Archive for the ‘Medienwelt’ category

Studie: Selbstzensur bei palästinensischen Reportern weit verbreitet

19. Oktober 2014

Alex Margolin, HonestReporting, 20. Oktober 2014
(Übs.: Yvaine de Winter)

SelfCensorship

Was können interessierte Leser tun, wenn sie eine Vorstellung von dem bekommen wollen, was in den Palästinensergebieten wirklich geschieht?

Wie sich herausstellt, ist es dabei das schlechteste, die palästinensische Presse zu lesen.

Eine Studie zeigt, dass gewaltige 80% der palästinensischen Journalisten eine Art Selbstzensur betreiben, und 68% der Journalisten „sagten, einiges von ihrem journalistischen Material und dem ihrer Kollegen durfte oftmals überhaupt nicht veröffentlicht werden“.

In der vom Palestinian Center for Development and Media Freedoms (MADA) durchgeführten Studie sagten nur 19% der palästinensischen Journalisten, sie hätten bei ihrer Arbeit niemals Selbstzensur betrieben.

Das bedeutet, dass nur einer von fünf palästinensischen Reportern den Versuch gemacht hat, die ganze Geschichte darzustellen, und nur einer von drei bekam seine Berichte nicht ständig abgelehnt und verworfen.

Selbstzensur bzw. die bewusste Zurückhaltung von Informationen ist besonders heimtückisch, da sie den Machthabern die Kontrolle über den Informationsfluss erlaubt, ohne den Anschein zu erwecken, auf die Journalisten Druck auszuüben.

Für gewöhnlich betreibt man Selbstzensur aus Angst vor Strafe oder Vergeltung in irgendeiner Form, wenn man nicht an der „Parteilinie“ festhält. Im letzten Gazakrieg beispielsweise haben Hamas-Terroristen die internationalen Presseleute aufmerksam verfolgt und begleitet, weshalb es praktisch keine Fotos davon gab, wie die Hamas Raketen auf Israel schießt.

Aber Selbstzensur kann auch stattfinden, wenn palästinensische Journalisten ihre Position zur Unterstützung eines politischen Standpunkts benutzen, z. B. der Antinormalisierungsbewegung in den Palästinensergebieten, die jede Form der Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinensern unterbinden möchte.

In jedem Fall ist der größte Verlierer bei dieser Praxis die Öffentlichkeit, die sich auf die Medien verlässt.

Zwar betrachtet die Studie die Selbstzensur als interne palästinensische Angelegenheit, sie hat aber auch Effekte weit über die Palästinensergebiete hinaus.

Westliche Reporter, die in den Palästinensergebieten arbeiten, verlassen sich oft auf palästinensische Mittelsmänner, Dolmetscher und Führer. Zensieren palästinensische Reporter ihre eigenen Berichte, wie können dann westliche Journalisten mit Sicherheit wissen, dass die Leute, auf deren Aussagen sie sich für ihre eigenen Storys verlassen, nicht dasselbe tun?

Und was noch wichtiger ist: Die Studie beweist aufs Neue, dass jede Information aus einer Region, die weder die Meinungsfreiheit unterstützt noch eine freie Presse unterhält, niemals hundertprozentig verlässlich sein kann.

Die fünf größten Fälle von Medien-Versagen im Gaza-Krieg 2014

7. Oktober 2014

Alex Margolin, HonestReporting, 16. September 2014 (Übersetzt von Cora)

Die Berichterstattung in Kriegszeiten mag für die Medien die ultimative Herausforderung sein. Doch der Konflikt zwischen Israel und der Hamas offenbarte einmal mehr die ernste Beschränkung des traditionellen Jouranlismus. Fünf Versager stechen besonders heraus.

Die 5 größten Medien-Versager
Ausgabe Gaza-Konflikt 2014

Medien Versagen # 1

Opferbilder als moralisches Barometer

Reporter vertrauten Zahlen, die ihnen von Gazas Gesundheitsministerium, das der Hamas untersteht, mitgeteilt wurden, und das, obwohl die Hamas ein strategisches Interesse an einer Inflation der Anzahl hat

Col. (Reserve) Reuwen Ehrlich vom Mei Amit Intelligence and Information Centre prüfte die Namen, die vom Gesundheitsministerium in Gaza herausgegeben wurden.

„Die Liste wurde hastig erstellt und später wurden Änderungen vorgenommen. Es gab eine Anzahl falscher Namen, die aufgelistet wurden, die Details der Todesursachen waren nur unvollständig, was die Identifikation verdächtigt macht. Es gab Namen, die mehr als einmal verwendet wurden und einige sind eher durch eigenen Beschuss, als durch die israelische Armee umgekommen. Die Liste unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Terroristen. Alle Toten auf der Liste werden „Shahids“ (Märtyrer) genannt.“

Viele Medienangaben behaupten, dass es sich bei 80% um zivile Opfer handelt.

Aber ein Bericht der New York Times fand heraus, dass ein verdächtig hoher Anteil der Opfer Männer im Alter zwischen 20 und 29 Jahren waren – das Hauptalter der Hamasterroristen.

Die Mainstream Medien präsentieren häufig eine Opferaufrechnung – die Anzahl der Palästinenser neben der Anzahl der Israelis.

Diese Aufzählung hat einen moralischen Unterton. Berichte ohne Hintergründe suggerieren, dass Israel der Aggressor war oder die Bedrohung Israels übertrieben wurde.

Doch die „Anzahl“ ist nicht die ganze Geschichte. Sie zeigen nicht die Anstrengung Israels, seine Zivilisten zu schützen und es schließt nicht in die Rechnung mit ein, mit welchen Mitteln die Hamas Zivilisten in Gefahr brachte, indem sie reine Wohngebiete zu Kriegsschauplätzen machte.

Wie Bret Stephens im Wall Street Journal schrieb:
„Der einzige Nutzen der Leichenzahlen besteht darin, den Reportern und Kommentatoren die ultimative Möglichkeit zu geben, Israel die Schuld zuzuschieben während sie den Fragen nach der tatsächlichen Verantwortung für das Morden ausweichen.“

Medienversagen # 2

Das Syndrom des „geprügelten Journalisten“

Die Hamas schüchtert Journalisten ein.

Die Situation in Gaza war so schlimm, dass die Foreign Press Association (FPA) eine verichtende Verurteilung des Benehmens der Hamas gegenüber den Journalisten herausbrachte.

Aus dem Statement der Foreign Press Association:

„Die FPA protestiert auf Schärfste gegen die aufdringlichen, ständigen, gewalttätigen und unlauteren Methoden der Hamas-Authoritäten und ihrer Vertreter gegenüber den internationalen Journalisten, die Gaza in den letzten Monaten besuchten …

In mehreren Fällen wurden ausländische Reporter, die in Gaza arbeiteten, schikaniert, bedroht oder über ihre Geschichten ausgefragt oder über Informationen, die sie über ihre Nachrichtenmagazine oder durch die Sozialen Medien weitergaben.“

Erstaunlicherweise war die Antwort einiger der einflussreichsten Journalisten, die über Gaza berichteten, darauf, dass die ganze Sache übertrieben sei.

Die Chefin des Jerusalemer Büros der New York Times, Jodi Rudoren, nannte das Statement der FPA via Twitter „Unsinn“.

Joshmitnick

Foreign Press Ass. Protestiert gegen aufdringliche, ständige, gewalttätige Hamasbelästigungen, Drohungen gegen Reporter in #Gaza pic.twitter.com

Jodi Rudoren

@ joshmitnick: Jeder Reporter, den ich getroffen habe und der in Gaza während des Krieges war, sagt, dass die israelische/jetzt FPA Darstellung Unsinn ist.

Warum geht jemand hin und spielt etwas gezielt herunter, das offensichtlich Auswirkungen auf die Darstellungen hat, die über diesen Konflikt auftauchen?

TRANSPARENZ

Wenn Reporter transparent über die Herausforderungen berichteten, dann zugeben müssten, dass die Hamas auf vielen Ebenen Anstrengungen unternahm, die Kontrolle über alle Berichte zu bekommen, die aus Gaza kamen.

Wie der Journalist Michael Totten nach der Veröffentlichung des AFP Statements schrieb:

„Der Gazakrieg war natürlich eine große Geschichte und es musste darüber berichtet werden. Aber es hätte genauso gut von der israelischen Seite der Grenze aus aufgedeckt werden können. Über beide Seiten der Geschichte zu berichten ist natürlich, wann immer es geht, vorzuziehen, doch eine ausgewogene Berichterstattung von Israel aus mit den zensierten Berichten aus Gaza zu vergleichen, ist eine journalistische Vernachlässigung der Sorgfalt. Hört auf damit!“

Medienversagen # 3

Fehlende Informationen werden nicht bekannt gemacht

Viele Journalisten und Fotografen behaupten, dass sie bei ihrer Arbeit von der Hamas nicht behindert wurden, aber sie konnten auch nicht glaubhaft erklären, warum es so wenige Bilder von Hamaskämpfern in Aktion gab.

 

Der Starfotograf der New York Times, Tyler Hicks, sagte, dass er überhaupt keinen Terroristen oder Raketenrampe gesehen habe. „Es war als gäbe es sich gar nicht.“ sagte er.

Und so haben die meisten Bildreihen das Geschehen auch behandelt – als ob es keine Raketenabschussrampen und Leute, die diese auf Israel abgeschossen hatten, gegeben habe.

Dagegen gab es keinen Mangel an Fotos von Palästinensern, die auf die israelischen Luftangriffe reagierten. In unzähligen Fotostrecken aus Gaza war es schwer auszumachen, dass hier zwei Seiten kämpften, nicht nur eine.

Mediale Veröffentlichungen haben die Pflicht, den Leser wissen zu lassen, wenn etwas fehlt.

Medienversagen # 4

Überbetonung grausamer Kriegsbilder

Während es aus den Tagen schwerster Kämpfe in Gaza buchstäblich keine Bilder von Hamaskämpfern gibt, findet man Bilder von Kindern und Babys, die bei israelischen Luftangriffen verletzt wurden, in Hülle und Fülle.

Aber das verdreht die Auseinandersetzung in Gaza aufs Schlimmste. Nimmt man das Fehlen der Bilder von Hamaskämpfern dazu, wird die Botschaft klar: Israel ist ein Aggressor, der auf Kinder zielt.

Tatsächlich aber kämpfte Israel um seine Bevölkerung vor Raketenbeschuss und Tunnel unter seiner Grenze zu beschützen.

Medienversagen # 5

Das Versagen, die tatsächlichen Ziele der Hamas klar zu stellen.

Während der Wochen der Kämpfe und vor allem während der Perioden, in denen über einen Waffenstillstand verhandelt wurde, behaupteten die Medien, dass die Hauptmotivation der Hamas entweder die Aufhebung der Blockade rund um Gaza, oder die Eröffnung eines Hafens oder Flughafens sei.

Aber warum hat die Hamas dann Jahre darauf verwendet, ein Tunnelsystem und Bunker zu bauen, die die Grenze unterqueren und weit bis nach Israel hineinreichen?

Es wäre ehrlicher, wenn man darauf hinweisen würde, dass sich die Hamas der Vernichtung Israels verschrieben hat.

Ihre Charta sagt das deutlich:

„Die islamische Widerstandsbewegung ist ein Glied in der Kette im Kampf gegen die zionistischen Invasoren. Sie geht zurück auf das Jahr 1939 … und auf die Muslimbruderschaft im Krieg 1948 und den Jihad Operationen der Muslimbruderschaft in den Jahren 1968 und danach …

Die islamische Widerstandsbewegung strebt nach der Realisierung des Versprechen Allahs, egal wie lange es dauern mag. Der Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, hat gesagt:

„Der Tag des Gerichtes wird nicht kommen, bis die Muslime die Juden bekämpfen (Juden töten), während sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken. Die Steine und Bäume werden rufen: Oh Muslim, oh Abdullah, da ist ein Jude hinter mir, komm und töte ihn …“

Die Medien haben die Verpflichtung den Konflikt als das darzustellen, was er ist: Die Aggressionen einer Terroristengruppe, die darauf hinarbeitet, Israel zu zerstören und Israels Anstrengungen, seine Bürger zu beschützen.

S.E. Cupp schrieb in der New York Daily News:

Es wird selten in einem Nachrichtenbericht erwähnt, dass das vorrangige Ziel der Hamas, ihr Hauptziel, das, was sie wirklich will und wozu ihr militärischer Arm geschaffen wurde und entschlossen ist, die totale Vernichtung Israels und die Auslöschung der Juden ist.

Das ist eine entscheidende Komponente, die in den Berichten regelmäßig ausgelassen wird. Aber jede Story, die das nicht als Hauptforderung der Hamas erwähnt, ist weder intellektuell ehrlich noch vollständig.

Wie man eine „Siedlungskrise“ erschafft

4. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 02.10.2014

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Es ist wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Der israelische Premierminister Netanyahu trifft sich mit US-Präsident Obama, und die Medien sind voll mit Geschichten über israelischen Siedlungsbau und Verurteilungen sowohl vom Weißen Haus als auch vom US State Department.

Wie kam es also zu dieser „Verkettung unglücklicher Umstände“?

Zuallererst wäre so etwas ohne die vollkommen siedlungsbesessenen Medien nicht möglich gewesen. Ungeachtet all dessen, was in der Region vor sich geht, schließen sich viel zu viele noch immer unhinterfragt dem Narrativ an, der Bau von jüdischen Wohnhäusern (in diesem Fall in einem Stadtteil Jerusalems) sei das größte Friedenshindernis im Nahen Osten.

Rechnen Sie zweitens die symbiotische Beziehung zwischen den Medien und nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) mit ein, insbesondere derjenigen, die Israels Politik gegenüber kritisch eingestellt sind. Die Washington Post sieht die Dinge bei ihrem Bericht über die Baupläne für Givat Hamatos in Jerusalem richtig:

Die Siedlungsentwicklung war jahrelang in Planung, befand sich jedoch bis letzte Woche auf Eis. Letzte Woche gab die Regierung eine öffentliche Bekanntmachung heraus, was ihr erlaubte, Angebote entgegenzunehmen und mit dem Bau zu beginnen. Die Bekanntmachung erhielt jedoch keinerlei Aufmerksamkeit, bis die israelische Lobbygruppe Peace Now kurz vor dem Treffen zwischen Obama und Netanyahu eine Pressemeldung über sie veröffentlichte.

Tatsächlich wurde alles erst zu einer Story, als das hier im E-Mail-Postfach ausländischer Journalisten landete:

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Also hielt Peace Now diese Pressemeldung bewusst für eine ganze Woche bis zu dem Zeitpunkt zurück, von dem sie wussten, dass sie in der Presse maximale Zugkraft haben und Netanyahu auf seiner US-Reise noch mehr Kopfschmerzen bereiten würde. Und dies trotz der Tatsache, dass der Bau in Givat Hamatos schon im Dezember 2012 genehmigt worden war.

Aber z. B. für die Times of London ist das eine brandneue Siedlung und kein Bau in einem bereits existenten Bereich von Jerusalem:

Spaltungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten traten zutage, als Stunden vor einem Treffen zwischen den Oberhäuptern beider Nationen eine kontroverse neue jüdische Siedlung genehmigt wurde.

Es ist keine „neue jüdische Siedlung“, und sie wurde ganz gewiss nicht Stunden vor dem Treffen zwischen Netanyahu und Obama genehmigt.

givathamatos

Im Bild oben: Givat Hamatos ist rot umrandet, blau sind die jüdischen Stadtteile, braun sind die arabischen Stadtteile.

Was ungeachtet israelischer Medien in der Pressemeldung ebenfalls fehlt, ist die Tatsache, dass die Hälfte der Wohneinheiten in Givat Hamatos für arabische Bewohner bestimmt ist. Bei den Argumenten bezüglich Siedlungen in Jerusalem wird generell missverstanden, dass man arabische Einwohner Jerusalems oder israelische Araber nicht legal davon abhalten kann, Immobilien innerhalb der Stadtgrenzen zu kaufen, zu mieten oder dort zu wohnen.

Also können wir klarstellen, dass Timing und Inhalt der Givat-Hamatos-Story nichts weiter als eine künstlich erschaffene „Krise“ darstellen, die in Wirklichkeit unbeachtet geblieben wäre, wäre da nicht Peace Now gewesen.

Bild: CC BY-SA HonestReporting, flickr/Philip Taylor

Die Berichterstattung im Zeitalter der Bestätigungen

22. September 2014

Alex Margolin, HonestReporting, 10. September 2014 (übersetzt von Cora)

Der Krieg in Gaza hat ungewöhnlich üppige Analysen der Berichterstattung über den Mittleren Osten hervorgebracht, einschließlich eines herausragenden Artikels des ehemaligen AP-Reporters Matti Friedman, der behauptete, dass die Berichterstattung eines Teiles der Medien von einer „feindlichen Bessenheit gegen die Juden“ geprägt war.

Für den ehemaligen Chef des Jerusalemer Büros der New York Times, Ethan Bronner, besteht das Problem nicht darin, wie die Reporter diese Region darstellen, sondern im Verhältnis der Leser zu den Nachrichten. In einem Interview mit dem Magazin Moment, beschreibt Bronner, der von 2008 bis 2012 als Chef des Büros arbeitete, seine Erfahrungen „auf einem der heißesten Stühle des Journalismus“ zu arbeiten.

„Einer der deprimierendsten Schlüsse, die ich ziehen musste, war: Die Leute sind nicht wirklich an Informationen interessiert. Sie wollten lediglich die Bestätigung ihrer eigenen Ansichten. So war die Aufgabe, die wir uns als Journalisten stellten – die Komplexität, die vielen Grautöne der Wahrheit herauszustellen, damit die Menschen verstehen würden, dass das Leben kompliziert ist – für die meisten Menschen nicht von Interesse. Stattdessen wollten sie nur das hören, was ihre eigene Geschichte wiederholte oder was sie bestätigte.“

Bronners Haltung wird von der Untersuchung der Medien, die Shawn Powers für das USC Center of Public Diplomacy und Mohammed el Nawawy, von der Queens University in Charlotte, bestätigt, die schon 2009 veröffentlicht wurde. Übereinstimmend mit dieser Veröffentlichung schreibt der Pacific Standard:

„Powers und el-Nawawy betonen, dass das das in der arabischen Welt während des 1991er Golfkriegs eingeführte Satellitenfernsehen, sowohl die Strukturen des globalen Nachrichtensystems als auch dessen Rolle in Kriegszeiten veränderte. Obwohl diese Erfindung das Potential gehabt hätte, ein wirklich globales Forum kulturübergreifender Kommunikation zu werden, fanden die Wissenschaftler heraus, dass sich die Zuschauer rund um die Welt zunehmend den Nachrichtenstationen nicht zuwenden, um die letzten Neuigkeiten in der Welt zu erfahren, sondern um jene Informationen zu erhalten, die in ihr vorgefertigtes Weltverständnis passen.“

Die Frage ist nun, inwieweit die Verkäufer der Nachrichten bereit sind, den Lesern das zu geben, was sie verlangen. Matti Friedman zeigt die vielen Ironien auf, die auftauchen, wenn man das Objektiv auf den Umgang mit Israel richtet:

„Weiße Menschen in Paris und London, deren Eltern vor nicht allzu langer Zeit in ihren Wohnzimmern in Rangoon oder Algier von dunkelhäutigen Menschen Luft zugefächelt bekamen, verdammen den jüdischen „Kolonialismus“. Amerikaner, die an Orten wohnen, die „Manhattan“ oder „Seattle“ heißen, verurteilen die Juden, die Ureinwohner Palästinas vertrieben zu haben. Russische Reporter verdammen Israels brutale Militärtaktik. Belgier verurteilen Israels Umgang mit den Afrikanern. Als Israel einen Transportservice für die palästinensischen Arbeiter in der besetzten Westbank einrichtete, erfuhren die amerikanischen Nachrichtenleser von Israels „Rassentrennungs-Bussen“. Und es gibt nicht wenige Leute in Europa, nicht zuletzt in Deutschland, die sich darüber freuen, wenn die Juden des Genozids beschuldigt werden.“

Geschichten, die ich gerne lesen würde: An der Oberfläche der UNRWA kratzen

31. August 2014

Honest Reporting, 28. August 2014

Wir wissen von der IDF von ein paar Beispielen, wo Einrichtungen der UNRWA (United Nations Relief and Works Agency) dazu benutzt wurden, Waffen zu lagern und Raketen auf Israel abzufeuern.

Dieses Hilfswerk der UNO betreut die palästinensischen Flüchtlingslagr — alles von Schulen und Kliniken bis zur Lagerinfrastruktur. Gemäss ihrer Webseite hat das Hilfswerk ein Budget von 2014-2015 von 1.5 Milliarden Dollar, und 92 Prozent von diesem Geld kommen von UNO-Mitgliedstaaten — also euer Steuergeld.

Da Raketen in Schulen zu fortgeschritten sind für den typischen wissenschaftlichen Klub von Maturandenklassen, hat die UNRWA etwas Erklärungsbedarf. Das Problem ist, es lohnt nicht, den Atem anzuhalten in der Erwartung dessen, dass die UNO sich selbst untersucht, geschweige denn die Resultate öffentlich macht. Eine laue Entschuldigung der UNRWA, körnige IDF-Bilder, und eine Hand voll Beispiele, die es in die Medien geshafft haben, sind nur die Spitze des Eisbergs.

Es ist Zeit für einen kühnen Reporter, den Handschuh aufzunehmen und im öffentlichen Interesse ein paar schwierige Fragen zu stellen.

Wie haben Waffen den Weg in UNRWA-Gebäude gefunden? Wussten ihre Mitarbeiter davon, oder waren sie sogar daran beteiligt?

Zum Umfang: Wieviele weitere Schulen, Klinken, Lagerräume und Büros der UNRWA sind noch betroffen? Von wievielen weiteren Orten, in die die Hamas eingedrungen ist, wissen wir noch gar nicht?

Zur Finanzierung: Wieviel Geld hat das Hilfswerk verloren, und wer ist dafür verantwortlich? Wie ist die Stimmung der Geldgeber der UNRWA?

Zu de Folgen: Wird die UNO irgend jemanden dafür zur Verantwortung ziehen? Welche Schlussfolgerungen ziehen die Offiziellen in der Palästinensischen Autoritätsbehörde, in Jordanien, Syrien und dem Libanon — die ebenfalls UNRWA-verwaltete Flüchtlingslager haben — aus all dem? Und welche Schritte, wenn überhaupt, kann die UNRWA angehen um das Vertrauen von Israel wieder zu gewinnen?

Zum Einsatz: Eine Überprüfung sollte jenen Schwung geben, die der UNRWA Gelder entziehen wollen. Nicht wenige Stimmen wollen die Verwantwortung für die palästinensischen Flüchtlinge dem Uno Hochkommissariat für Flüchtlinge übertragen (die UNRWA ist überflüssig) oder sogar der palästinensischen Autonomiebehörde (das würde theoretisch die PA stärken).

Gibt es einen Enthüllungsjournalisten, der sich der Aufgabe gewachsen fühlt?

Bild: CC BY-SA HonestReporting, flickr/Andrew Magill

Medien-Fehlschüsse zum Zusammenbruch des Gaza-Waffenstillstands

26. August 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 20. August 2014 (übersetzt von Cora)

Zum elften Mal hat die Hamas im derzeitigen Konflikt das Waffenstillstandsabkommen gebrochen, diesmal indem sie am Dienstagnachmittag Raketensalven in den Süden Israels schossen. Es ist klar, wer für den Ausbruch der Gewalt verantwortlich ist und die Verhandlungen versenkte, die zu diesem Zeitpunkt noch im Gange waren. Aber die Medien haben es wieder einmal geschafft, es falsch darzustellen.

Als die Nachricht kam, konnte The Guardian nicht anders, als Israel als Aggressor darzustellen

Israel beginnt mit neuen Luftangriffen auf Gaza

Die Überschrift des Daily Telegraph lässt Zweifel an der Schuld der Hamas zu, indem sie Anführungszeichen setzen, die völlig unangebracht sind

Israel schlägt gegen Gaza los, nachdem die Hamas „den Waffenstillstand gebrochen hat“

Der Untertitel vom The Independent sagt, dass „Israel behauptet, Hamas Terroristen brachen die Waffenruhe, indem sie Raketen aus Gaza abschossen“. Dem folgte ein Verweis auf „einen vermeintlichen Angriff am Dienstag“, was die Glaubwürdigkeit Israels ebenso in Frage stellt wie den Status der Hamas Terroristen.

Andere Medienorganisationen zeigen durch eine moralische Gleichsetzung Nachsicht und weisen Israel die gleiche Schuld zu, ungeachtet der Aggressionen durch die Hamas. Als Beispiel dafür der Aufmacher der LA TimesL

Israelische und Gazaner Militante gehe noch vor dem Ende der Waffenruhe erneut aufeinander los

Und Kanadas Globe and Mail:

Der Krieg in Gaza geht mit tödlichen Angriffen und Raketenbeschuss weiter

Oder The Scotsman, der ebenfalls Israelis und Hamas die gleiche Verantwortung für das Scheitern des Waffenstillstands in Rechnung stellt, indem er das Geschehen mit einem „Austausch der Raketen“ beschreibt:

Gaza: Der Austausch von Raketen Ruiniert die Gespräche in Ägypten

Für einige Medien wurden die Raketenangriffe, die den Waffenstillstand brachen, ohnehin aus den Geschichtsbüchern radiert, womit Israel fälschlich als der Hauptverantwortlicher dargestellt wird.

Die BBC, schon länger ein Experte darin, wichtige Zusammenhänge zu verschweigen, fokussiert sich ganz auf die Verfolgung des Anführers der Hamas-Terroristen Mohammed Deif, vergisst aber den Bruch der Waffenruhe durch die Hamas zu erwähnen. Durch den Bericht der BBC kann der Leser nur davon ausgehen, dass Israel der Hauptschuldige für die Gewalt ist.

Ebenso fokussiert sich The Times of London ganz auf Mohammed Deif und stellt fest: „Nachdem die Waffenruhe gebrochen wurde, fahren Israel und die Hamas fort, sich zu bekämpfen.“ Gefolgt von: „24-stündige Pause, die bis Mitternacht anhalten sollte, brach gestern Nachmittag zusammen, wofür man sich gegenseitig beschuldigt.

Einmal mehr werden den Lesern nicht alle Fakten und Zusammenhänge geliefert.

Ein Journalist korrigiert eine Lüge aus Gaza mit einer weiteren

24. August 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 17. August 2014 (übersetzt von Cora)

HonestReporting hat bereits den New Statesman auf dessen fast 4.000 Worte langen Bericht von Donald Macintyre aus dem Gazastreifen angesprochen, der deutlich die Unzuverlässigkeit der palästinensischen Opferzahlen aufzeigt. Der Bericht enthielt folgenden Absatz:

„Glücklicherweise erlitt Yasser nicht das gleiche Schicksal wie der 10jährige Mohammed Badran, ein anderer Überlebender, der ins al-Shifa-Krankenhaus eingeliefert wurde. Infolge eines israelischen Luftangriffs erblindete er, im Krankenhaus angekommen, schien er noch nicht zu wissen, dass seine gesamte Familie vernichtet wurde, als eine Rakete ihr Haus im Flüchtlingslager Nuseirat zerstört hatte. Da er die Art seiner Verletzung nicht verstand, fragte er das Personal ständig: „Warum habt ihr das Licht ausgemacht?“

Diese blutrünstigen Israelis sind also nicht zufrieden damit Mitglieder einer aufrechten Familie zu verletzen, sie töten auch noch erbarmungslos den Patriarchen, als der sich ganz unschuldig auf das Morgengebet vorbereitete.

Allerdings war Nidal nicht für das Morgengebet in der Moschee. Er traf sich dort um 3:30 Uhr morgens mit zwei weiteren führenden Hamasmitgliedern, wie mein früherer Bericht von heute zeigt. Es ist klar, dass die zerstörte Moschee ein paar Geheimnisse hatte, von denen die Hamas die Reporter fernhalten wollte.

Die drei Terroristen, die in der Moschee getötet wurden waren Nidal Badram(نضال بدران), Maaz Zayed (معاذ زايد) und Tariq Jadallah (وطارق جاد الله).

Auf einmal scheint die Zielauswahl des Badran-Hauses etwas weniger zufällig, oder nicht?

Übrigens haben die arabischen Medien die drei Hamas Mitglieder, die in der Moschee getötet wurden, natürlich als Zivilisten dargestellt. PCHR und AP bezeichneten sie als Kämpfer, allerdings ohne ihre Namen zu nennen.

Macintyre erwähnte Nidal Badrans Tod in einer früheren Geschichte für den Intependent, dort beschreibt er den Angriff so:

An diesem Morgen zerstörte ein israelisches Bombardement eine der größten Moscheen im zentralen Gazastreifen. Dabei wurden drei Palästinenser getötet, die sich auf das Morgengebet vorbereiteten. Einer davon war der Vater eines schwer verletzten 10jährigen Jungen, der bei einem Treffer auf ihr Haus vor einer Woche erblindete.

Zwei Bulldozer wühlen sich durch den Berg von Trümmern, der nach dem F-16-Luftangriff von der Al-Qassam-Moschee im Herzen des Nusseirat Flüchtlingslagers übrig geblieben ist und wo man die vier Männer zuletzt in dem Nebenraum für die übliche Waschung vor dem Gebet gesehen hat, bevor sie die Bombe kurz nach 3 Uhr morgens erwischte.

Unter den drei geborgenen Leichen war auch Nidal Badran (44), der verzweifelt darauf hoffte, dass sein Sohn Mohammed, der zur Zeit mit schwersten Gesichtsverletzungen, durch die er auch das Augenlicht verlor, im Shifa-Krankenhaus liegt, für die notwendigen Operationen nach Europa gebracht werden würde.

Der die getöteten Männer als „Mitglieder einer bewaffneten Gruppe“ beschreibende PCHR-Artikel war zu diesem Zeitpunkt bereits veröffentlicht, also machte sich Macintyre nicht einmal die Mühe die Fakten über den Terroristen Nidal Badran zu überprüfen, bevor er ihn zwei Mal sehr mitfühlend beschrieb.

Macintyre berichtete, dass Israel Warnungen absetzte, bevor es die Moschee zerstörte, aber diese Warnung die Hamasmitglieder nicht rechtzeitig erreichte.

Und es ist nicht so, als hätte Macintyre keine Ahnung gehabt. Er wusste, dass Badran Polizist war und jeder anständige Reporter in Gaza sollte wissen, dass die überwiegende Mehrheit der Polizisten traditionell auch Mitglieder der Al-Qassam-Brigaden sind.

Also eine weitere Beschönigung der Hamas.

Oh übrigens, schaut euch das mal an:

Der Bruder des Toten, Kemal Badran (45), der für das Informationsbüro des UN-Flüchtlingswerks (UNRWA) arbeitet, sagt, dass sein Bruder seit 20 Jahren als Polizist in Gaza gearbeitet habe.… „Er war ein religiöser Mensch“, setzt er hinzu und dass er regelmäßig früher zum Morgengebet ging, um sich zu waschen und im Koran zu lesen. „Vielleicht wussten (die Israelis) nicht, dass zu diesem Zeitpunkt überhaupt jemand in der Moschee war“, glaubt er.

PCHR wusste natürlich, dass Nidal ein Terrorist war … ebenso wie sein Bruder von der UNWRA.

Man kann nichts von dem glauben, was die Einwohner Gazas den Reportern erzählen. Leider sind die Reporter nur allzu bereit den Lügen Glauben zu schenken.


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