Archive for the ‘Nahost allgemein’ category

Krieg im Gazastreifen: 5 Tipps, wie man sich die Nachrichten sortiert und in den sozialen Medien verantwortlich teilt

8. Juli 2014

Pesach Benson, HonestReporting.com, 8. Juli 2014

Raketen fliegen. Israels reagiert mit Luftangriffen und der Einberufung von Reservisten. Die Armee nannte die Mission „Operation schützende Schneide“.

Der Konflikt wird nicht nur am Himmel des Gazastreifens und der israelischen Heimatfront gekämpft. Er wird auch in den Medien ausgetragen. Wir werden alle möglichen Nachrichten, Fotos und Videos zu sehen bekommen. Leute posten bereits Beobachtungen auf Facebook, Twitter und anderen Plattformen sozialer Medien.

Wie können wir – da wir alle informiert sein und andere informieren wollen – durch die Informations-Überlastung ordnen? Und wie sieht es mit unserer Verantwortung für das aus, was wir zum Teilen aussuchen?

Hier können fünf Tipps helfen.

1. Wie kann ich das wissen? Bei allem, was Sie lesen, fragen Sie sich. „Wie kommt der Reporter (Aktivist, Tweeter, mein bester Freund etc.) an diese Information?“ Ist die Quelle letztlich Augenzeuge aus erster Hand? Zitiert er einen Augenzeugen? Das führt zu Punkt zwei.

2. Quellenarbeit: Ist die Quelle kenntlich gemacht? Kann man selbst einschätzen, ob sie verlässlich ist? Wenn die Quellen anonym sind, hat der Reporter glaubwürdig erklärt, warum sie namenlos bleiben müssen?

3. Bilder: Hüten Sie sich vor Bildern die nicht mit Quelle versehen sind. Wir haben Bilder aus Syrien und alte Bilder aus dem Gazastreifen gesehen, die unverantwortlich als „aktuell aus dem Gazastreifen“ ausgegeben werden. Wenn Sie also ein Foto teilen, geben Sie Informationen dazu, wo Sie es sahen und warum Sie ihm so stark vertrauen, dass Sie es teilen. Das ist transparent, aws zu meinem nächsten Punkt führt.

4. Seien Sie transparent. Transparenz macht es uns allen einfacher Ihren Gesprächsbeitrag zu verarbeiten. Und wenn etwas von Ihnen Geteiltes sich als fingiert herausstellt, kann Transparenz Ihre Glaubwürdigkeit davor bewahren verbrannt zu werden.

5. Im Zweifelsfall lassen Sie es weg. Überstürzen Sie nichts, wenn Sie etwas posten. Atmen Sie durch und durchdenken Sie es.

Bild: CC BY flickr/mkhmarketing

Große Momente der plausiblen Möglichkeit etwas abzustreiten nach Art der Hisbollah

3. September 2013

Pesach Benson, HonestReporting.com, 3. September 2013

Die Hisbollah sagt, sie werde aus  Syrien gegen Israel Vergeltung üben, wenn der Westen interveniert. Naharnet griff arabische Medienberichte auf.

Die Quelle sagte, die Hisbollah wolle den Libanon nicht in die „militärische Initiative“ involvieren, die auszuüben sie sich entschied.

Großartige Idee. Dann kann die IDF einen Präventivangriff auf die Hisbollah von Syrien, der Türkei oder vielleicht sogar dem Irak aus führen, damit Israel nicht auch in dieses Schlamassel verwickelt wird.

IDF mit neuer Info-Website zur Hisbollah

18. Juli 2013

HonestReporting Media BackSpin, 18. Juli 2013

Die IDF hat offiziell eine neue Webseite eingerichtet, die über Terror und Ideologie der Hisbollah informiert.

Die neue Website liefert eine Vielzahl von Informationen über die libanesische Terrororganisation, einschließlich ihrer Entstehungsgeschichte, Ideologie, Führung und kriminelle Aktivitäten. Sie berichtet über die Aktivitäten der Hisbollah im Libanon und in Syrien, ihre Anschläge gegen Israel sowie ihren Terroranschläge und Beteiligung an anderen Verbrechen im Ausland.

“Die Hisbollah ist einer der aktivsten Terrororganisationen weltweit und hat erfolgreich ein globales Terror-Netzwerk aufgebaut. Die lange Liste der Verbrechen umfasst Selbstmordanschläge, Flugzeugentführungen, Morde, Waffenschmuggel und Raketenangriffe auf Zivilisten”, so zu lesen auf der neuen Webseite.

Das Datum der Webseitenfreischaltung ist nicht zufällig: in diesem Monat jährt sich die Vereitelung eines Hisbollah-Anschlages auf Zypern; 7 Jahre zuvor führte die Hisbollah einen Anschlag auf israelischem Gebiet durch (an der Nordgrenze), der zum zweiten Libanonkrieg führte; und weiterhin kämpfen Hisbollah-Milizen im syrischen Bürgerkrieg an der Seite des Assad-Regimes.

Besuchen Sie die Info-Webseite der IDF zur Hisbollah hier.

’Gemäßigt’ ist in Nahost ein schwammiger Begriff – fragen Sie mal bei Assad* nach

18. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 18. Juni 2013

Denken wir zurück an das Jahr 2000, als Baschar al-Assad Präsident von Syrien wurde. Da gab es Schlagzeilen wie diese von AP:


Laut CNN fand Assad Junior Gefallen an Windsurfen und Internet:


Die New York Times bezeichnete ihn als “schüchternen jungen Mediziner”, als einen “Mann der leisen Töne, schlaksigen Bachelor und Computerfreak.”


Heute sind wir schlauer.

Vielleicht sollten die internationalen Medien über die weit verbreitete Beschreibung des neu gewählten iranischen Präsidenten Rohani als “Moderaten” oder “Reformer”, wie bei PBS praktiziert, nachdenken:


Leider handelt es in Nahost bei ‘moderat’ oder ’gemäßigt’ um sehr schwammige Begriffe.

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*Dies gilt selbstverständlich auch für Verharmlosungen bei der Beschreibung von Terroristen in der Anti-Assad-Koalition, wenn von Rebellen, Aufständischen oder gar gänzlich euphemisierend Oppositionellen die Rede ist (bd).

Volltreffer: BBC korrigiert syrische Propaganda-Headline

10. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 10. Mai 2013

Am Montag hatten wir unsere Leser gebeten, wegen dieser Headline eine Beschwerde an die BBC zu richten:


Wir hatten darauf hingewiesen, dass bei der BBC die syrische Propaganda, in der suggeriert wurde, Israel arbeite mit Terrorristen zusammen, im Wortlaut übernommen worden war. Die BBC hat nun mit einer neuen Headline und Korrektur reagiert:

Korrektur (7. Mai 2013): die Überschrift dieses Berichts wurde geändert, um klarzustellen, dass die Behauptung, israelische Luftangriffe wären mit den Rebellen koordiniert worden, von den syrischen Behörden aufgestellt wurde.


Geänderte Headline übersetzt: Syrien behauptet, dass israelische Luftschläge “mit Terroristen koordiniert worden sind”

Auch wenn zu bedauern ist, dass syrische Propaganda als so berichtenswert befunden wurde und wir immer noch sehr unzufrieden sind mit der Berichterstattung selbst, bedeutet die aktualisierte Schlagzeile eine Verbesserung gegenüber dem Original.

Die BBC mag wohl nicht immer so auf Beschwerden reagieren, wie wir uns das wünschten, aber Ihre/Eure Aktionen beweisen, dass sie diese registriert. Gemeinsam können wir viel bewirken.

EU-Sanktionen lassen Irans Press TV vom Äther verschwinden

16. Oktober 2012

HonestReporting Media BackSpin, 16. Oktober 2012

Dank der neuesten EU-Sanktionen gegen den Iran wurde gestern Press TV von den europäischen Satellitenprogrammen abgetrennt.

Eutelsat reagierte zuerst. Danach wurden 18 weitere iranische Staats-TV- und Radiosender wie Irib abgeschaltet.

Die Wut von Press TV war logisch und vorhersehbar:

Dies zeigt auch, dass die Europäische Union die Meinungsfreiheit nicht respektiert und keine Mühe scheut, um andere Medien zum Schweigen zu bringen.

Wie jedoch Houriya Ahmed letztes Jahr treffend anführte, ist das Prinzip der Meinungsfreiheit auf Press TV nicht anwendbar, weil “er [der Sender (bd)] vom iranischen Regime finanziert und als dessen Sprachrohr benutzt wird.” Und weil “die Wahrheit verzerrt und seine Berichte im Sinne der Teheraner Agenda manipuliert werden.”

Tatsächlich aber übertreffen die Sünden von Press TV weit die anderer Sender:

1. Die britische Medienaufsichtsbehörde OFCOM zensierte unlängst Press TV wegen der Ausstrahlung eines erzwungenen Geständnisses von Maziar Bahari. (Der Sender hat vergeblich eine Klage gegen Bahari eingereicht. Heute wurde in Teheran weiterverhandelt.)

2. OFCOM stellte außerdem in seiner Entscheidung fest, dass George Galloways Talkshow lediglich als Vehikel zur Verunglimpfung Israels diente.

3. Press TV wurde dabei ertappt, dass es ein Märchen über 1.370 Todesfälle durch US-Drohnen in Somalia erfunden hatte.

4. Reporter Jody Sabral quittierte seinen Job und beschuldigte Press TV, absichtlich Nachrichten über den syrischen Aufstand unterbunden zu haben.

5. OFCOM zensierte außerdem Lauren Booth’s Berichterstattung zur Mavi-Marmara-Flotilla –; das passt, weil sie als Speerspitze der Gaza-Flotilla-Bewegung fungiert (Bitte runterscrollen bis Dishonest Reporter of 2008: Lauren Booth.

Also nur Propaganda und nichts Neues.

Und tschüss.

Förmliche Überprüfung links motivierter Einseitigkeit bei der BBC

11. Oktober 2012

HonestReporting Media BackSpin, 11. Oktober 2012

Die BBC steht unter Beobachtung wegen links motivierter Einseitigkeit. Der BBC Trust will eine unabhängige Untersuchung seiner Berichterstattung über Religion, Migration und Europa einrichten. Dazu der Guardian:

Es könnte darin auch über Islamophobie berichtet werden….

Die Untersuchung wird von Stuart Prebble, dem ehemaligen Vorstand von ITV sowie Redakteur von World in Action, geleitet. Er wird prüfen, ob die BBC einer Reihe von Stellungnahmen zu sensiblen Themen genug Gewicht beimisst und ob redaktionelle Entscheidungen, bestimmte Perspektiven auszulassen, sorgfältig getroffen worden sind.

Prebble wird untersuchen, ob die Meinungen der Zuschauer und Zuhörer, die mittels Telefonschaltungen teilnehmen, angemessen gewürdigt werden. Die Untersuchung wird darauf achten, ob die BBC dafür gesorgt hat, dass diejenigen, die Minderheitenmeinungen vertreten, sich sicher sein können, dass sie an Hörer-Debatten teilnehmen können.

Aber Hallo! Erst vor ein paar Wochen hatte Beeb die Twitter-Community eingeladen, Fragen an Nahost-Redakteur Jeremy Bowen zu richten – angesetzt an Rosh Hashanah, dem heiligsten jüdischen Feiertag. Eine verdammt schlaue Methode, unbequemen Fragen zum Thema Israel auszuweichen und der jüdischen Gemeinde die kalte Schulter zu zeigen.

Wird Prebbles Untersuchung die weltfremde Politische Korrektheit, Betriebsblindheit und Selbstzensur bestätigen? Bleiben Sie dran. . .

Hat die BBC selbst für die Enthüllung ihrer gefälschten Nahostberichterstattung gesorgt?

30. Juni 2012

HonestReporting Media BackSpin, 30. Juni 2012

Ich bezweifle, dass wir jemals herausfinden werden, wie der vertuschte Balen-Report die Berichterstattung der BBC zum israelisch-palästinensischen Konflikt beurteilt hatte. Der Mortimer-Report jedoch – Edward Mortimers Beurteilung der BBC-Berichterstattung zum arabischen Frühling – könnte [indirekt (bd)] für mehr Erhellung in dieser Angelegenheit sorgen.

Unter Zuhilfenahme des Mortimer-Reports unternimmt Simon Plosker den Versuch, zu klären, was Balen gesagt haben könnte. Plosker fasst dies im Commentator so zusammen:

In diesem Israel-zentrierten Universum der BBC werden deren durchschnittliche Konsumenten fälschlicherweise zu der Annahme verleitet, dass Israel die Ursache aller Instabilität im Nahen Osten sei und der einzige Konfliktherd in der Region. Während die arabischen Bevölkerungen unter der Last brutaler Regime leiden, werden alle Ereignisse in Israel zu internationalen Nachrichten der BBC hochgespielt.

Wir werden vielleicht niemals erfahren, welche Schlussfolgerungen Malcolm Balen im Jahr 2004 gezogen hatte. Aber wenn die BBC bereit war, den Mortimer-Bericht herauszugeben, und wenn dieser Bericht Fehler in der Berichterstattung der BBC zu Nahost gefunden hat, dann kann man darauf wetten, dass Balen etwas gefunden hatte, was noch viel schlimmer und bösartiger war.

Vollständiger Kommentar [In Englisch].

Türkei: Vogel mit Riesenschnabel als israelischer Spion

16. Mai 2012

HonestReporting Media BackSpin, 16. Mai 2012

Wir kennen die Stories von Mossad-Haien in Ägypten und Zionisten-Geiern in Saudi-Arabien. Nun behauptet die Türkei, einen Vogel mit “ungewöhnlich großen Nasenlöchern” gefunden zu haben, der für Israel spioniere.

Yediot Aharonot zufolge entdeckte ein Bauer einen toten Vogel (wahrscheinlich einen Bienenfresser, Abb. [bd]), der auf einem seiner Läufe einen Ring mit der Aufschrift “Israel” trug. Obwohl das Wort allein schon verdächtig genug wäre zog es nicht die Aufmerksamkeit der türkischen Behörden auf sich. Augenscheinlich war es die Tatsache, dass der Vogel einen besonders großen Schnabel hatte.

Berichten zufolge enthielt der Schnabel des Vogels “ungewöhnlich große Nasenlöcher” die – zusammen mit dem Identifikationsring – den Verdacht aufkommen ließen, dass dem Vogel “ein Überwachungsgerät implantiert” worden sei und dass das Tier in der Türkei als Teil einer Spionagemission landete.

Die Überreste des Tieres waren ursprünglich dem türkischen Landwirtschaftsministerium übergeben worden, das sie dann an die Sicherheitsdienste in Ankara weiterleitete.

Was antisemitische Spinnereien betrifft, hat es die Türkei wirklich getroffen…nämlich voll auf die Nase. Hoffentlich wird der Mossad bald damit aufhören, Tiere für seine schmutzige Arbeit abzurichten – oder zumindest die mit typisch jüdischen Eigenschaften.

VIDEO: Simon Plosker zur Medien-Manipulation und Dämonisierung Israels

4. April 2012

HonestReporting Media BackSpin, 4. April 2012

Kürzlich war Simon Plosker (Chefredakteur HonestReporting) im britischen Revelation TV zu sehen.

Er sprach ausführlich darüber, wie gefälschte und fehlerhafte Medienberichte zur Dämonisierung Israels und zunehmendem Antisemitismus beitragen.

Die Sendung wurde am 23. März ausgestrahlt und gestern online gestellt.

New York Times-Leck: „Nicht die subtilste Art Israel zu warnen“

20. März 2012

Pesach Benson, HonestReporting.com, 20. März 2012

Die 5. Flotte der US Navy durchfährt die Straße von Hormus (10. März 2012)

Wenn Geheimdienstler anonym Informationen an die Presse durchsickern lassen, dann muss man sich immer fragen, was das Motiv dafür ist.

Typisches Beispiel: Eine Kriegssimulation des Pentagon sagt voraus, ein israelischer Angriff auf den Iran könne zu einem größeren Krieg führen. Die Ergebnisse bekam die New York Times durch ein „Leck“:

Doch das Spiel hat unter den obersten amerikanischen Militärplanern Angst aufkommen lassen, dass es unmöglich sein könnte, amerikanische Beteiligung an einer eskalierenden Konfrontation mit dem Iran zu verhindern, sagten die offiziellen Vertreter…

Die Offiziellen sagten, in der Kette an Ereignissen im Kriegsszenario glaubte der Iran, dass Israel und die Vereinigten Staaten Partner eines jeden Angriffs auf die Atomanlagen des Iran seien und daher amerikanische Militärkräfte im Persischen Golf als beteiligt an dem Angriff betrachteten. Iranische Jets jagten nach dem Angriff israelische Kampfflugzeuge und die Iraner starteten Raketen gegen ein amerikanisches Kriegsschiff im Persischen Golf, das als Handlung betrachtet wurde, die einen amerikanischen Gegenschlag gestattet.

In Antwort auf das Leck wirft Brett Stephens (Wall Street Journal, klicken Sie sich über Google News hin) eine offensichtliche Frage auf:

Am Montag veröffentlichte die Times die durchgesickerten Ergebnisse eines „geheimen Kriegsspiels“, bei dem ein israelischer Angriff auf den Iran „Hunderte Amerikaner tot zurücklässt“, vielleicht durch einen Angriff auf ein Kriegsschiff der Navy. Das ist nicht unbedingt der subtilste Weg die Israelis zu warnen, dass sie vorgewarnt sind für den Fall, dass, wenn Israel den Iran angreiftt, amerikanisches Blut an seinen Händen kleben wird, ohne Rücksicht darauf, dass es die Iraner wären, die die Tötungen durchführen würden.

Ist dieser Ausgang wahrscheinlich? Vielleicht, obwohl es ein Level iranischer Irrationalität annimmt – die Beantwortung eines israelischen Angriffs damit, die USA in den Konflikt hinein zu ziehen – was Top-US-Offizielle den Führern des Iran sonst nicht zumessen. Doch das tiefer liegende Problem mit diesem Leck besteht darin, dass ein Geheimdienst-Produkt als politisches Werkzeug benutzt wird.

Für Insider in Washington ist die NY Times das Blatt ihrer Wahl für anonyme Lecks und widerlegbare Versuchsballons. Erinnern Sie sich nur an das diplomatische Bohei über eine Neuinterpretation der Abmachungen zwischen Bush und Sharon? Das war auch so ein NYT-Spezial.

(Bild via US Navy/John Grandin)

Marie Colvin 1956 – 2012

23. Februar 2012

HonestReporting Media BackSpin, 23. Februar 2012

Die Aufgabe von HonestReporting besteht darin, Journalisten zur Rechenschaft zu ziehen, und wir gehen manchmal sehr kritisch mit denjenigen Personen um, die über Israel und die Region schreiben und berichten. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir die wichtige Rolle guter journalistischer Qualität im demokratischen Diskurs und die notwenige Aufdeckung der Wahrheit nicht schätzen, falls das angebracht ist.

Marie Colvin, Auslandskorrespondentin der Sunday Times, berichtete während ihrer langen Karriere oft aus Israel und wir waren mit ihren Positionen nicht immer einverstanden. Aber wir nehmen Anteil an der großen Trauer um ihren vorzeitigen und gewaltsamen Tod während der Berichterstattung über die grausame Zerstörung der syrischen Stadt Homs durch Assads Streitkräfte.

Allzu oft konzentrieren Journalisten in Nahost ihre Aufmerksamkeit in überproportionaler Weise auf  Israel-Bashing. Marie Colvin stellte die Brutalität des syrischen Regimes bloß, indem sie mutig dorthin ging, wo nur wenig andere es gewagt hatten, hinzugehen. Dafür zollen wir ihr Respekt.

Medien-Spickzettel für den 24.01.2012

24. Januar 2012

HonestReporting Media Backspin, 24. Januar 2012

Alles, was Sie über die Berichterstattung zu Israel und dem Nahen Osten wissen müssen.

Die Gastfreundschaft für flüchtige Hamasniks im östlichen Jerusalem; ein Redakteur entschuldigt sich tränenreich dafür, dass er vorschlug, der Mossad solle Präsident Obama töten; „Pinkwashing“ gewinnt die Aufmerksam der AP.

Israel und die Palästinenser

* Die New York Times beschreibt die Gastfreundschaft des Roten Kreuzes für Flüchtige der Hamas im östlichen Jerusalem:

Cecilia Goin, Sprecherin für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, sagte per Telefon, die Organisation habe die drei von Anbeginn an informiert, dass sie auf dem Gelände bleiben könnten, dass das Rote Kreuz aber keine diplomatische Immunität genießt und die israelischen Behörden nicht daran hindern könnte sie zu verhaften. Die Organisation habe auch die israelischen Behörden informiert, dass die drei sich auf dem Gelände befinden, sagte sie.

Die drei empfingen den größten Teil des Tages über Verwandte und andere Besucher in den Protestzelten und ihnen wurde die Nutzung eines Raums innerhalb des Rotkreuz-Gebäudes erlaubt, wo sie nachts schliefen.

* Minister Yuli Edelstein persönlich führte eine Busladung Journalisten auf einer Medientour in und um die Westbank-Gemeinde Itamar. The Media Line schloss sich an.

Es war für die von der Regierung gesponserte Fahrt wichtig, dass den Medien gezeigt wurde, dass Palästinenser und Juden koexistieren. Im Industriegebiet Barkan bei Ariel – der größten jüdischen Stadt in der nördlichen Westbank – sagen palästinensische Arbeiter in einer Kunststofffabrik, sie ziehen die Arbeit mit den Israelis vor, weil sie das Doppelte dessen bezahlt bekommen, was sie verdienten, wenn sie für einen palästinensischen Arbeitgeber arbeiteten.

Der Arabische Frühling Winter

Die großen Medien werfen einen Blick auf den Arabischen Frühling ein Jahr nach Beginn. Einige Perspektiven, die Sie verpasst haben könnten (alle Links in Englisch):

* Tage, nachdem die Arabische Liga das Mandat ihres Beobachtungsteams in Syrien um einen weiteren Monat verlängerte, steigen die Golfstaaten aus. Die BBC fasst das Problem zusammen:

Jon Leyne Cairo von der BBC sagt, die Ankündigung so einflussreicher Länder vom Dienstag sei ein weiterer großer Schlag für die Mission der Arabischen Liga.

Der Schritt des Gulf Cooperation Council (Golf-Kooperationsrat) ist eine Illustration, wie geteilt die Arabische Liga wegen der syrischen Krise ist, sagt unser Korrespondent.

Der Rest der Zusammenstellung

  • Ein Kommentar der Redaktion der Chicago Tribune gibt Europas zusätzlichen Sanktionen gegen das Öl des Iran seine Zustimmung

Bei harten Sanktionen ist finanzielles Chaos eines der Risiken. Das größere Risiko liegt aber darin, dem Iran zu gestatten, in den Atomclub zu spazieren und im Nahen Osten ein Wettrennen um Atomwaffen auszulösen.

  • Angst vor Anthrax hat das israelische Konsulat in Boston geleert; Ermittler sagen jetzt, das war blinder Alarm
  • YouTube berichtet, dass jede Sekunde eine Stunde Videomaterial hochgeladen wird und „jeden Tag eine Milliarde Mal ein Video angeklickt wird“. Wie zu erwarten knabbert YouTube geräuschvoll an den Zahlen in Form eines Videos.

Wenn Sie mehr sehen wollen, lesen Sie das Media Cheat Sheet von Montag.

Medien-Spickzettel 6. Januar 2012

6. Januar 2012

HonestReporting Media BackSpin, 6. Januar 2012

Arabischer Winter

Irish Times-Korrespondent Michael Jansen mit dem Blick für den großen Zusammenhang:

Statt sich zu einer Mehrparteiendemokratie zu entfalten, dürfte der Arabische Frühling nicht nur eine autoritäre sunnitische Fundamentalistenherrschaft gebären, sondern auch eine sunnitische Einheit von Marokko bis zum Golf begünstigen –  mit Ägypten als Meinungsführer. Wenn dies einträfe könnten die Fundamentalisten eine Front zum Iran errichten – der schiitischen Großmacht in der Region und ihren Verbündeten im Irak -, und [gleichzeitig] massiv gegen Israel vorgehen statt mit ihm Frieden zu schließen. Israel wird von der überwältigenden Mehrheit der Fundamentalisten nicht nur als unrechtmäßiger Besatzer Palästinas gesehen, sondern auch als Usurpator heiligen muslimischen Bodens.

• Bemühungen um eine Zusammenführung der syrischen Oppositionsgruppen scheiterten. Außer, dass hier in kläglicher Weise ihre Unfähigkeit reflektiert wird, eine Regierung nach Assad zu stellen, beinhaltet dies auch, dass es keine einheitliche Stimme gibt, die als Ansprechpartner für den Westen in Frage käme. Mehr dazu in der Financial Times (via Google News). Aber der Syrische Nationalrat startete schon eine Website….

•  CNN: Syrer verwarfen die schändliche Beobachtermission der Arabischen Liga.

• Der Washington Post zufolge ist ein Showdown zwischen der Muslimbruderschaft und Ägyptens Militär fait accompli [vollendete Tatsache; (bd)]:

Bisher war die relativ moderate [sic; (bd)] islamistische Gruppe ein Bündnis mit dem Militärrat eingegangen, der nach Mubaraks Sturz am 11. Februar letzten Jahres die Kontrolle über das Land übernommen hatte. Aber nachdem sich die militärische Führung entschlossen hatte, ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen zu sichern, während Ägypten in Richtung Demokratie taumelte, sagen einige Analysten, dass ein Zusammenstoß zwischen den beiden Zentren der Macht unvermeidlich sei.

Die langfristigen Ziele von Militär und Bruderschaft “stimmen nicht miteinander überein”, so Shadi Hamid, ein Ägypten-Experte beim Brookings Doha Center. “Das Militär will gewissermaßen als Macht hinter den Kulissen bestehen bleiben. Das ist sicherlich nicht das, was die Bruderschaft will.”

• Tony Karon (Time) denkt über die israelisch-amerikanische Debatte nach, was eine Einbeziehung der Muslimbruderschaft beträfe.

• Es ist schon ein Jahr her, seit eine Bombe eine koptische Kirche in Alexandria verwüstete und viele christliche Opfer forderte – aber Ägypten stoppt seine Ermittlungen seit Monaten. AP (Associated Press) mit einer Rückschau auf die bekannten Fakten und einem Fazit:

Aber das Versagen einer Antwort betreffend, wer hinter dem Anschlag steckte, hat unter Ägyptens christlicher Minderheit Verbitterung darüber ausgelöst, weil der Staat zu wenig unternimmt, sie zu schützen.

Bedrohung durch das iranische Nuklearprogramm

The Media Line sprach mit Eingeweihten über die Fähigkeit des Iran, die Straße von Hormuz zu blockieren:

“Marine und IRGC (Revolutionsgarden; [bd] können den Golf nicht für einen längeren Zeitraum absperren, aber sie besitzen die Fähigkeit, in einem Zeitraum von 5 bis 10 Tagen den Schiffsverkehr im Golf ernsthaft zu gefährden”, so Anthony Cordesman….

Koch vom Gulf Research Center geht davon aus, dass die größte Bedrohung durch den Iran von dessen asymmetrischer Kriegsführung ausgeht, die darin besteht, dass er angeworbene Truppen oder stellvertretende Kriegsparteien für Sabotageakte in Stellung bringt. Der Iran benötigt nicht die Blockade von Hormuz, um Unheil anzurichten; er könnte Ölfelder und Kraftwerke sowie andere kritische und anfällige technische Einrichtungen auf der arabischen Seite des Golfs ins Visier nehmen.

“Das ist ein viel gefährlicheres Szenario”, so Koch. “Die Iraner haben gezeigt, dass sie diesbezüglich eine sehr intelligente Macht sein können.”


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Sonstiges bitte hier lesen [In Englisch]….

Ein Jahr unehrenhafte Berichterstattung: Warum der Guardian vorne lag

16. Dezember 2011

HonestReporting Media BackSpin, 16. Dezember 2011

Es war ein Erdrutschsieg.

Die HonestReporting-Leser waren aufgerufen worden, den Preis für die unehrenhafteste Berichterstattung des Jahres 2011 zu vergeben, und sie reagierten mit einer Resonanz wie niemals zuvor bei den Nominierungen in den vergangenen Jahren. Lesen Sie mehr über die Gewinner in 10 weiteren Kategorien auf der Hauptseite Dishonest Reporting Award.

In Kommentaren auf unserer Website, unserer Facebook-Community und in E-Mails wurde hauptsächlich auf den Antisemitismus Bezug genommen, wie er sich in der alljährlichen Diskussion in der Regel mittels unausgewogener und getrickster Berichterstattung sowie journalistischer Naivität äußert.

“Der Guardian, klar.”

Niemand erreicht auch nur annähernd sein Niveau des platten Antisemitismus.”

“….sie scheinen über ein konsistentes System für Israel-Bashing zu verfügen.”

“Al-Guardian muss gewinnen, es ist nahezu unmöglich, voreingenommener zu berichten als er.”

Der Guardian erzielt mit seinen verzerrt wiedergegebenen Nachrichten und Kommentaren eine große Reichweite. Allein im Mai wurde seine Website von 50 Millionen Lesern aufgerufen.

Das Blatt kann Israel einfach nicht ausstehen. Die schiere Menge absichtlich bösartiger Berichterstattung allein im Jahr 2011 erforderte eine Top 10-Liste der Gründe zur Auszeichnung für die unehrenhafteste Berichterstattung.

Bitte weiterlesen: Top 10 Reasons The Guardian Won the Dishonest Reporting Award [In Englisch].

Zu den Preisträgern insgesamt geht’s hier:

Medien-Spickzettel 16.11.11

17. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 16. November 2011

Alles, was Sie zur Berichterstattung über Israel und den Nahen Osten wissen sollten.

Heute Beiträge über menschliche Schutzschilde, die sich um eine iranische Atomanlage scharen, ein politischer Abgesang zu Salam Fayyad und zu Scheich Nasrallah, der angesichts des arabischen Frühlings durchdreht.

Verpassen Sie nicht unsere (fast) täglichen Medien-Spickzettel, indem sie einfach nur jeden Tag BackSpin anklicken. Das englische Original von Pesach Benson hier.

Zur Bedrohung durch das iranische Nuklearprogramm

• Hunderte Iraner haben sich bei einer iranischen Urananreicherungsanlage in Isfahan versammelt, um als menschliche Schutzschilde zu fungieren.

• Ausrufezeichen für Teheran: Die US-Air Force übernahm die Lieferung einer 30.000 Pfund-Bombe, bekannt als Massive Ordnance Penetrator. Bloomberg News traf es richtig, wenn sie schrieb, dass „die Bombe Ziele bis 200 Fuß unter der Erde erreichen kann, bevor sie explodiert”. Was für ein Understatement eines Sprechers der US-Air Force!

Die Lieferung “wird sich den gegebenen Erfordernissen anpassen”, sagte er.

• David Harris: Armer, missverstandener Iran!

• Die Mullahs erhalten ihre Version aufrecht, dass die Explosion auf der Bid-Ganeh-Raketenbasis letzten Sonntag durch militärische Forschung verursacht worden sei. Wenn ja, wer war dann das Genie, das hinter Forschung und Entwicklung stand? Wile E. Coyote?

Zum Friedensprozess

• Laut Presseberichten will Salam Fayyad (PA) sein Amt als Organ der palästinensischen Einheitsregierung niederlegen. Tony Karon (Time) schreibt jetzt schon einen Abgesang in dieser Laudatio:

Fayyads Aufgabe bestand darin, den Aufbau einer autoritären West Bank-Verwaltung zu organisieren, die in der Lage sein sollte, Dienstleistungen und öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und auch Israels Sicherheitsinteressen zu berücksichtigen. Trotz seiner beeindruckenden administrativen Fähigkeiten begründete sich Fayyads Amtszeit auf die Unterdrückung der palästinensischen Demokratie.

• Den pro-palästinensischen Freedom Riders zahlenmäßig weit überlegene Journalisten, die auf  illegalem Weg versuchten, nach Jerusalem zu gelangen.

Hier geht’s weiter – auch mit weiteren Lesetipps.

Medien-Spickzettel 13.11.11

14. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 14. November 2011

Alles, was Sie zur Berichterstattung über Israel und den Nahen Osten wissen sollten.

Wird Israel die USA vorab über einen möglichen Angriff auf den Iran informieren? Und warum hat eine Karikatur in Haaretz bei UNESCO-Offiziellen Besorgnis wegen Aufhetzung ausgelöst?

Zur Gefahr des iranischen Nuklearprogramms

• Der Daily Telegraph zufolge weigert sich Israel, bei den USA um grünes Licht zu ersuchen bzw. das Weiße Haus rechtzeitig bezüglich eines Angriffes auf den Iran zu informieren. Es scheint so auszusehen, dass das Treffen von Verteidigungsminister Leon Panetta mit Benjamin Netanyahu und Ehud Barak nicht verlief wie erhofft:

Als alle bis auf eine Handvoll vertrauenswürdiger Mitarbeiter den Raum verlassen hatten, teilte Panetta eine dringende Botschaft von Barack Obama mit. Der Präsident, so Panetta, wollte eine unanzweifelbare Garantie dafür, dass Israel keinen einseitigen militärischen Schlag gegen die iranischen Atomanlagen durchführen würde, ohne vorher um Washingtons Freigabe zu ersuchen.

 Quellen in Israel und den Vereinigten Staaten zufolge waren die beiden Israelis waren bemerkenswert unverbindlich in ihrer Antwort.

 “Sie hatten nicht zu erkennen gegeben, dass eine Militäraktion geplant war oder unmittelbar bevorstand, auch gaben sie weder eine Zusicherung, dass Israel zunächst Washingtons Erlaubnis einholen würden, noch das Weiße Haus im Voraus davon in Kenntnis zu setzen, dass eine Mission bevorstehe”, sagte einer.

Unterdessen will Kanadas Verteidigungsminister Peter MacKay mit seinen israelischen Kollegen im Gespräch bleiben….

• Mysteriöse Explosion tötet 17 iranische Soldaten, darunter einen hochrangigen Kommandeur der Revolutionären Garden. Die Revolutionären Garden gaben an, dass es sich bei der Explosion um einen Unfall in einem Waffenlager gehandelt habe, aber Widerstandsgruppen sagen, dass auf dem Areal eine Raketenbasis gestanden habe.

• Karikaturist Kevin Kallagher (Economist) gefällt mir:

Doch der Leitartikel im Economist zeigt eine erstaunliche kognitive Dissonanz: noch ist es nicht zu spät, Hoffnung auf internationale Sanktionen zu setzen – aber wenn das nicht funktioniert, sollte Israel darauf vertrauen, dass die USA den Iran abschrecken:

Weitere Beiträge bitte hier lesen. [In Englisch]

Medien-Spickzettel 8. November 2011

9. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 9. November 2011

Alles, was Sie zur Medienberichterstattung über Israel wissen sollten.

Zur Dringlichkeit des iranischen Nuklearprogramms….und mehr….

(Abbildung rechts) Israelische Piloten nach dem Angriff auf den Osirak-Reaktor im Irak

• Amir Nachumi, einer der IAF-Piloten, der den Angriff auf den Osirak-Reaktor im Jahr 1981 flog, berichtete Dan Ephron von The Daily Beast, dass ein Angriff auf den Iran riskant sei, aber machbar.

“Ich kann Ihnen sagen, dass 1981 die Entscheidung zum Anflug selbst die schwierigste war. Nicht die Ausführung der Mission ist es, sondern die Entscheidung, diese durchzuführen”, sagte Nachumi in dem Interview. “Ich denke, heute verhält es sich genauso. Die Entscheidung zum entschlossenen Handeln ist viel schwieriger als die Operation selbst. “

• Die Israelis debattieren nicht nur öffentlich darüber, ob man den Iran angreifen soll – sie diskutieren auch darüber, wie man das in der Öffentlichkeit kommunizieren sollte. Wie auch die Absichten der Regierung aussehen mögen, so Kevin Blume von CNN -; die internationale Diskussion rückt das iranische Nuklearprogramm wieder in den Mittelpunkt. Und die LA Times fragt sich, ob die öffentliche Diskussion einen möglichen Angriff komplizieren könnte:

Israel ist besonders stolz darauf, öffentlich geführte Leitlinien bezüglich militärischer Angelegenheiten zu vermeiden, wenn es regelmäßig eine Front gegen die Welt aufbaut, falls es um seine [eigene] Sicherheit geht….

Viele Offizielle sagen, dass solche Fragen nicht Gegenstand öffentlicher Diskussion sein sollten. Israelische Angriffe auf Atomanlagen im Irak im Jahr 1981 und Syrien im Jahr 2007 wurden ohne Vorwarnung durchgeführt.*

Bret Stephens (Klick via Google News) macht sich Gedanken über den Diskurs in der amerikanischen Öffentlichkeit:

Eine solche Debatte muss sich über vier Fakten im Klaren sein:

Erstens muss man die Vorstellung aufgeben, dass es einen dritten Weg gäbe, dem Iran einen Fortschritt zu einem ungehinderten Fortschritt des  Nuklearprogramms zu erlauben bzw. des militärischen Eingreifens, seine Anstrengungen zu stoppen….

Zweitens muss in der Debatte berücksichtigt werden, dass es nicht mehr länger um den Westen geht und auch die Zeit gegen ihn (bd) läuft….

Drittens muss man eine unvermeidliche Debatte anstoßen, die die unbedingt notwendigen Konsequenzen eines militärischen Angriffs gegenüber den vorhersehbaren Folgen eines nuklear bewaffneten Iran in Rechnung stellt….

Letztendlich muss jede Debatte berücksichtigen, was der Westen tun kann, um den Untergang des Regimes zu beschleunigen.

• Laut Sam Segev’s Analyse [nicht zu verwechseln mit Tom Segev, dem israelischen Regierungssprecher (bd)] in der Winnipeg Free Press gingen alle Angriffe auf den Iran nach hinten los, weil Meir Dagan nicht informiert war:

Trotz dieser öffentlich durchgeführten Maßnahmen bestand zu keiner Zeit die Absicht, den Eindruck eines unmittelbar einseitigen israelischen Schlages gegen die iranischen Atomanlagen zu erwecken. Der Zweck dieses Nervenkriegs bestand darin, eine Atmosphäre zu schaffen, die härtere Sanktionen gegen den Iran verhängt. Man hoffte, dass die Aussicht auf einen israelischen Angriff, verbunden mit den Untersuchungsergebnissen der internationalen Watchdogs, Russland und China davon überzeugen würde, schärfere Sanktionen zu unterstützen.

Nicht eingeweiht in die Top-Sekret-Verbindungen zwischen den USA und Israel; und schon lange Zeit davor ein Gegner eines einseitigen israelischen Schlages gegen Iran, hat Meir Dagan – ehemaliger Mossad-Chef, Netanyahu und Barak wegen ihres geplantes Abenteuers gegen den Iran scharf angegriffen.

Dagan erklärte gegenüber mehreren Chefredakteuren verschiedener israelischer Tageszeitungen, dass der Iran immer noch Jahre vom Bau einer Atombombe entfernt sei.

- Westliche Nuklearexperten erklärten Haaretz  gegenüber, dass der Iran innerhalb weniger Monate in der Lage sei, eine Atombombe zu bauen.

- Amir Taheri fragt, ob der Iran wirklich auf den nuklearen Auslöser-Button drücken würde.

- Katherine Butler besteht darauf, dass die Auswirkungen des „arabischen Frühlings“ die beste Hoffung für einen Frieden für Israel seien.

- Uri Dromi stellt sich die Frage, was Rabin aus der Situation machen würde. [Ich als Israel-Kommentator setze da bewusst kein Fragezeichen bzw {bd)]. Rabin hätte sich für die SICHERHEIT Israels entschieden und nicht für Wischiwaschi. Punkt!

- Professor Andrew Cohen hofft, dass der Iran von seinen nuklearen Ambitionen abgeschreckt werden kann.

- Dan Murphy bietet 3 Gründe für und 3 Gründe gegen einen drohenden israelischen Angriff an. (Er bezieht sich dabei hauptsächlich auf eine Titel-Story von Jeffrey Goldberg in The Atlantic aus dem letzten Jahr).

- Mary Riddells Dreck zu jüdischer Verschwörungstheorie ziert die Webseite des Daily Telegraph. Vorher bin ich darauf nicht eingegangen. Aber was für eine Verschwendung von Pixels.

Heiliger Strohsack!

Weitere Beiträge zum Friedensprozess, zum Arabischen Frühling und anderen Themen bitte hier lesen. [In Englisch]

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*Dazu auch ein Beitrag von mir (bd) auf Castollux am 19. Oktober 2007.

Medien-Spickzettel vom 3. November 2011

4. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 4. November 2011

Alles, was man zur Medienberichterstattung über Israel wissen sollte.

Großes Rätselraten über einen möglichen Angriff auf den Iran überschattete das Streben nach palästinensischer Eigenstaatlichkeit und die Meldungen zur neuen Gaza-Flottille.

Zum iranischen Nuklearprogramm

• Der Guardian machte sich (wieder einmal) ziemlich wichtig, als er berichtete, dass die IAEA iranische Nuklear-Tests aufgedeckt habe, die allein dazu dienten, eine Nuklearwaffe herzustellen. Seine Ergebnisse werden nächste Woche veröffentlicht*:

Der Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ist der neueste in einer Reihe von vierteljährlich erscheinenden Bulletins über die Aktivitäten des Iran; aber dieser wird ein noch nie dagewesenes Maß an Details zu im Iran durchgeführten Forschungen und Experimenten in den letzten Jahren enthalten, die Vermutungen westlicher Offiziellen zufolge nur für den Aufbau und die Entwicklung eines nuklearen Sprengkopfes dienen können. “Das wird eine Wende im iranischen Atomprogramm bedeuten”, sagte ein westlicher Offizieller voraus. “Moskau oder Peking werden sich schwer tun, diese Bedeutung herunterzuspielen.”

• Der Daily Telegraph erhellt, was im nächsten IAEA-Bericht zu lesen sein wird.

• Im Guardian wird auch berichtet, dass Großbritannien seine Krisenpläne für eine Aktion gegen iranische Atomanlagen vorantreibt.

• Wie kann es zu diametral anders formulierten Schlagzeilen bezüglich ein und derselben Umfrage kommen?



• Ein Leitartikel im Independent regt sich [dämlicherweise, aber alles andere als überraschend bei der seit gefühlt ewigen Zeiten antisemitischen Independent-Agenda (bd)] über Israels Raketentests auf:

So oder so: Die Tatsache, dass ein Angriff auf den Iran wieder in der Luft liegt, auch wenn anderswo der Optimismus des arabischen Frühlings vorherrscht, spiegelt Israel erhöhtes Bewusstsein für Verwundbarkeit wider. Und es wirft ein schlechtes Licht auf die israelischen Führer, dass sie bisher nicht in der Lage waren, auf die historischen Veränderungen zu reagieren, die um sie herum entstanden. Es ist nicht allein den Palästinensern zuzuschreiben, dass der Friedensprozess im Nahen Osten seit einem Jahr als erstarrt gilt.

Na ja, dieses überflüssige Geschwätz muss man nicht groß kommentieren, oder? (bd)

Alle weiteren Artikel bitte hier abrufen (In Englisch).

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*Das ist er aber früh dran, der Guardian: Auf der Webseite Free Iran Now! wird das Thema schon seit 2009 erörtert. Einfach mal die Beiträge ab diesem Zeitpunkt durchsuchen.

Vor umstrittenem Interview in Ägypten: Gilad Shalit nicht vom Roten Kreuz untersucht

27. Oktober 2011

HonestReporting Media BackSpin, 27. Oktober 2011

Das ägyptische Interview mit Gilad Shalit fand statt, bevor irgendein Arzt die Chance bekam, dessen Gesundheitszustand zu überprüfen. Der Enthüllungsjournalist Richard Behar (Forbes) runzelt die Stirn:

Letzte Woche schrieb ich der Interviewerin Shahira Amin, Ägyptens populärster TV-Journalistin, eine E-Mail – danach gepostet in einem News-Beitrag.

Vor drei Tagen antwortete sie sehr ausführlich – ebenfalls in einer E-Mail, deren Inhalt sie größtenteils in einem Offenen Brief an die Jerusalem Post veröffentlichte. In ihrem Brief an mich verteidigt Amin ihre Entscheidung, das Interview mit Shalit geführt zu haben – zum Teil, wie sie behauptet, das Interview wäre angesetzt worden,  “NACHDEM [so ihre Darstellung] er von der Hamas freigelassen worden war und einem medizinischen Checkup durch das Rote Kreuz unterzogen worden wurde.”

Hier aber gibt es ein Problem: Rot-Kreuz-Sprecher Hicham Hassan schrieb mir heute, “dass Vertreter des ICRC (International Committee of the Red Cross [Anm.: bd]) Gilad Shalit kurz nach seiner Übergabe an die ägyptischen Behörden besucht haben. Er wurde jedoch nicht von einem Arzt des Roten Kreuzes untersucht, da dies [sic] nicht angefordert worden war.”

Und was genau bedeutete das für das Interview?

“Hier wurde eine Wahlmöglichkeit vorgetäuscht”, so Dr. Nancy Zarse von der Chicago School of Professional Psychology, Expertin bei Geiselhaft-Verhandlungen für das FBI, Bundesgefängnisse und die Polizei von Chicago. “Ich sah mir das Video zum Interview an. [Und] es lieferte Hinweise auf eine erhöhte Belastung des [vegetativen] Nervensystems sowie schweres Atmen; und manchmal glaubte ich, dass er sehr verängstigt wirkte. So eindeutig kann man das nicht entscheiden.

Ich hatte keinerlei Kontakt mit ihm, aber ich kann nachvollziehen, dass eine Person wie er sich immer noch so fühlt, als sei er in Gefangenschaft – dass ein Interview wie dieses zum wesentlichen Bestandteil der Gefangenschaft werden könnte.”

Die Genfer Konvention von 1949 wird seit langem angewendet, um die Menschenwürde von heutigen und ehemaligen Kriegsgefangenen zu schützen. Da diese Verordnung für Regierungen gilt und nicht Medienorganisationen, sollte man im Hinterkopf behalten, dass das Shalit-Interview fürs ägyptische Staatsfernsehen durchgeführt wurde – also einen Ableger der Regierung.

Seit 2003 haben das Britische Rote Kreuz und die britischen Regierung Anstrengungen unternommen, eine erweiterte Interpretation bezüglich der Anforderung zu unterstützen, dass Kriegsgefangene und zivile Häftlinge vor “Verunglimpfungen und öffentlicher  Zurschaustellung” durch TV-Medien zu schützen sind. Wie das Rote Kreuz bemerkenswerterweise anführt, kann Publizität zur Demütigung eines Menschen führen und die Rückkehr in sein Heimatland erschweren. Und viele dieser Interviews werden “unter Zwang” durchgeführt.

Das Interview war nicht nur ausbeuterisch, es war auch schmähend und bedeutete eindeutig eine weitere Demütigung im Zusammenhang mit Shalits Gefangenschaft.

(Hat tip: HonestReporting-Leser GW)


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