniert worden sind”

Auch wenn zu bedauern ist, dass syrische Propaganda als so berichtenswert befunden wurde und wir immer noch sehr unzufrieden sind mit der Berichterstattung selbst, bedeutet die aktualisierte Schlagzeile eine Verbesserung gegenüber dem Original.

Die BBC mag wohl nicht immer so auf Beschwerden reagieren, wie wir uns das wünschten, aber Ihre/Eure Aktionen beweisen, dass sie diese registriert. Gemeinsam können wir viel bewirken.

BBC-Schlagzeilen: Nachplappern syrischer Terrorvorwürfe gegenüber Israel

6. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 6. Mai 2013

Die BBC nimmt offensichtlich nicht zur Kenntnis, dass Terrorakte gegen israelische Zivilisten eben das sind, was sie sind, und dass Palästinenser, die in mörderischer Absicht israelische Zivilisten mit Messern, Raketen und Selbstmordanschlägen töten wollen, nun mal Terroristen sind.

Dennoch hat die BBC dank freundlicher Mithilfe des verabscheuungswürdigen syrischen Regimes von Bashar al Assad, das verantwortlich ist für den rücksichtslosen Mord an Männern, Frauen und Kindern in einem Bürgerkrieg, der während der letzten drei Jahre etwa 70.000 Menschenleben* gekostet hatte, das “T”-Wort**, für sich entdeckt.

Ja, es stimmt: Israel wird mit Terroristen in Verbindung gebracht. Und woher wissen wir das? Zumindest von den Syrern.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Homepage von BBC News:

Artikelüberschrift: “Israelische Luftschläge geben Terroristen Rückendeckung”

Und dann auf den Artikel selbst:


Artikelüberschrift:
Israelische Luftschläge mit Terroristen abgestimmt

Ein gehöriges Stück Terror für die BBC, was den Anschein erweckt, dass man die Propaganda des syrischen Regimes zu ernst nehmen solle.

Könnte man sich bei den Schlagzeilenschreibern der BBC noch mehr Pathos vorstellen?

Handeln Sie bitte jetzt. Richten Sie Ihre Kritik (bitte in Englisch) an www.bbc.co.uk/complaints, die Beschwerdeseite der BBC. Für detaillierte Navigation durch die Seite klicken Sie bitte hier.

Bitte twittern Sie diesen Artikel, geben Sie ihm ein „Like“ oder verbinden Sie diesen Artikel auf ihrer Webseite/Blog. Er kann nur dann große Wirkung entfalten, wenn er eine große Leserschaft erreicht, speziell durch eine entsprechende Eingabe bei Google.

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*Anmerkung (bd):

Seit 1949 bis heute sind in der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Palästinensern und Israelis wesentlich weniger Menschen ums Leben gekommen, viele davon aber durch palästinensische Anschläge auf israelische Zivilisten, die ungezählten verkrüppelten Israelis nach Anschlägen nicht mitgerechnet.

Die im Link aufgeführten Wikipedia-Angaben beziehen sich meist auf ausgewählte und relativ ungesicherte Quellen, sind nicht immer wissenschaftlich belegt und geben oft die palästinensische Sichtweise wider.

** Die Umschreibung T-Wort (also Terror) steht dafür, dass viele Mainstream-Medien das Wort Terror vermeiden, um islamische Terroristen in einem besseren Licht darzustellen oder als sozial motivierte Robin Hood-Figuren darzustellen (bd).

Terror schönreden: Die Ausflüchte der BBC

6. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 6. Mai 2013

Als Reaktion auf die Kritik von HonestReporting an der BBC-Berichterstattung über den tödlichen Messerangriff eines palästinensischen Terroristen auf einen Israeli hat das für Nahost zuständige Redaktionsbüro der BBC einem unserer Abonnenten folgende Antwort zukommen lassen:

Wir verwendeten das Wort “Siedler”, weil es in erster Linie der Terminus ist, der möglichst exakt und vollständig das Attentatsopfer vom [letzten] Dienstag beschreibt. Selbstverständlich lieferten wir im Bericht weiter unten mehr Details zum Opfer.

“Israeli” ist hier falsch, weil damit nicht deutlich wird, dass Eviatar Borovzky im Westjordanland gelebt hatte. Nach Internationalem Recht handelt es sich beim Westjordanland um besetzte Gebiete, und Israelis, die dort leben, sind demzufolge Siedler. Dies schmälert oder rechtfertigt in keiner Weise einen Mord. Da zuständig für Informationen für ein internationales Nachrichten-Publikum versuchen wir so transparent wie möglich darüber zu berichten, wer wen und wo getötet hat. Alle drei führenden internationalen Nachrichtenagenturen – Reuters, Associated Press [AP] und AFP – verwendeten exakt die gleiche Formulierung wie wir.

Die englischsprachige News-Website “Ynet“ gebrauchte das Wort “Siedler” in diesem Zusammenhang so wie wir. Die Schlagzeile zu einem Bericht vom 30. April lautet: “Nach Terroranschlag werfen Siedler mit Steinen und brennen Felder ab.” Und weiter: “Wenige Stunden nach der Ermordung des jüdischen Siedlers Eviatar Borovsky durch einen palästinensischen Terroristen im nördlichen Westjordanland am Dienstagmorgen schleuderten nahe dem Dorf Hawara dutzende Siedler Steine auf  palästinensische Fahrzeuge.” (http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4374261,00.html)

Mehrere Leser beschwerten sich darüber, dass wir den palästinensischen Angreifer nicht als Aktivisten, Militanten oder Terroristen bezeichnet hatten. Uns ist nicht bekannt, dass der Angreifer zu einer politischen oder bewaffneten palästinensischen Gruppe gehörte.

Vier Richtigstellungen dazu:

1) Warum sollte [ausgerechnet; bd] Eviatar Borovskys Wohnort als bestimmendes Indiz dafür herhalten, dass er Opfer eines Terroranschlages wurde?

2) Die BBC hat noch immer nicht kapiert, dass ihre Auslegung zum Status von Siedlungen nur eine von mehreren Interpretationen des Völkerrechts ist.

3) Seit wann richtet sich die BBC an israelischen Medien aus, wenn es um Begriffsbestimmungen geht? Auch wenn YNet Borovsky als Siedler bezeichnete (worauf die von BBC zitierte Schlagzeile jedoch keinerlei Bezug nimmt) verwies die Jerusalem Post in der Überschrift  auf ihn als “israelischen Mann“, und The Times of Israel bezeichnet ihn lediglich als “Israeli”.

4) Seit wann muss ein Terrorist ein von einer Organisation bezahltes Mitglied sein, um als Terrorist bezeichnet werden zu können? Die Attentäter beim Boston-Marathon wurden von keiner islamistischen Organisation als Mitglieder geführt, und dennoch wurden sie als Terroristen bezeichnet.

Sorry BBC – diese Antwort ist einfach nicht gut genug.

Miese Rider-Schlagzeilen

1. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 1. Mai 2013

Durch einen israelischen Luftangriff wurde ein islamischer Jihadist getötet. Hithem Ziad Ibrahim Masshal war an einem Raketenangriff auf den Ort Eilat vor wenigen Tagen beteiligt. Die Geschosse waren aus der ägyptischen Halbinsel Sinai abgefeuert worden. Masshal hatte den Konflikt also mit Sicherheit internationalisiert.

Deshalb amüsierte ich mich über diese Headline von Sky News. Die gelbe Hervorhebung akzentuiert die Beschreibung von Masshal, der – sagen wir mal – sicher niemanden an Peter Fonda, Dennis Hopper und Jack Nicholson im Kult-Film Easy Rider erinnert. Der Jerusalem Post zufolge war der Salafist Masshal „an der Herstellung, Entwicklung und dem Handel mit Schusswaffen, insbesondere Raketen und Bomben beteiligt…”


Motorradfahrer?

Trug er einen Helm?

So also hatte Israel Masshal beschrieben?

Sicher nicht.

Dann möchte ich als Jerusalems Top Bus Surfer in Erinnerung bleiben.

UPDATE: Beim Guardian hat auch jemand einen Trip geschluckt.


UPDATE: So auch beim Independent.

Leserbriefe und das Getöse der Massen

8. April 2013

HonestReporting Media BackSpin, 8. April 2013

Pesach Benson, Honest Reporting (HR) Jerusalem

Eine Auswahl von E-Mails in meinem Postfach heute Morgen:

1. Diese Fragestellung von G.

Wurde irgendwo in den internationalen Medien berichtet, dass die “Israelis, die all’ die armen Palästinenser unterdrücken, einen arabischen Mediziner zum neuen Leiter der Notaufnahme im ’Hadassah Ein Kerem’-Krankenhaus ernannt haben?”

Meines Wissens berichtete nur die Jerusalem Post über die Ernennung von Dr. Aziz Darawshe. Seine Vita ist beeindruckend, und seine Ansichten zum Verhältnis zwischen Juden und Arabern in Israel sind freimütig.

Es würde mich nicht überraschen, wenn einige Kommentare Darawashes Ernennung dazu nutzten, um gegen Israel zu argumentieren. Die “Logik” bestünde darin, dass Darawashe ein Feigenblatt für ein größeres Muster böser und systematischer israelischer Diskriminierung sei und dass Israels Unterstützer heuchelten, wenn sie das groß herausstellen. Ähnliche Argumentationen verbergen sich hinter dem Homo-Pinkwashing, der Heuchelei wegen einer schwarzen Miss Israel etc. Unterm Strich: Israel kann es niemandem recht machen.

2. Von MK aus Großbritannien:

Ist es nicht merkwürdig, dass Israel weiterhin von einer iranischen Atombombe bedroht wird und kaum jemand mit der Wimper zuckt? Aber nun droht Nordkorea, und schon läuft die Welt Sturm – allen voran die USA?

Das überrascht nicht. Meine unbedeutende Meinung dazu: eine Nebenerscheinung zur allgemeinen Fokussierung auf Pjöngjang ist, dass wir mehr erfahren über die Involvierung des Iran in das nordkoreanische Nuklearprogramm. Das wenige, das wir wissen, zeigt nur die Spitze des Eisberges.

3. von B. in Jerusalem, der Fragen stellt zu dem unheilbar an Krebs erkrankten schottischen Schriftsteller Iain Banks, der sich in einem Gastbeitrag im Guardian der BDS-Bewegung angeschlossen hatte:

Guter Test für Diplomaten auf israelischer Seite – inwiefern könnte dies Banks beeinflussen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Banks zu beeinflussen ist. Er ist unheilbar an Krebs erkrankt, und er hat sich entschieden, seine verbleibende Zeit auf dieser Welt auf diese Weise zu verbringen? Das ist Hardcore-Feindseligkeit.

(Abbildung via Flickr/RambergMediaImages)

Medizinische Versorgung für Terroristen

4. April 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. April 2013

Die Medien waren kürzlich voll mit Geschichten wie dieser über einen palästinensischen Häftling in Sicherheitsverwahrung, der in einem israelischen Gefängnis an Kehlkopfkrebs gestorben war. Während die Medien jede Menge Zeit dafür aufbrachten, palästinensische Offizielle zu zitieren, die Israel für seinen Tod verantwortlich machten und detailliert über deren Wut wegen seines Ablebens berichteten, haben einige wichtige Fragen noch immer nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen zukommt.

1) Speziell der Häftling Maysara Abu Hamdiya saß eine lebenslange Haftstrafe wegen versuchten Massenmordes ab. Er war General der palästinensischen Sicherheitskräfte (jawohl, jener paramilitärischen Einheit, die durch internationale Spenden zur Stützung des “gemäßigten” Regimes der Palästinensischen Autonomiebehörde finanziert wird).  Offenbar schickte General Hamdiya einen jungen Mann mit einer Bombe in nein Jerusalemer Cafe mit der Order, so viele Menschen wie möglich umzubringen. Gott sei Dank zündete die Bombe nicht, der General wurde erwischt und verhaftet. Tragischerweise wurden bei ähnlichen Anschlägen während der zweiten Intifada mehr als tausend Israelis getötet.

2) Obwohl er wegen des Mordversuchs an dutzenden israelischer Cafebesucher inhaftiert wurde, erhielt Hamdiya (wie Tausende andere Palästinenser) medizinische Versorgung in einem israelischen Krankenhaus. Die meisten Leute wissen nichts über viele palästinensische Zivilisten, die in israelischen Krankenhäusern behandelt werden (was zu einem Großteil von israelischen Steuerzahlern bezahlt wird.) Jeden Tag ermöglicht Israel den Zugang von Menschen aus Gaza, die in den ausgezeichneten medizinischen Einrichtungen in Israel behandelt werden. Man kann das als Argument dafür sehen, wie großzügig Israel handelt.

Aber in diesem Fall handelt es sich um einen tatsächlichen Terroristen, der Israelis ermorden wollte und dennoch Zugang zu medizinischer Versorgung in Israel erhielt. Der lautstark in den Schlagzeilen erhobene Vorwurf lautete, dass dieser Mannes, der an einer tödlichen Krankheit litt, nicht ausreichend genug gepflegt worden sei.

Ein Kommentator der Washington Post verlinkte zu diesem Beitrag, der das Problem zurechtrückt. Ein Auszug:

Nach erstaunlicher ist die Tatsache, dass, während die Hamas weiterhin ihre Raketen verschoss, sie weiterhin  Patienten nach Israel zur Behandlung in dortige Krankenhäuser schickte, viele davon in Gebiete, die unter Beschuss der Hamas-Raketen lagen.

Israelische Krankenhäuser nehmen schon seit Jahren Palästinenser auf. In Gaza gibt es einfach nicht genug medizinische Einrichtungen, die eine Behandlung der stetig anwachsenden Bevölkerung garantieren können. Und die dort vorhandenen sind schlecht ausgestattet. Dem ’Palestinian Central Bureau of Statistics’ zufolge gibt es in Gaza 24 Krankenhäuser, die 1,7 Millionen Menschen zu versorgen haben. Israel hingegen verfügt über 377 Krankenhäuser, verteilt auf eine Bevölkerung von etwa 8 Millionen. Allein im vergangenen Jahr erhielten mehr als 100.000 Palästinenser medizinische Versorgung in Israel. Selbst auf dem Höhepunkt der Kämpfe im vergangenen November behandelten israelische Krankenhäuser Patienten aus dem Gazastreifen.

CNN: Nur ein stetiges Tröpfeln lästiger Projektile

4. April 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. April 2013

Als lästig bezeichnet man den unvermittelt auftretenden Ärger, wenn man in bequemen Socken im Haus herumwerkelt und unerwartet in eine Wasserpfütze tappt, die die eigenen Kinder angerichtet haben. Aber was kann man da tun? Kinder sind nun mal Kinder.

Und ‘lästig’ ist keine Umschreibung dafür, was Israelis – oder irgendwelche anderen Menschen sonst – im Zusammenhang mit Raketenbeschuss empfinden. Sorry, CNN.


Schlagzeile übersetzt: Weitere Raketen aus Gaza ärgern Israel.

Etwas, das durch eine kleine Valium-Abgabe behoben werden könnte, oder?

Das stetige Tröpfeln von Projektilen hat den jüdischen Staat verärgert, der am Dienstag erstmals wieder Luftangriffe auf palästinensischem Gebiet durchgeführt hat, was das Ende des Waffenstillstandes bedeutet, der nach 8 Tagen feindseliger Auseinandersetzungen im November vereinbart worden war.

(Hat tip: E-Mail von Israeli Grouch)

Eine weitere Ausgabe von “Alles begann, als Israel zurückfeuerte”

4. April 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. April 2013

Eine weitere Ausgabe von ins Gegenteil verdrehter Chronologie seitens der Nachrichtenmedien. Reuters ist ein Paradebeispiel dafür, was wir als das Phänomen “Alles begann, als Israel zurückfeuerte” bezeichnen.

So, als bestünde kein Zweifel, wer Schuld am letzten Gewaltausbruch trage, schreibt Reuters:

Die Luftschläge drohten eine von Ägypten  vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas zu beenden, eine Waffenruhe, die an der Grenze seit November für relative Ruhe gesorgt hatte….

Aber wenn man weiterliest, erfährt man, dass die Schläge der IDF eine Reaktion auf palästinensischen Raketenbeschuss waren.

Nun, ist das etwas, das eine Waffenruhe bedroht?

Update, Mittwoch, 12:30: Associated Press zeigt, wie es man es richtig macht.

Journalistische Fehlzündung der New York Times

25. März 2013

HonestReporting Media BackSpin, 25. März 2013

Die New York Times kann gleichzeitig sachlich und irreführend schreiben, wenn man sich den Artikel “Obama zeigt Führungseigenschaften bei Überredungskunst und weckt Hoffnungen auf Friedensbemühungen” vornimmt.

Dort wird so argumentiert:

Als er sein Amt antrat, wollte Obama den eigenen Anspruch als Friedensstifter geltend machen. Aber dann ist seine Forderung nach einem Stopp des jüdischen Siedlungsbaues nach hinten losgegangen, und ein Versuch, direkte Gespräche zwischen Netanyahu und Abbas herzustellen, verlief im Sande.

Man kann in der Tat Gründe dafür finden, dass dies zutrifft. Die Forderung, Israel müsse einen Baustopp einlegen, ist [aber] nach hinten losgegangen, weil sie keinen Lösungsansatz nach Verhandlungen anbot. Eine simple Lektüre des Textes impliziert jedoch, dass die Forderung zurückgewiesen und ein „Fehlzünder“ gewesen sei.

Vielmehr ist die Wahrheit die, dass Präsident Obamas Forderung von Israel akzeptiert worden war. Zehn Monate lang stoppte Israels den Siedlungsbau. Dabei handelte es sich um ein Zugeständnis, wie es das vorher nie gegeben hatte. Als Fehlzündung stellte sich jedoch heraus, dass trotz des Baustopps die Palästinenser sich weigerten, Verhandlungen aufzunehmen – und das bis zum Ende des Einfrierens der Siedlungstätigkeiten. Schon damals waren sie lediglich bereit, über Verhandlungen zu verhandeln (was semantisch und inhaltlich gesehen schon absoluter Schwachsinn ist und von absolut destruktiver Haltung zeugt [bd]). Also weigerten sie sich auch nach Ablauf der 10 Monate des Siedlungsstopp-Abkommens, in Verhandlungen einzutreten.

Gleich, was der Artikel aussagt: es war weder Israels noch Obamas Schuld, dass die Gespräche nicht zustande kamen. Sie scheiterten aus einem Grund: palästinensischer Unnnachgiebigkeit.

Um ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen, sollte die New York Times dies bitte auch deutlich machen.

Kontakt zur Redaktion hier [In Englisch].

Warum durch eine unbequeme Wahrheit die gute Stimmung verderben?

19. März 2013

HonestReporting Media BackSpin, 19. März

Der Guardian drückte wieder einmal auf die Tränendüse, als er den offenen Brief eines palästinensischen Jungen an Präsident Obama veröffentlichte – und das auch noch auf der Nachrichtenseite.

Ich hoffe, dass die Welt endlich ihre Stimme gegen die Unterdrückung erheben wird, der wir (und alle Palästinenser) in unserem Viertel ausgesetzt sind, und dass Sie und Andere nicht weiterhin schweigen, wenn man uns unsere Häuser nimmt, unsere Kinder einsperrt und verletzt sowie unsere Zukunft gefährdet.

Das Blatt druckte dies zusammen mit einem 25-minütigen Video von Just Vision über das  schwere Leben eines Jungen in Sheikh Jarrah, einem Viertel in Ostjerusalem, bekannt für hochpreisige Konsulats-Immobilien und naive palästinensische Propaganda in Bezug auf Häuserräumungen und Abrisse. Man erfährt, dass Mohammed El-Kurd und seine Familie im Jahr 2008 aus ihrem Haus zwangsgeräumt wurden.

Was hatte zur Zwangsräumung geführt? War die Familie wirklich Eigentümerin der betreffenden Immobilie? Was war Grundlage für die jüdischen Ansprüche? Hatten sie die Miete nicht bezahlt? Waren sie in Wirklichkeit Hausbesetzer? Lief die israelische Bürokratie Amok?

Der Guardian fixiert sich unverhältnismäßig stark auf israelische Zwangsräumungen und Abrissmaßnahmen in Ostjerusalem. Hintergrundinformationen über die Familie Al-Kurd waren deshalb nicht schwer zu bekommen. Und tatsächlich berichtete Guardian-Reporter Rory McCarthy über die Zwangsräumung von 2008. Und nachdem er sich durch Aussage gegen Aussage gewühlt hatte, schrieb McCarthy schwarz auf weiß:

Rabbi Arik Ascherman von der israelischen Gruppe ’Rabbiner für Menschenrechte’ bestätigte, dass das Land der Familie Al-Kurd vor 1948 Juden gehört haben dürfte…

In Mohammeds irreführendem Brief wird dies nicht erwähnt, ebenso wenig vom Guardian. Es wäre schon ein Riesending gewesen, wenn es in der Comment is Free (CiF)*-Jauchegrube angesprochen worden wäre. Dort geht sonst ja auch alles durch.

Die Platzierung auf der Nachrichtenseite – seltsam genug diese Vorgehensweise – veränderte die Standards journalistischer Transparenz. Es oblag dem Guardian, einen oder zwei Sätze zum Hintergrund der Situation um die Familie Al-Kurd hinzuzufügen, und eine Erklärung dafür, warum der Brief in den Rang einer Nachricht erhoben wurde.

Aber wenn man Redakteur beim Guardian ist und Unterschiede zwischen Nachricht, Meinung und Propaganda verwischt, warum will man dann am Vorabend des Präsidenten-Besuches durch eine unbequeme Wahrheit die gute Stimmung verderben?

———
*Comment is Free (CiF) ist eine Kommentar-Rubrik beim Guardian, in der es von [linken] antisemitischen Leserzuschriften nur so strotzt (bd).

New York Times verkompliziert Jerusalem-Thema

17. März 2013

HonestReporting Media BackSpin, 17. März

cast1_ny_times_cast2In einer Titelgeschichte zum anstehenden Besuch Präsident Obamas in Israel schreibt Jodi Rudoren, die Büroleiterin der NY Times in Jerusalem, dass eine kleine Anzahl von Juden, die Apartments in überwiegend von Arabern bewohnten Vierteln kaufen, die Jerusalem-Frage „verkomplizieren“ würden.

Rudoren räumt ein, dass diese Wohnungen privat finanziert wurden und nicht Teil einer von der Regierung durchgeführten Initiative seien. Sollte man Menschen also Wohnungskauf allein deshalb verbieten, weil sie Juden sind?

Obwohl sie auf mehrere Quellen dafür zurückgreifen könnte, wie das Gebiet im Sechstagekrieg von 1967 unter israelische Kontrolle kam, ist sie nicht in der Lage, diese Begebenheit in einen historischen Kontext zu stellen. Viele Viertel in und um Jerusalems Altstadt beherbergten einen großen jüdischen Bevölkerungsanteil, der dort 1948 entweder ermordet oder vertrieben worden war. (Wie man in einem Video von HonestReporting erfahren kann: Jerusalem: The Media Myth of Two Cities.) Was die Palästinenser als “Eroberung” Jerusalems empfinden, wird von den meisten Israelis als „Befreiung“ und “Wiedervereinigung” bezeichnet. Immerhin war die Stadt in ihrer 3.000 Jahre alten Geschichte nur 19 Jahre lang geteilt – unter jordanischer Besatzung (1948-1967).

Rudoren lässt jedoch absichtlich alles aus, was nicht in ihre Erzählung passt. Zwei einseitige Zitate von Offiziellen der Palästinensischen Autonomiebehörde erzählen dem Leser etwas von “Kolonisation” des Areals. Sie führt ungenannte “Experten” an, die eine Teilung der Stadt befürworten, so als handle es sich hier um allgemeinen Konsens. Aber wenn überhaupt, dann gäbe es erheblichen Widerstand in Israel selbst, falls eine Teilung Jerusalem beträfe, besonders dort, wo es historische Stätten der Juden betrifft.

Ganz am Ende des Artikels wird ein Palästinenser zitiert, was das Thema in einem anderen Licht erscheinen lässt:

Sie gehen davon aus, dass dies ihr Wohnort und ihr Land seien, doch dem ist nicht so. Wir sind hier und wir bleiben hier, aber sie haben etwas dagegen. Es gibt Leute hier, die das nicht zulassen.

Palästinensische Intoleranz ist es, was “die Jerusalem-Frage „verkompliziert“, und nicht wenige jüdische Familien, die Apartments mit Blick auf die Altstadt kaufen.

BBC: UNO “bestreitet” die Tötung des Babys Omar

11. März 2013

HonestReporting Media BackSpin, 11. März

Was die Tötung des Babys von Omar Mishawari betrifft: Die UNO spricht Israel frei, und sie sagt, dass das Kind von einer fehlgeleitenden palästinensischen Rakete getroffen worden ist.

Aber das hindert die BBC und ihren Gaza-Journalisten Jihad Mishawari nicht daran, zu behaupten, dass Israel das Kind getötet hätte. Was macht Mishawari so sicher?

Jehad Mashhrawi tat die UN-Ergebnisse als “Unsinn” ab.

Er sagte, dass niemand von den Vereinten Nationen mit ihm gesprochen hätte, und er fügte hinzu, dass palästinensische militante Gruppen sich normalerweise bei der Familie entschuldigen würden, wenn sie dafür verantwortlich gewesen wären.

Schön, dass sie [die UNO, (bd)] einen anderen Punkt der Geschichte begriffen haben – und das ist das mindeste, was die Mainstream-Medien tun können, wenn man bedenkt, wie oft die Fotos seines getöteten Sohnes herumgereicht wurden.

BBC-Verdrehung funktioniert halt so, wie es bei der BBC Usus ist.


Inzwischen haben auch LA Times und National Post die Geschichte aufgegriffen.

Veganer besprechen Burger: Sunday Times zu Reiseführer für Israel

11. März 2013

HonestReporting Media BackSpin, 11. März

Was dachte sich die Sunday Times eigentlich dabei, Anthony Sattin eine kurze Buchbesprechung zu einem neu erschienenen Reiseführer für Israel schreiben zu lassen?

Auch wenn Sattin Reiseschriftsteller ist: diesen selbsternannten Israelkritiker den Israel Baedeker Guide besprechen zu lassen ist etwa so, wie wenn man ein Mitglied von People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) losschickte, ein neues Steak- oder Burger-Restaurant zu testen.

Sattin war Unterzeichner eines offenen Briefes an den ehemaligen britischen Premierminister Gordon Brown in der Times vom 1. Dezember 2009, der Unterstützung für den berüchtigten Goldstone Report forderte, in dem Israel beschuldigt worden war, während der Operation Gegossenes Blei “Kriegsverbrechen” begangen zu haben.

Dass Sattin Israel gegenüber feindselig eingestellt ist, zeigt sich in seiner kurzen, aber extrem politisch eingefärbten Rezension:

Israel hat sich über viele Jahre hinweg nach Kräften bemüht, seine Besetzung palästinensischer Gebiete zu etablieren, was die UNO und auch unser Land abgelehnt haben. Baedeker scheint sicht dessen nicht bewusst zu sein, wenn er die palästinensischen Gebieten in seinem neuen Führer miteinbezieht.

Nirgendwo auf dem Buchumschlag wird das Wort Palästina erwähnt. Im Buch selbst wird uns gesagt, dass Jerusalem die Hauptstadt Israels sei, etwas, das für viele Staaten neu ist, die ihre Botschaften in Tel Aviv haben. Die Karte bestätigt diese Annexion: Ramallah, Heimat der Palästinensischen Autonomiebehörde, müsste eigentlich auch als Hauptstadt gekennzeichnet werden. Stattdessen wird sie als “Sitz der Verwaltung” bezeichnet.

Der einzige Palästinenser, der in einer Reihe von 17 berühmten Persönlichkeiten aufgeführt wird, ist Yasser Arafat – was aber ist mit Edward Saïd, Hanan Ashrawi oder Raja Shehadeh, dem Orwell-Preisträger? Dies und viele andere scheinbar nebensächliche Fehler machen Palästina zu Israel in einer Weise, die den Zionisten in die Karten spielt, hat aber nichts damit zu tun, was einen guten Reiseführer auszeichnen sollte, nämlich eine verlässliche und ausgewogene Übersicht vorzulegen.

Mit dem Seitenhieb gegen “Zionisten” am Ende: Ist das wirklich eine Bewertung für einen Reiseführer oder nur ein Vorwand für Angriffe auf Israel?

Leider ist dies nicht das erste Mal, dass die Besprechung eines Reiseführers zum Werkzeug für antiisraelischen Aktivismus mutierte. Erst im September 2012 führte eine Rezension in The Times, dem Schwesterblatt der Sunday Times, für eine Kreuzfahrt nach Israel dazu, dass die israelische Tourismusindustrie davon alles andere als profitieren konnte.

Zeigt dies einen sich abzeichnenden Trend und Schwerpunkt, den die von Hass erfüllte Boycott, Sanctions and Divestment (BDS)-Bewegung für sich entdeckt hat?

Die nicht erzählte Geschichte: Palästinenser in palästinensischen Gefängnissen

4. März 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. März

Kompliment an Tim Marshall von Sky News, der die Probleme in Nahost mit dem Auge des Experten und der seltenen Fähigkeit untersucht, Ereignisse in eine angemessene Perspektive zu setzen. Während viele in den internationalen Medien dazu tendieren, sich allein auf Israel zu konzentrieren, scheut Marshall sich nicht, unangenehme Fragen auch an die andere Seite zu stellen.

Abbildung rechts: Tim Marshall

Aus seinem Blog auf Sky News:

Der Tod eines weiteren palästinensischen Häftlings in israelischer Haft hat logischerweise in vielen Ländern Schlagzeilen generiert, auch in Israel.

Er ist Thema von Anfragen im israelischen Parlament und Debatten über Israels Menschenrechtsbilanz.

Man vergleiche das mit einem Thema, das nur selten Schlagzeilen produziert und keine Debatte entfacht – den Bedingungen der Palästinenser in palästinensischen Gefängnissen. Nur wenige Menschen setzen sich für sie ein, ihr Schicksal generiert weder Demonstrationen noch unaufhörliche Debatten oder gerechtfertigten Zorn im Ausland.

Für die einfachen Palästinenser kann es gefährlich werden, gegen Israel zu demonstrieren, da sie sich letzten Endes mit israelischen Soldaten konfrontiert sehen, aber es bringt sie nicht in Konflikt mit der eigenen Regierung, und das bringt uns zu der unerzählten Geschichte.

Die Palästinenser sind sich dessen bewusst, dass nur wenige Menschen sich für sie einsetzen werden, wenn sie in Polizeigefängnissen der Palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland oder im von der Hamas beherrschten Gazastreifen landen. Sie wissen, dass Folter in diesen Einrichtungen auf der Tagesordnung steht ist und Todesfälle während der Haft auch dort auftreten.

Rakete aus Gaza schlägt in Israel ein: Und was suggeriert das Foto?

26. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 26. Februar 2013

Wir hätten uns [eigentlich] keine akkuratere und passende Headline als diese der Irish Independent wünschen können:


Und welches Foto wäre das passendste, um diese Geschichte zu illustrieren? Eine Crew, die aus Gaza Raketen abfeuert? Ein Foto von der Abschussstelle?

Selbst wenn keine Aufnahmen zu diesem speziellen Zwischenfall existieren würden, könnte man auf viele geeignete Fotos aus dem Archiv zurückgreifen.

Stattdessen veröffentlicht die Irish Independent dieses beigefügte Bild:


Sieht das etwa aus wie eine Rakete aus Gaza?

Bildunterschrift (Capture):

Bei Zusammenstößen mit Steine werfenden palästinensischen Demonstranten vor dem Militärgefängnis Ofer nahe Ramallah (Westbank) feuert ein israelischer Grenzpolizist Tränengaspatronen ab.

———–
*Wie friedlich übrigens die palästinensischen „Demonstranten“ nahe des Militärgefängnisses Ofer agieren, kann man hier begutachten [bd].

NY Daily News desinfiziert BDS*

26. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 26. Februar 2013

Abbildung: Omar Barghouti

Das habe ich auch noch nicht erlebt: Nachdem Omar Barghouti in der NY Daily News einen Gastbeitrag schreiben durfte, um darin die Ziele der BDS-Bewegung zu postulieren, stauchte das Blatt seinerseits Barghouti in einem Leitartikel zusammen.

Es ist eine Sache, duellierende Gastbeiträge zu präsentieren. Aber mit einem scharf formulierten Leitartikel zu antworten, der die offizielle Sichtweise des Blattes repräsentiert, eine wesentlich deftigere. Mir gefiel auch die Vorgehensweise der Zeitung. Blogger würden die Punkt für Punkt vorgebrachten Widerlegungen als Fisking** bezeichnen.

Die Daily News bezeichnet Barghouti sogar als “Agitator”.

Raffiniert wie ein Agitator häuft er eine Unwahrheit nach der anderen auf, um Israel so darzustellen, als würde es die Palästinenser gnadenlos unterdrücken, indem es die Menschlichkeit verletze, und er macht ausschließlich Israel für den ihnen zugefügten Schaden verantwortlich.

Und deshalb, so sagt er, müsse man Israel mit BDS treffen – Handelsboykott, Kapitalabzug und wirtschaftlichen Sanktionen.

Zählen wir mal seine Verfälschungen auf….

Gut, dass das Blatt selbst Barghouti mit seinen eigenen Worten veröffentlichte. Sonnenlicht ist in der Tat ein wirksames Desinfektionsmittel.

(Barghouti-Foto via YouTube/sternchenproductions)

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* Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen

** Anmerkung von mir [bd]:

Bezieht sich auf den Journalisten Robert Fisk.

Er schreibt seit etlichen Jahren verzerrende Kommentare zu Nahost und Israel. Von ihm leitet sich auch das Verb „to fisk“ ab; also verzerren, falsch darstellen und antiisraelisch polemisieren.

Hier ein Link zu ihm auf Wikipedia, der allerdings sehr sorgfältig gelesen werden sollte, weil besonders Wikipedia nicht frei ist von redaktionellen Manipulationen, wenn es um Nahost geht.

PLO will die Uhr zurückdrehen

20. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 20. Februar 2013

cast_areik_cast2Abbildung: Maen Rashid Areikat

Wenn es um Ränkespiele geht, ist Maen Rashid Areikat, Top-Repräsentant der PLO in den USA, sehr kreativ. Einmal behauptete er, dass die Kananäer Besatzer gewesen wären und wollte die Vorstellung von einem judenreinen palästinensischen Staat in leuchtenden Farben schildern.

Nun taucht Areikat wieder mit einem scheinheiligen Gastbeitrag in der LA Times auf. Alles, was momentan unternommen werden sollte, so insinuiert er, sei, die Verhandlungen wieder auf den Stand von Taba* im Jahr 2001 zurückzusetzen.

Das Potenzial für eine Vereinbarung liegt auf dem Tisch – wir müssen nur die Voraussetzungen dafür schaffen. Beide Seiten können vom Fortschritt seit den Taba-Verhandlungen von 2001 profitieren. Jeder kennt die Parameter: ein Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967, mit wechselseitigen Landtaustäuschen, sowohl was Größe und Qualität betrifft, eine gemeinsame Hauptstadt Jerusalem, tragbare und rechtlich abgesicherte Sicherheitsvorkehrungen und eine vereinbarte sowie gerechte Lösung der Flüchtlingsfrage, basierend auf der Resolution 194 der UN-Generalversammlung im Jahr 1948. Der Erfolg jeglichen politischen Prozesses hängt von klaren Vereinbarungen ab, von einem klaren Zeitrahmen und einer klaren Zielsetzung.

Du meine Güte: All das, was Areikat heute fordert, lag auf dem Verhandlungstisch in Taba 2001.

Und auf welchen Fortschritt bezieht sich Areikat? Die Palästinenser brachen die Taba-Verhandlungen ab, die zweite Intifada wütete, Mahmoud Abbas beerbte Yasser Arafats Null-Verhandlung-Strategie. Israel zog sich aus dem Gazastreifen zurück, die Hamas übernahm dort das Kommando und setzte den Raketenbeschuss auf Israel noch heftiger fort als zuvor. Aber die PLO stieg dennoch aus dem Osloer Abkommen mit der Forderung nach Eigenstaatlichkeit aus.

Fortschritt? Welcher Fortschritt?

Wenn Taba heute gut genug scheint für die Palästinenser, warum war es dann seinerzeit nicht gut für sie?

(Areikat-Foto via YouTube/Tiffany Ondracek)

——–
*Taba Talks:

Damit sind die Unterhandlungen gemeint, die zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde im Januar 2001 auf der Halbinsel Sinai geführt worden sind [bd].

Fußball-Hooligans in Ägypten und Israel: Untauglicher Vergleich

20. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 20. Februar 2013

Nach seiner Lektüre der entsetzlichen Ausschreitungen, die ägyptische Fußball-Hooligans ausgelöst hatten, zieht Washington Post-Kolumnist David Ignatius [zuerst] einen überzeugenden Vergleich zwischen ägyptischen Fußball-Hooligans und den “Droogs” [Anm. (bd): „Kumpels“ oder Nadsats im Jugend-Slang]. Hier handelt es sich um die jungen Schläger, die Anthony Burgess in seinem Roman Uhrwerk Orange beschrieben hatte (Unsere Leser kennen Stanley Kubricks Film wahrscheinlich).

Leider bemüht Ignatius auch einen Vergleich zu Israel generell, der ganz und gar nicht zutrifft.

Die Revolte entfremdeter jugendlicher Fußballfans beschränkt sich nicht nur auf Nordafrika. In Israel wird eine Fußballmannschaft namens Beitar Jerusalem von rassistischen jungen Fans unterstützt, die “Tod den Arabern” skandieren und kürzlich ein Transparent enthüllten, auf dem “Ein reines Beitar für immer” zu sehen war. Sie wollten damit ihren Widerstand gegen die Verpflichtung muslimischer Spieler äußern. “Wenn wir über Beitar sprechen, handelt es sich in Wirklichkeit um die Spiegelung der israelischen Gesellschaft”, äußerte Nidal Othman, Vorsitzender der „Coalition Against Racism in Israel“, gegenüber der New York Times.

Fußball-Hooliganismus ist endemisch, sowohl in Großbritannien als auch in vielen anderen europäischen Ländern. Rassistische Sprechchöre kann man überall auf den Fußballfeldern des Kontinents hören.

Ignatius zitiert Beitar Jerusalem, weil es sich hier um eine relativ neue Geschichte handelt. Und die rassistischen “Fußballfans“ von Beitar Jerusalem sind schlicht und einfach zu verachten, weil sie widerlich sind und unsere Zurückweisung verdienen.

Aber Nachrichtenaktualität allein taugt nicht für einen Vergleich oder eine Spekulation.

Die in den News erwähnten Beitar-Fans repräsentieren in keiner Weise sämtliche Fans der Mannschaft und sicherlich auch nicht einen Großteil der israelischen Gesellschaft. Und obwohl letzte Woche beim Spiel Beitar Jerusalem gegen Bnei Sakhnin im Teddy-Kollek-Stadion* große Polizeipräsenz erforderlich war, musste sich niemand Sorgen machen über landesweite Unruhen oder israelische “Fußballfans“, die eine Regierung stürzen wollten.

——–
*Teddy Kollek war von 1965 bis 1993 Bürgermeister Jerusalems.

*****
Zwei Nachträge (bd):

1) Wie diebisch sich ARD-Nachrichtenmoderator Tom Buhrow über die Vorfälle in Jerusalem freute, kann man an seinem selbstgefälligen Lächeln bei der Anmoderation zu diesem Videobeitrag in den Tagesthemen ablesen. Schäbiger kann man verkappten Judenhass kaum noch inszenieren.

2) Und noch eine Anmerkung zum einem journalistischen Eigentor der Mainstream-Medien, was den Apartheid-Vorwurf gegen Israel im Fußballsport betrifft. Lesen Sie dazu bitte diesen Beitrag.


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