Archive for the ‘Europa und Nahost’ category

Antisemitismus-Definition bedroht

7. Dezember 2013

Simon Plosker, HonestReporting.com, 3. Dezember 2013

Vor nur ein paar Monaten startete HonestReporting eine Petition, mit der die Mainstream-Medien aufgefordert werden anerkannte und überlegte Definitionen des Antisemitismus zu übernehmen, wie sie sowohl im US-Außenministerium als auch von der Europäischen Union anerkannt werden.

Die Petition ist noch aktuell und wir haben vor Ihre mehr als 30.000 Unterschriften den Medien zu schicken. Bevor wir das tun ist jedoch eine bestürzende Entwicklung ans Tageslicht gekommen, die nicht nur die Gültigkeit unserer Petition bedroht, sondern auch den Kampf gegen den Antisemitismus selbst, insbesondere in Europa – die EU-Arbeitsdefinition für Antisemitismus ist als offizielles Dokument entfernt worden, was Antisemiten und Feinden Israels eine Bresche gibt, um den Kampf gegen den Antisemitismus zu diskreditieren und zu delegitimieren.

Die europäische Definition wurde ursprünglich 2005 vom EU-Beobachtungszentrum für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) veröffentlicht, das seitdem durch eine Nachfolgeorganisation, die Fundamental Rights Agency (Agentur für Fundamentalrechte, FRA) ersetzt wurde. Die Antisemitismus-Definition steht demonstrativ nicht mehr auf der Internetseite der FRA.

[Es ist nicht zu spät die Petition zu unterschreiben und Ihre Unterstützung für die Befürwortung der Antisemitismus-Definitionen zu zeigen - klicken Sie auf das folgende Banner.]

Shimon Samuels vom Simon-Wiesenthal-Zentrum erklärt in der Times of Israel:

Am 6. November protestierte ich bei der Hohen außenpolitischen Repräsentantin der EU, Catherine Ashton, gegen das derzeitige Verschwinden der „Arbeitsdefinition“ von der Internetseite der FRA und forderte die sofortige Wiedereinstellung.

Die Antwort des für fundamentale Rechte zuständigen juristischen Generaldirektorats der Europäischen Kommission vom 29. November war erstaunlich, denn darin insistierte man: „Anfangs hatten weder die speziell Kommission noch die Union haben eine Definition des Antisemitismus eingeführt und es gibt keine Politik eine zu schaffen. Darüber hinaus sollte herausgestellt werden, dass die FRA eine unabhängige Einrichtung ist.“

Der Brief erklärte: „2005 hatte das EU-Beobachtungszentrum zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) ein Dokument mit dem Titel Arbeitsdefinition für Antisemitismus online gestellt… Seitdem habe verschiedene Akteure, hauptsächlich NGOs dieses Dokument als die Antisemitismus-Definition der EU bezeichnet… In aller Autonomie behielt die FRA dieses Dokument bis vor kurzem online, als sie zusammen mit anderen nicht offiziellen Dokumenten entfernt wurde.“

In der Tat hat auch HonestReporting auf die Definition als die der EU verwiesen. Das Verschwinden und Verleugnung der Definition lässt ein unverzichtbares Mittel im Kampf gegen Antisemitismus wegfallen und gibt den europäischen Medien eine gebrauchsfertige Ausrede der Definition nicht beizupflichten. Zu diesem Zeitpunkt hat das die Definition des US-Außenministeriums noch nicht beeinflusst, die auf der europäischen gründet.

Dennoch stimmen wir mit Shimon Samuels* überein:

Die Entfernung kann die Antisemiten nur erfreuen und ermutigen. Ihre Rückkehr auf die Internetseite der FRA würde als erster Schritt für die Begrüßung dessen, was eine entscheidende Waffe im Arsenal gegen Hass geworden ist, geschätzt.

—–
* Samuels zeigt auch auf, dass die Behauptung der EU, sie habe quasi nichts mit der Arbeitsdefinition zu tun genauso fadenscheinig ist wie die, die FRA sei eine unabhängige Institution.

Norwegische Medien verdrehen die Nachrichten

13. September 2012

Manfred Gerstenfeld, HonestReporting.com, 23. August 2012

Seit einer Reihe von Jahren hat Norwegen die erste Position auf dem Index der Pressefreiheit gehalten. Die Wahrnehmung, dass Norwegen eine freie Presse hat, ist allerdings weitgehend falsch. In der Tat beaufsichtigen oder zensieren die norwegischen Behörden die Medien nicht. Doch es gibt eine starke antiisraelische Schieflage sowie Selbstzensur unter den Redakteuren der meisten Medien. Das Land grenzt auch an Russland. Doch man gewinnt oft den Eindruck, dass Israel häufiger in der norwegischen Presse auftaucht, als der mächtige Nachbar. Norwegens Medien sind besessen von Israel und viele hetzen auf verschiedene Weisen gegen das Land.

Die Anomalien mehrerer führender norwegischer Medien gehen oft über die übliche Einseitigkeit vieler anderer westlicher antiisraelischer Zeitungen hinaus. Sie berichten ohne weiteres über Dinge, mit denen sie Israel rügen können, aber die zahlreichen palästinensischen Verbrechen werden oft ausgelassen oder überaus lückenhaft gebracht. Man sucht in der Regel vergeblich nach Artikeln über das Parteiprogramm der Hamas, das deren Absicht,  Völkermord an den Juden zu verüben, anführt. Dasselbe gilt für die Glorifizierung von Mördern jüdischer Kinder durch die palästinensische Autonomiebehörde. Regelmäßige und durchsichtige Lügen von palästinensischen Ministern, Offiziellen und Medien bekommen nur selten Aufmerksamkeit, wenn überhaupt.

Norwegische Medien schauen oft weg, wenn es um die riesige Kriminalität und Verfehlungen beim humanitären Recht in der arabischen und muslimischen Welt geht. Zu erwähnen, dass es keine andere Religion gibt, in der mörderische, ideologische Kriminalität so sehr aufblüht wie in der islamischen Welt, ist genauso tabu.

Gelegentlich erscheint in einer der großen Zeitungen ein positiver Artikel über Israel. Das war vor kurzem der Fall bei einem Editorial in der drittgrößten Tageszeitung Dagbladet. Darin wurde sich über das fehlende Interesse in Norwegen bezüglich der vielen Kriegsopfer in Syrien im Vergleich mit einem Fokus auf Israel gewundert.

Gäbe es nicht die wenigen mutigen Leute wie die Redakteure der kleinen christlichen Wochenzeitschrift Norge Idag und den führenden norwegischen Blog Document.no, hätten die Norweger keine Möglichkeit, etwas darüber zu lesen, wie unausgewogen die Information zum Nahen Osten ist, mit denen sie vom staatlichen Fernseh- und Radiosender NRK und fast allen Medien gefüttert werden. Die kleine christliche Tageszeitung Dagen ist genauso mutig. Sie veröffentlichte vor kurzem einen meiner Artikel, in dem ich erkläre, warum Premierminister Jens Stoltenberg von der Arbeitspartei ein Teilzeit-Antisemit ist.

Anfang 2009 wurde ein englischsprachiger Blog namens Norway, Israel and the Jews gegründet. Er wurde gegründet, nachdem sein Blogger mein Buch Behind the Humanitarian Mask: The Nordic Countries, Israel and the Jews (Hinter der humanitären Maske: Die nordischen Länder, Israel und die Juden) aus dem Jahr 2008 gelesen hatte. Er hatte die darin enthaltenen Fußnoten zum norwegischen Antisemitismus und antiisraelischer Einseitigkeit überprüft. Zu seiner Überraschung waren alle Zitate korrekt. Der Blog – inzwischen von einer anderen Bloggerin bedient, die unter dem Pseudonym Miranda McGonagal schreibt – ist eine Hauptquelle für Informationen über weit verbreiteten norwegischen Antisemitismus geworden. Dieser wird weithin über Antiisraelismus zum Ausdruck gebracht.

2009 schlug eine Reihe Akademiker dem Verwaltungsrat der NTNU Universität Trondheim einen kulturellen/akademischen Boykott Israels vor. Detaillierte Beschreibungen, wie dieser Kampf gegen diesen Boykott von jüdischen und anderen Organisationen im Ausland geführt wird, sind nur zu Norwegen; Israel und die Juden zu finden. Die norwegischen Medien berichteten wenig und spät über diese Boykott-Aktion, die später vom NTNU-Verwaltungsrat niedergestimmt wurde.

Ein Beispiel dafür, wie die norwegische Presse unliebsame Informationen zum Land verschweigt, gab es im Sommer 2010, als der damalige US-Senator Sam Brownback dem norwegischen Botschafter in Washington einen Brief schickte. Darin gab er seinen Sorgen über norwegischen Antisemitismus und Antiisraelismus Ausdruck. Angehängt war eine detaillierte Beschreibung antisemitischen Handelns durch norwegische Minister, die auch König Harald V. involvierten. Zu dem Brief gab es in den norwegischen Medien fast völliges Schweigen. Man fragt sich allerdings, ob je ein anderer US-Senator geruhte, Norwegen wegen irgendetwas in diesem Land anzusprechen. Der Blog Norway, Israel and the Jews war der erste, der Brownbacks Brief veröffentlichte.

Norwegische Kritiker der von der norwegischen Arbeitspartei dominierten Regierung wurden nach den Massenmorden des kriminellen Anders Breivik im Juni 2011 noch stärker zum Schweigen gebracht. Premierminister Jens Stoltenberg behauptete fälschlich kurz danach, es werde noch mehr Offenheit (sic) und Demokratie in Norwegen geben. Das Gegenteil geschah, wie es der in Norwegen lebende amerikanische Autor Bruce Bawer beschrieben hat. Er veröffentlichte ein Buch mit dem Titel The New Quislings: How the International Left Used the Oslo Massacre to Silence Debate About Islam (Die neuen Quislinge: Wie die internationale Linke das Oslo-Massaker nutzte, um die Diskussion über den Islam zum Schweigen zu bringen).

Ich kann einige meiner eigenen surrealen Erfahrungen mit den norwegischen Medien hinzufügen. Ein Interview, das der Journalist Fredrik Graesvik mit mir führte, wurde im März 2009 vom wichtigen norwegischen kommerziellen Fernsehsender TV2 ausgestrahlt. Er übersetzte das meiste dessen, was ich sagte, korrekt. Graesvik warf jedoch ein, dass ich die Norweger als „Barbaren und nicht intellektuell“ ansähe, weil sie Wale und Seehunde töten. Das war eine starke Verfälschung meiner Worte.

Die Person bei TV2, die dieses verzerrte Interview für die Internetseite des Senders verschriftlichte, malträtierte meine Zitate noch mehr und behauptete fälschlich, ich hätte gesagt, „Norweger seien unintelligent und barbarisch“ und „Norwegen ist das antisemitischste Land in Europa“. Die norwegische Presseagentur NTB verbreitete diese falschen Zitate weiter. Sie wurden von vielen norwegischen Medien und einigen schwedischen Zeitungen aufgegriffen. Das Ergebnis: Ich bin jetzt im Besitz einer maßgeblichen Sammlung an Hassmails von Norwegern. TV2 gab dazu dem britische Holocaust-Leugner David Irving mehr als eine Viertelstunde Sendezeit, um seine Ansichten darzustellen. Der Sender zahlte seine Reisekosten und Spesen für den Trip nach Oslo.

Sidsel Wold, damals Israel-Korrespondentin des staatlichen Radios NRK, übertraf TV2 noch. Sie interviewte mich und behauptete hinterher, sie hätte das Interview versehentlich gelöscht. Statt mich erneut zu interviewen, erfand sie ein falsches Interview. Sie sammelte im Internet einige aufgezeichnete Texte von mir. Danach strahlte sie ein erfundenes Interview mit mir aus, das voller Entstellungen war und kritisierte danach den Text, den sie fälschlich mir zuschrieb. Dafür erhielt sie eine Unredlichkeits-Erwähnung bei HonestReportings Dishonest Reporter-Preis 2010. So wurde Wold eine der seltenen norwegischen Journalisten, die tatsächlich einen internationalen Preis gewannen.

Dr. Manfred Gerstenfeld hat 20 Bücher veröffentlicht, von denen einige Antisemitismus und Antiisraelismus zum Thema haben.

Türkei: Vogel mit Riesenschnabel als israelischer Spion

16. Mai 2012

HonestReporting Media BackSpin, 16. Mai 2012

Wir kennen die Stories von Mossad-Haien in Ägypten und Zionisten-Geiern in Saudi-Arabien. Nun behauptet die Türkei, einen Vogel mit “ungewöhnlich großen Nasenlöchern” gefunden zu haben, der für Israel spioniere.

Yediot Aharonot zufolge entdeckte ein Bauer einen toten Vogel (wahrscheinlich einen Bienenfresser, Abb. [bd]), der auf einem seiner Läufe einen Ring mit der Aufschrift “Israel” trug. Obwohl das Wort allein schon verdächtig genug wäre zog es nicht die Aufmerksamkeit der türkischen Behörden auf sich. Augenscheinlich war es die Tatsache, dass der Vogel einen besonders großen Schnabel hatte.

Berichten zufolge enthielt der Schnabel des Vogels “ungewöhnlich große Nasenlöcher” die – zusammen mit dem Identifikationsring – den Verdacht aufkommen ließen, dass dem Vogel “ein Überwachungsgerät implantiert” worden sei und dass das Tier in der Türkei als Teil einer Spionagemission landete.

Die Überreste des Tieres waren ursprünglich dem türkischen Landwirtschaftsministerium übergeben worden, das sie dann an die Sicherheitsdienste in Ankara weiterleitete.

Was antisemitische Spinnereien betrifft, hat es die Türkei wirklich getroffen…nämlich voll auf die Nase. Hoffentlich wird der Mossad bald damit aufhören, Tiere für seine schmutzige Arbeit abzurichten – oder zumindest die mit typisch jüdischen Eigenschaften.

Israel unter Sperrfeuer: Raketenangriffe auf den Süden

12. März 2012

HonestReporting Media BackSpin, 12. März 2012

Wieder einmal haben eine Million Israelis die letzten 48 Stunden in nahe gelegenen Luftschutzkellern oder ihren geschützten Räumen verbringen müssen. Die meisten Schlagzeilen und Artikel beschäftigten sich jedoch mit israelischen Luftangriffen auf Terrorzellen in Gaza, die zum Tod von mehr als einem Dutzend Palästinensern geführt hatten. Aber wie steht es mit den verheerenden Auswirkungen von rund 130 Raketen auf israelische Städte und Gemeinden bislang?

Die Times of London schreibt über abgefeuerten Raketen auf “israelische Grenzstädte”, und die Financial Times titelt mit “Gewalteskalation an Gazas Grenze”. Ashkelon (113.000 Einwohner), Ashdod (206.000 Einwohner) und Beerscheba (194.000 Einwohner) sind aber alles andere als “Grenzstädte”.

Abgesehen davon haben die von den Terroristen in Gaza abgefeuerten Waffen sehr wenig mit “handgefertigten“ Raketen zu tun.

Falls erforderlich, bitte auf die Abbildung klicken!


Hier einige der neuesten Informationen (Dank an die IDF-Pressestelle):

In den letzten beiden Tagen wurden aus dem Gazastreifen mehr als 130 Raketen in die Ballungszentren im Süden Israels abgefeuert.

• Am Freitag, den 9. März, wurden vier Menschen verletzt, einer davon schwer. Am 10. März wurde ein Pferd getötet und ein Haus nahe Ashdod durch einen direkten Raketentreffer schwer beschädigt.

• Wegen der anhaltenden Raketenangriffe sind am Sonntag, den 11. März, in vielen Städten und Gemeinden im Süden Israels die Schulen geschlossen worden.

• Zu den Angriffszielen zählten Ashdod, Beersheba, Yavne, Netivot und Ashkelon sowie die Areale von Eshkol und Shaar Hanegev.

• Das Iron Dome-System [Abwehrsystem gegen Kurzstreckenraketen; (bd)*] fing etwa 90% der auf Beersheba, Ashdod und Ashkelon abgefeuerten Raketen ab.

• Die Terror-Einheiten verschießen ihre Raketen aus dicht besiedelten Gebieten im Gazastreifen, darunter Bet Lahiya, Jabaliya, Rafah, Gaza und El-Bureij.

Trotz des Raketensperrfeuers bleibt der Grenzübergang Erez nach Gaza für Passagiere und Mitarbeiter internationaler Organisationen offen. Kerem Shalom ebenso für die Lieferung von 200 Lkw-Ladungen aus Israel in den Gazastreifen.

Bleiben Sie wachsam, wenn es um folgende Themen in Ihren lokalen Medien geht:

Moralische Gleichsetzung: Unterscheiden die Medien zwischen gezielten israelischen Schlägen gegen Terroristen – im Gegensatz zu  wahllos-absichtlichen palästinensischen Raketenangriffen auf israelische Zivilisten?

“Gewaltspirale”: Trotz dieser oft verwendeten Umschreibung [plumper Euphemismus der antizionistischen Medien (bd)] handelt es sich hier nicht um eine „Gewaltspirale“, die auf beiden Seiten gleiche Verantwortung und Absicht unterstellen könnte. In diesem Fall nahm Israel – wie in den vorausgegangenen Konflikten auch – sein Recht auf präventive Selbstverteidigung wahr, indem es gegen eine Terrorgruppe vorging, die einen kombinierten Terroranschlag plante, der über den Sinai durchgeführt worden war.

Chronologische Umkehrung: Wo beginnen Ihre Zeitung/Ihre Medien mit der Berichterstattung? Mit dem Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen oder der israelischen Reaktion darauf? Falls der Fokus auf israelische Luftangriffe gelegt wird, verzerrt das dann  nicht die Perspektive, wenn Israel als Aggressor dargestellt wird?

“Unverhältnismäßige Reaktion”: Wird Israel bezichtigt, auf palästinensische Terrorangriffe überreagierend zu antworten? Wenn Sie mehr zum Thema wissen wollen, dann klicken Sie bitte unten [Am besten auf die Steuerungstasten im Menü (bd)]:

Israel gegen Vorwürfe exzessiver Gewalt verteidigen


Weitere Präsentationen zum Thema von HonestReporting

Wenn Ihre lokalen Medien über die aktuellen Ereignisse berichten, nehmen Sie sich die erforderliche Zeit dafür, in E-Mails und Leserbriefen deutlich klar zu stellen, wer für den Gewaltausbruch verantwortlich ist – mit direktem Bezug auf die Terroristen, die Anschläge auf israelische Zivilisten planen und Raketen auf sie abfeuern. Überzeugen Sie Ihre Medien davon, dass diese auch um das Leiden von einer Million Israelis [Bescheid] wissen, die von diesem neuesten Raketenhagel betroffen sind.

Für neueste Meldungen zur ständig wechselnden Sachlage vor Ort informieren Sie sich bitte bei HonestReporting über Facebook, Twitter und unseren Backspin-Blog.

Die deutsche Ausgabe wie immer hier, falls man die englischsprachige Ausgabe nicht lesen kann: http://backsp.wordpress.com/

—-
*Mehr zu Iron Dome hier [In Englisch]

Medien-Spickzettel 13.11.11

14. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 14. November 2011

Alles, was Sie zur Berichterstattung über Israel und den Nahen Osten wissen sollten.

Wird Israel die USA vorab über einen möglichen Angriff auf den Iran informieren? Und warum hat eine Karikatur in Haaretz bei UNESCO-Offiziellen Besorgnis wegen Aufhetzung ausgelöst?

Zur Gefahr des iranischen Nuklearprogramms

• Der Daily Telegraph zufolge weigert sich Israel, bei den USA um grünes Licht zu ersuchen bzw. das Weiße Haus rechtzeitig bezüglich eines Angriffes auf den Iran zu informieren. Es scheint so auszusehen, dass das Treffen von Verteidigungsminister Leon Panetta mit Benjamin Netanyahu und Ehud Barak nicht verlief wie erhofft:

Als alle bis auf eine Handvoll vertrauenswürdiger Mitarbeiter den Raum verlassen hatten, teilte Panetta eine dringende Botschaft von Barack Obama mit. Der Präsident, so Panetta, wollte eine unanzweifelbare Garantie dafür, dass Israel keinen einseitigen militärischen Schlag gegen die iranischen Atomanlagen durchführen würde, ohne vorher um Washingtons Freigabe zu ersuchen.

 Quellen in Israel und den Vereinigten Staaten zufolge waren die beiden Israelis waren bemerkenswert unverbindlich in ihrer Antwort.

 “Sie hatten nicht zu erkennen gegeben, dass eine Militäraktion geplant war oder unmittelbar bevorstand, auch gaben sie weder eine Zusicherung, dass Israel zunächst Washingtons Erlaubnis einholen würden, noch das Weiße Haus im Voraus davon in Kenntnis zu setzen, dass eine Mission bevorstehe”, sagte einer.

Unterdessen will Kanadas Verteidigungsminister Peter MacKay mit seinen israelischen Kollegen im Gespräch bleiben….

• Mysteriöse Explosion tötet 17 iranische Soldaten, darunter einen hochrangigen Kommandeur der Revolutionären Garden. Die Revolutionären Garden gaben an, dass es sich bei der Explosion um einen Unfall in einem Waffenlager gehandelt habe, aber Widerstandsgruppen sagen, dass auf dem Areal eine Raketenbasis gestanden habe.

• Karikaturist Kevin Kallagher (Economist) gefällt mir:

Doch der Leitartikel im Economist zeigt eine erstaunliche kognitive Dissonanz: noch ist es nicht zu spät, Hoffnung auf internationale Sanktionen zu setzen – aber wenn das nicht funktioniert, sollte Israel darauf vertrauen, dass die USA den Iran abschrecken:

Weitere Beiträge bitte hier lesen. [In Englisch]

Leseempfehlungen, 28. September 2011

28. September 2011

HonestReporting Media BackSpin, 28. September 2011

Was lesen Sie, bevor Ihr Arbeitstag beginnt?

Abbas schlägt wild um sich – Trotz Belobigungen hat Mahmoud Abbas einen härteren Monat als die Red Sox.

Bleibt (ist) die ‘Palästinensische Frage’ immer noch eine palästinensische? – Ein verärgerter palästinensischer Unterstützer sieht es richtig, wenn er vom “Palästinensischem Frühling” spricht.

Ostjerusalemer Palästinenser gehen davon aus, dass der UN-Vorstoß sie nicht tangiere; viele von ihnen bevorzugen die israelische Staatsbürgerschaft – Die palästinensische Autonomiebehörde [PA] fordert, dass Jerusalem die Hauptstadt eines palästinensischen Staates werden müsse – gegen die Auffassung eines überwiegenden Teils der palästinensischen Einwohner.

Al Jazeera-Journalist gibt zu, dass er für die Hamas gearbeitet hatte – Samer Allawi sagte gegenüber israelischen Sicherheitskräften aus, dass er versuchte, seine Arbeit zugunsten der Hamas einzusetzen.

TIME interviewt den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan – Erdogan sagt, dass UN-Sanktionen gegenüber Israel einen Friedensprozess vorangebracht hätten.

Berichterstatter in Gaza sind auf „Sponsoren angewiesen, die von der Hamas akzeptiert werden – keine einfache Lösung für einen schwedischen Journalisten, dem eine Einreise nach Gaza verwehrt worden war, nachdem sein Fixer von der Hamas kein Einreisevisum bekommen hatte.

(Bild via Flickr/inju)

Türkische Luftschläge: Wo bleibt die Empörung?

24. August 2011

HonestReporting Media BackSpin, 24. August 2011

Nahezu versteckt im Nachrichtenteil weniger Medien, darunter dem Independent, kann man diese Geschichte lesen:

Und nun stellen Sie sich vor, Israel hätte das Territorium eines souveränen Staates überflogen [wie in diesem Fall das des Irak (bd)] und dort 100 Menschen getötet, darunter etliche Zivilisten.

Groß aufmachende Titelseiten, Empörung allerseits, Forderung nach einer UN-Kommission á la Goldstone wären die Folge gewesen. Na, Sie wissen schon.

Aber dann wird Israel an anderen Standards gemessen als der Rest der Welt.

Richard Sudan geifert wegen Salah

16. Juli 2011

HonestReporting Media BackSpin, 16. Juli 2011

Für manche Menschen ist die Wahrheit  einfach schwer zu ertragen. Dass Sheikh Raed Salah (Abb. rechts) ein besonders widerlicher Antisemit sein ist, von dem die britische Regierung nicht wollte, dass er in ihrem Land Hasspredigten hält, scheint als Begründung zu simpel.

In seinem Beitrag auf der Independent-Webseite sieht Richard Sudan noch viel bösere Mächte am Werk:

Die unrechtmäßige Inhaftierung und die Art und Weise des versuchten Mordes an Sheikh Raed Salah ist symptomatisch für die pro-zionistische Haltung der Regierung.

Und wer ist der Drahtzieher hinter der Regierung für die “Verfolgung” und Inhaftierung eines “unschuldigen Mannes”?

Diese Episode hat eine politische Aussage: sie selbst ist das Ergebnis politischen Drucks seitens der Israel-Lobby.

Geschenkt. Die Tatsache, dass Salah es überhaupt schaffte, trotz Einreiseverbots ins Land zu kommen und der Verhaftung für einige weitere Tage zu entgehen, wirft etliche Fragen auf, vor allem die Zuständigkeit der jeweiligen Behörden betreffend, die an der Durchsetzung des Verbots scheiterten.

Die britische Regierung hat das Recht, jeden an der Einreise zu hindern, der als “nicht förderlich für das Wohl der Allgemeinheit” angesehen wird. Salahs Liste extremistischer Äußerungen und Hetze fiel deutlich innerhalb des Rahmens dieser Kategorien und gab dem Innenminister guten Grund, ihn auszuweisen.

Aber Richard Sudan sieht offenbar die unsichtbare Hand der “Israel-Lobby” am Werk. Vielleicht sollte Sudan stattdessen über Folgendes nachdenken:

• Die Tatsache, dass Salah sich derzeit wegen einer antisemitischen Rede, in der er behauptete, Juden äßen Matzen, in die das Blut nicht-jüdischer Kinder eingebacken wäre, vor israelischen Gerichten verantworten müsste.
• Seine Verurteilung wegen materieller Unterstützung der Hamas.
• Seine verdammenden Stellungnahmen zu Homosexuellen.

Sorry Sudan, aber nicht alles ist eine zionistische Verschwörung, die angeblich die Stimmen von Unterstützern der Palästinenser zum Schweigen bringt. Dass die Independent sich bereit erklärt, so etwas zu veröffentlichen, sagt viel über den Zustand einiger britischer Medien aus, die es vorziehen, Extremismus-Apologeten eine Plattform zu geben statt sich mit den wirklichen Problemen zu beschäftigen.

Israel-Bashing-Medienzirkus im Anflug auf Tel Aviv

4. Juli 2011

HonestReporting Media BackSpin, 4. Juli 2011

Da sich die Gaza-Flottille bislang als absaufende Enttäuschung erweist, preschen palästinensische Aktivisten mit Plänen nach vorn, sich auf dem Flughafen Ben Gurion zu einem Medienspektakel zu versammeln.

Dr. Paul Larudee erklärt den Modus Operandi:

Am 8. Juli werden sich Aktivisten und palästinensische Flüchtlinge mit ausländischen Pässen, die keine Visa für Israel benötigen, auf Israels International Airport treffen – darunter Teilnehmer aus den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Südafrika.

Hauptthema: Hervorhebung des “Rechts” auf Rückkehr.

Larudees Veranstaltung – eingeleitet mit dem Song Baby come back [The Equals; bd] ist imposant geplant: Tagesausflügler werden vor dem Einchecken befragt; die Interviews werden wiederum an die Medien weitergegeben, wenn die Ausflügler an einem Flughafen landen, an dem es zweifellos nur so von Polizisten, Menschenrechtsanwälten und Journalisten wimmelt werden wird, dazu von nichts ahnenden Reisenden, die den falschen Tag für ihre Buchung gewählt haben.

Malam wirft ein Licht auf die anderen Gruppen, die an der Aktion beteiligt sind – und für ihre eigenen Zwecke nutzen:

Die diversen Gruppen und Netzwerke betrachten die Zurschaustellung als Alternative und Gegengewicht zur Flottille, die derzeit organisiert wird, deren Ziel (“Aufhebung der Belagerung des Gazastreifens”) sie als “zu eng gefasst”  betrachten; (ihr Ziel ist “die Aufhebung der Belagerung von ganz Palästina“)….

Unserer Einschätzung nach sind die geplanten Propagandaveranstaltungen auf dem Ben-Gurion-Airport auch ein Ergebnis der internen  Konkurrenz zwischen den Organisationen und Aktivisten, die an der Delegitimierungskampagne gegen Israel teilnehmen. Einige der Organisationen betrachten es als Gelegenheit, ins Rampenlicht der internationalen Medien zu rücken, indem sie eine neue Initiative anstoßen, die Israel in Verlegenheit bringen und [damit] das Flottillen-Projekt überlagern soll.

Nur in Israel könnten internationale Demonstranten eine Show wie diese abziehen. Stellen Sie sich einmal vor, pro-demokratische Aktivisten würden das am International Airport Damaskus versuchen.

Was mich stutzig macht

3. Juli 2011

HonestReporting Media BackSpin, 3. Juli 2011

• Diese griechischen Marinesoldaten, die die Audacity of Hope am illegalen Auslaufen vom Hafen gehindert hatten, tragen in den Händen etwas, was nicht gerade nach Paintball-Gewehren aussieht.

• Wenn Sie zwischen den Zeilen lesen, sagt dieser PA-Sprecher, dass Abbas keine Ahnung hat.

Abbas spricht sich für Verhandlungen aus. Ghassan Khatib, Sprecher der Palästinensischen Autonomiebehörde, sagte der Irish Times, dass er sich dem UN-Aufruf im September verpflichtet fühle, aber nicht sicher sei, wie man vorgehen solle oder ob es etwas nützt.

• Libysche Rebellen und westliche Medien: Ende der Romanze?

• (ausgerechnet! [bd]) Robert Fisk stellt zur Hisbollah die 1-Million-Dollar-Frage:

Wie lässt sich ein Land regieren, wenn eine seiner wichtigsten Kabinettfraktionen den Vater des Mannes ermordet hatte, der die vorherige Regierung geführte hatte, Ex-Ministerpräsident Saad Hariri?

•Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus: das iranische Staatsfernsehen zensiert Teile von Ahmadinejads Rede.

HonestReporting-Kommentar (Flottille): Medien überschreiten rote Linie

23. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 23. Juni 2011

Dieser Kommentar von HR-Chefredakteur Simon Plosker wurde zuerst am 22. Juni bei YNet News veröffentlicht. (Übersetzung: BD)

“Wir befinden uns in einer Schlacht, und mehr als die Hälfte dieses Kampfes findet auf dem Schlachtfeld der Medien statt.” So formulierte es der neue Al-Qaida-Führer Ayman al-Zawahiri im November 2005. Aber was passiert, wenn die Medien versuchen, das reale Schlachtfeld zu beschreiben und aktive Teilnehmer in der Geschichte werden?

Wir sollten alle sehr über die Ankündigung besorgt sein, dass sich unter denen, die an der bevorstehenden Flottille nach Gaza teilnehmen, Journalisten der Mainstream-Medien befinden, darunter von New York Times, auch Kamerateams von CNN und CBS.

Dies ist ein deutliches Beispiel für die symbiotische Beziehung zwischen den Medien und anti-israelischen Agitatoren wie jenen, die die Flottille organisieren. Schließlich waren es nicht so sehr die gewaltsamen Aktionen der Passagiere an Bord der Mavi Marmara, die Israel so viel Schaden zugefügt hatten – es waren die diplomatischen und öffentlichkeitswirksamen Fallouts nach einem Vorfall, der die internationale Presse noch Tage danach beschäftigte.

Das “Martyrium” von neun türkischen Passagieren wurde für die IHH-Organisation und deren Kohorten zum PR-Erfolg. Offensichtlich besteht der einzige Grund für die Medien, an Bord zu gehen, in der Erwartung darauf, von einer Wiederholung der Story berichten zu können. Gleichermaßen zählen die Flottillen-Organisatoren auf die Medien, um eine Geschichte zu bekommen, deren Handlung bereits geschrieben worden ist, nämlich die über eine Handvoll beherzter “Friedensaktivisten” beim Versuch, eine brutale und illegale Seeblockade gegen die armen Palästinenser in ihren Freiluftgefängnis zu durchbrechen.

Stellen Sie sich vor, die israelische Marine enterte ein Schiff nach dem anderen und zwänge die Flottille ohne Zwischenfälle, zur Inspektion einen israelischen Hafen anzulaufen. Dies bedeutete das ultimative Scheitern sowohl auf Seiten der Organisatoren, die einen großen Zwischenfall herbeiführen wollen als auch für die an Bord anwesenden Medien, die in den größten Tagesmeldungen live dabei sein wollen.

“Nützliche Idioten”

Nachdem wir also festgestellt haben, dass Flottillenteilnehmer und begleitende Medien einander benötigen, können wir dann wirklich bei New York Times, CNN und CBS sowie anderen “embedded” Journalisten davon ausgehen, dass sie selbst dann objektiv über die Geschichte berichten werden, wenn sie sich als weniger dramatisch erweisen sollte als sie sich erhoffen?

Oder wird die bloße Anwesenheit der Medien für die “Aktivisten” als Einladung zu Konfrontation und potentieller Gewaltanwendung und Spielchen für die Kameras dienen? Und was ist mit den Journalisten selbst? Während im Laufe der Jahre einige Reporter versehentlich von der IDF getötet oder verletzt worden waren, können wir [diesmal] nicht erwarten, dass die Soldaten eine Kriegszone betreten, wie es bei der Mavi Marmara der Fall war und die zusätzliche Herausforderung meistern, die Medienleute rauszuhalten, die sich absichtlich ins Kreuzfeuer begeben. Dabei wird nicht nur das Leben der Journalisten aufs Spiel gesetzt, sondern auch das der israelischen Soldaten.

Während der Operation Gegossenes Blei hatte die israelische Regierung für Journalisten den Zugang zum Gazastreifen gesperrt – ausdrücklich zu deren Schutz, und um den IDF-Soldaten zu ersparen, dass auf dem Schlachtfeld ein weiterer Faktor hinzukäme, den sie nicht kontrollieren konnten. Es gab damals ein triftiges Argument, dass dies gegen die Interessen Israels gearbeitet habe.

Die Medien, die auf einem Hügel mit Ausblick auf Gaza Position bezogen hatten, waren sehr aufgebracht und nachtragend, während die Bilder aus Gaza selbst von Al-Jazeera und anderen mehr als unzuverlässigen Quellen verbreitet wurden.

Israel wäre gut beraten, die Journalisten an Bord der Flotte daran zu erinnern, dass sie aktive Teilnehmer am illegalen Versuch wären, eine nach internationalem Recht zulässige Seeblockade zu durchbrechen.

Wir können nur hoffen, dass die Mainstream-Medien sich nicht von den Ideologen und “nützlichen Idioten” beeinflussen lassen, die die verschiedenen Gruppen an Bord stellen und deren Denken eher vom Hass auf Israel als von der Hingabe für universelle Menschenrechte bestimmt ist. Wir müssen uns darauf verlassen, dass die Professionalität der Journalisten bei der Realität ansetzt – frei von den Vorurteilen, die die Berichterstattung über Israel sonst kennzeichnen.

Aufgrund früherer Erfahrungen sollten wir jedoch nicht zu hohe Erwartungen hegen. Dieser Zug ist abgefahren. Wird Israel an seiner Devise bezüglich der Flottille festhalten, in einem Meer negativer Berichterstattung untergehen oder wird es ein Fischfang in ruhigen Gewässern?

Die Flottille ist ausgelaufen. Man kann sich wieder auf etwas gefasst machen.

Lebe wohl, Ron, du wirst vermisst werden

2. Juni 2011

Simon Plosker, HonestReporting Media Backspin, 2. Juni 2011

Es geschieht dieser Tage nicht oft, dass der israelische diplomatische Dienst echte Helden hervorbringt. Doch Ron Prosor, Israels Botschafter im Vereinigten Königreich (Großbritannien) ist ein solcher. Die letzten vier Jahre lang hat er einen der schwierigsten Jobs geleistet, den man sich vorstellen kann – in einer Brutstätte antiisraelischer Aktivitäten für Israel zu werben und es zu verteidigen – und marschierte vorneweg.

Botschafter Prosor ist unermüdlich zu Universitäten, Rathäusern und überall sonst hin gefahren, wo er die Gelegenheit bekam, für Israels Sache einzutreten; dabei trat er oft feindseligem Publikum mit seinem natürlichen Charm und Sachkenntnis entgegen und entwaffnete es.

Er war auch in den Medien erfolgreich, darunter dem Daily Telegraph von heute, in dem er so etwas wie eine Verabschiedung aus dem Königreich schrieb, bevor er seinen nächsten Posten als Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen antritt. Lebe wohl, Ron, du wirst vermisst werden.

Hier ist ein Auszug aus seiner letzten Stellungnahme aus dem Daily Telegraph:

Nach vier Jahren als Botschafter Israels im Vereinigten Königreich gehe ich nun, um mein Land bei der UNO zu vertreten. Ich habe daher Anlass für eine Art Inventur. Ich bewundere Britannien. Unsere Nationen bleiben durch gemeinsame Werte und Interessen vereint. Wir sind Mitglieder eines Eliteclubs an Ländern, deren Flaggen regelmäßig in Diktaturen des Nahen Ostens verbrannt werden. Ich bin stolz ein Land zu repräsentieren, das, wie dieses, auf demokratischen Werten, Toleranz und freier Meinungsäußerung gründet.

Das Regime in der Islamischen Republik Iran spricht schon lange vom „Großen Satan“ Amerika und dem „kleinen Satan“ Israel. Doch zu den gehässigen Tiraden des Mahmud Ahmadinedschad, des iranischen Präsidenten, gehören regelmäßige Erwähnungen des „kriminellen Britannien“, ein Beweis, dass Sie irgendetwas richtig machen müssen.

Vorwürfe, die einem westlichem Publikum bizarr grotesk erscheinen, beherrschen herausragende Positionen im gesamten Nahen Osten. Als ein Hai im Touristenort Sharm el-Scheik am Roten Meer eine Touristin angriff, legte der ägyptische Gouverneur nahe, der Mossad habe Haie benutzt, um dem ägyptischen Tourismus zu schaden. Als Wissenschaftler der Universität Tel Aviv eine Schar Geier markierten, um ihre Flugmuster zu beobachten, verhaftete die saudische Polizei den Wandervogel als israelischen Spion. Wir fürchten, dass der Vogel in diesem Verhör gesungen hat. Ein britischer Kommentator frage sich, ob der echte Kopf des Mossad in Wirklichkeit Dr. Dolittle war.

Lesen Sie den Rest hier.

Itamar-Massaker: Die Blogger haben’s erfasst – die Mainstream-Medien nicht

14. März 2011

HonestReporting Media BackSpin, 14. März 2011

Eine relativ überschaubare Gruppe Blogger ordnet das Itamar-Massaker besser ein als Legionen ausländischer Pressekorps, die aus Israel berichten. Das beste Stück, das ich über die grausigen Morden gelesen habe, stammt von Claire Berlinski – sehr menschlich und intelligent geschrieben:

Ich möchte gleich darauf hinweisen, dass dies sicher nicht irgendeine Familie unter den “Siedlern” war – einer seltenen Spezies, die nur als politische Verhandlungsmasse existierte -, sondern aus Menschen bestand. In der Wohnung nebenan, in der eingebrochen worden war, hing Kinderbekleidung auf der Leine neben einem Kinderfahrrad. Man kann sich das nicht einfach ansehen und dabei denken: “In dieser Geschichte geht es nur um Land und Politik.” In dieser Geschichte geht es allein um Mord. Sie waren Kinder, und sie wurden umgebracht. Zwei weitere Kinder wurden zu Waisen. Die Kinder wurden vorsätzlich ermordet. Hier handelte es sich um geplanten Mord, kein Verbrechen aus dem Affekt, und es war eine raserisch-psychotisches Morden.

Jeder, der in irgendeiner Weise versucht, dies vernunftmäßig zu begründen bzw. zu diminuieren oder sogar unterschwellig zu argumentieren, es handle sich um eine angemessene Bestrafung für irgendetwas, sollte sich ein drei Monate altes Baby ansehen und sich die Frage stellen, was einen dazu bringt, einen Zaun zu übersteigen, in ein Fenster einzusteigen und diesem Kind die Kehle durchzuschneiden. Wenn diese Tat dann für ihn eine „verständliche“ Reaktion auf politische Missstände sein sollte, glaube ich nicht, dass man darüber groß diskutieren muss.

Leider betrachten die Mainstream-Medien (MSM) die Fogels lediglich als “Siedler”, Dieses „S“-Wort dominiert eine Headline nach der anderen, während die BBC politisches Taktieren höher gewichtet als Mord (Auch Sky News verschob völlig die Prioritäten). Die Fogels waren eine Familie!

Weitere positiv heraus zu hebende Blogger (neben vielen deutschen natürlich!): Act for Israel, Chuck DeVore, Tim Mak und Judith Levy. Mehr über ihren Besuch in Itamar bei YNet News.

Arabischer Aufstand drängt palästinensische Intelligenzija in die Defensive

28. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 28. Februar 2011

Meine Antennen stellten sich auf, als ich heute Morgen Dr. Ahmed Tibis Versuch einer Schadensbegrenzung wahrnahm. Wie bekannt ist, weilte Tibi letztes Jahr zu Besuch in Libyen. Eine Delegation arabisch-israelischer Führer war von Oberst Gaddafi auf Staatskosten eingeladen worden.

Dieser Tage sind lateinamerikanische Autokraten die Einzigen, die Gaddafi für cool halten; Und Tibi weiß, dass es Erklärungsbedarf gibt. Er erzählte Haaretz:

“Ich gebe zu, dass die Verbindung zur arabischen Welt auch nichtdemokratische Regime einschließt. Es gibt jedoch einen Unterschied, ob ich Regime besuche und ihnen gegenüber loyal bin oder ob ich mich diesem oder jenem Regime gegenüber kriecherisch verhalte. Ich sage klar und eindeutig, dass ein Besuch weder Ausdruck der Unterstützung für Gaddafi noch für die Politik Libyens ist – und so haben wir es dort angesprochen. Zum Beispiel habe ich persönlich Kritik an der Rückständigkeit in der Welt als Folge bestimmter Regimes geübt, und an der Tatsache, dass den Bürgern keine Rechte gewährt werden.”

Ach so.

Das passt nicht zur vernichtenden Kritik an der wehleidigen Gruppe um Tibi. Der angesehene drusische Lyriker Salman Mashala schrieb:

Aber Wunder über Wunder, plötzlich kamen sie alle zusammen, um eilends die Gastfreundschaft keines anderen als Muammar al-Gaddafi zu genießen, des Mannes, der mehr als sonst jemand die hässliche Seite der arabischen Regimes verkörpert – die Stammesherrschaft. Dieses launische und unberechenbare Individuum kann in einem Atemzug dies und im anderen genau das Gegenteil sagen, und niemand wird es wagen, ihn um Erklärung zu bitten, aus Angst, dass es die letzte Frage sein könnte, die er gestellt hat.

Nach einem von ihrem Gastgeber aufgetischten Mahl kamen die kriecherischen Reden, die all jene müden alten Parolen der Superlative beinhalten, die Despoten niedrigster Provinzialität gerne über sich hören wollen….

Es muss laut und deutlich gesagt werden: solche Reisen arabischer Repräsentanten zu arabischen Despoten, um vor ihnen einen Kota zu machen, sind nicht nur eine Beleidigung für die Intelligenz, sie schaden auch dem gerechten Kampf der arabischen Minderheit im Land [in Israel]. Allein schon dadurch, dass sie sich an solche Orte begeben und überhaupt sagen, was sie sagen, verstärken sie die Ablehnung im Mainstream der israelischen Gesellschaft – die Ablehnung, gegen die sie jahrelang einen gerechten Kampf geführt haben. Indem sie der Versuchung einer Einladung durch arabische Diktatoren, wer immer diese auch sind, nicht widerstehen, werden sie zu Handlangern dieser Diktatoren.

Womit wir bei Edward Said* sind. Was hätte der verstorbene palästinensische Denker über die Aufstände in der arabischen Welt gesagt?

Es stellt sich heraus, dass Said nichts über eine arabische Demokratie gesagt hat. Null. Dazu David Burchell:

Said selbst hatte sich perfekt an die Erfordernisse unserer Zeit angepasst: Obwohl er sein ganzes Erwachsenenleben in Manhattan verbracht hatte, erweckte er den Anschein, die authentische Stimme der arabischen Opferrolle einer Intelligenzija anzubieten, die danach verlangt, alles, für das ihre eigenen Länder standen, als einen Akt geistiger Selbstreinigung abzulehnen….

Saids Gefolgsleute sind wahrscheinlich weniger vertraut mit den Artikeln, die er über viele Jahre hinweg für die staatlich gelenkte ägyptische Presse geschrieben hatte – Artikel, frei von jeglicher Kritik an existierenden arabischen Regierungen, (schon gar nicht an der von Mubarak), dabei alle Probleme der arabischen Welt auf Aktionen der  beiden Bösewichte USA und Israel reduzierend. Sie werden sicher nicht überrascht sein zu hören, dass Said absolut nichts über Libyens absurden Mussolini-Nachahmer Gaddafi zu sagen hatte, außer dass er die USA mit Dreck bewarf, wenn sie auf diverse terroristische Provokationen reagierte.

Burchells Fazit:

Was offensichtlich scheint bei den jungen Libyern in den Straßen von Tobruk, Bengasi und Tripolis – wie bei den jungen Iranern und Ägyptern, und möglicherweise auch vielen Syrern und Saudis, ist, dass sie nichts mehr mit jenen elenden selbstsüchtigen Phantasien über arabische Opferrollen-Mentalität und zionistische Hexerei zu tun haben wollen**. Stattdessen wollen sie einfach nur leben – so, wie Said das Glück hatte, in einem „normalen“ Land zu leben, dessen Menschen mit Würde behandelt und deren Meinungen respektiert werden.

Der arabische Aufstand zerstört viele lang gehegte Vorstellungen über eine zentrale Rolle des israelisch-palästinensischen Konflikts für die regionale Stabilität und die arabische Würde. Das wirft eine Menge unangenehme Fragen für die palästinensischen Intellektuellen und all’ diejenigen auf, die sich auch an einer Delegitimierung Israels beteiligen.

Und das alles gerade jetzt, wo wir uns mitten in der höchst interessanten Israel-Apartheid-Woche (hier in der Schweiz) befinden. Allgemeine Info zur IAW aus dem Jahr 2010 bei Hagalil.

——————
*Keine Überraschung: Said war eng mit Daniel Barenboim befreundet. Er gründete mit ihm das West-Eastern Divan Orchestra.

**Da ist Burchell für meinen Geschmack doch sehr optimistisch, weil bisher viel zu wenig Zeit für eine Beurteilung vergangen ist. Wir wissen aber, dass sich die muslimischen Gruppierungen [noch] relativ bedeckt halten. Das war 1979 im Iran ähnlich. Da schlug man auch erst nach 6 Monaten zu, nachdem sich alle anderen Gruppen zerstritten hatten.

Leseempfehlungen heute

28. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 28. Februar 2011

Michael Coren wundert sich über das ohrenbetäubende Schweigen der BDS-Bewegung angesichts Gaddafis barbarischer Schlächterei. Wo bleibt die Empörung?

Wo bleiben die massiven Proteste in den großen Städten Europas? Wo bleiben die Boykottaufrufe? Wo sind die Gewerkschaften, die Maßnahmen fordern? Wo sind die Studentengruppen, die mit Worten wie “Apartheid” und “Nazi” auf die Straße gehen? Wo bleiben die moralischen Verurteilungen in den Leitartikeln zu arabischer Intoleranz, islamischer Barbarei und der Notwendigkeit, arabische Länder von internationalen sportlichen, kulturellen und literarischen Veranstaltungen auszuschließen?

All das wird Israel gegenüber formuliert, ob es in einen Konflikt verwickelt ist oder nicht. Wenn es auf die Tötung seiner Kinder reagiert, wird es als Terrorstaat bezeichnet, und wenn es seinem Volk erlaubt, auf Land zu siedeln, das historisch gesehen seit Urzeiten jüdisch ist, wird das Judentum als altertümlich abgetan. Pensionierten israelischen Generälen, die nach London oder Madrid reisen, um Geld für behinderte Kinder zu sammeln, wird gedroht, dass sie sofort nach Eintreffen verhaftet werden könnten. Israelische Sportler bekommen Todesdrohungen, wenn sie es wagen, zusammen mit “zivilisierten” Rivalen zum Wettkampf zu erscheinen.

• Während uns der libyschen Volkssaufstand in seinen Bann zieht, winkt AP nicht nur mit einer, sondern gleich mit zwei roten Fahnen aus Hamastan:

Gazas islamistische Führe jagen Säkulare

Gaza: Bombenanschlag auf Fahrzeug eines Christen

Robin Shepherd weist darauf hin, dass die Abstimmung des Sicherheitsrats zu den Siedlungen tatsächlich Einfluss auf das Völkerrecht haben kann:

Für diejenigen, die den Sicherheitsrat als oberste legislative Bühne zur Formulierung des Völkerrechts betrachten, stellt sich die Frage, ob die israelischen Siedlungen nun als “illegal” bezeichnet werden können [….]

Dies würde nahelegen, dass die Vereinten Nationen unfähig sind, in dieser Angelegenheit zu einem klaren Ergebnis zu kommen und dass sie es in ein legales Niemandsland verschöben.

Danny Ayalon begräbt mit dem Begriff “Verknüpfung” die Vorstellung, der arabische Zorn stehe in irgendeinem Zusammenhang mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt, und er [Ayalon] macht diese Haltung dafür verantwortlich, dass die Welt zu lange über Missbräuche in der arabischen Welt hinweggesehen hat:

Darüber hinaus hat das Verknüpfungsargument eine Missachtung der Verantwortung für alles erlaubt, was außerhalb weniger Quadratkilometer Israels passiert, einer Fläche, die weniger als sieben Hundertstel der arabischen Welt umfasst. Selbst der Terminus “Nahost-Konflikt” ist insofern unzulässig, weil er die Einzigartigkeit und Einmaligkeit unseres Konflikts betont, eines der wohl weniger blutigen und zerstörerischen in einer Region, die Dutzende Konflikte in der jüngeren Vergangenheit und jetzt gesehen hat.

In Wirklichkeit wurden seit Mitte des vorigen Jahrhunderts nahezu 11 Millionen Muslime im Kampf gegeneinander getötet, als der Staat Israel gegründet wurde. Weniger als 0,1 Prozent der Muslime wurden bei israelisch-palästinensischen oder israelisch-arabischen Konflikten getötet. Jedoch wurden während des gleichen Zeitraums mehr als 90 Prozent aller Muslime wurden von ihren Glaubensbrüdern umgebracht .

• Walt und Mearsheimer knirschen ob dieser Umfrage wahrscheinlich mit den Zähnen (via Israel Matzav:

Die meisten Amerikaner befürworten Beendigung der US-Hilfe für Nahost, Israel ausgenommen

Leseempfehlungen, 23. August 2010

23. August 2010

HonestReporting Media BackSpin, 22. August 2010

Was Israelis und Palästinenser dazu brachte, direkten Gesprächen zuzustimmen.
Washington und die EU sprachen unterschiedliche Einladungen aus – basierend auf unterschiedlichen Richtlinien. Nun hoffen sie, das alles gut geht.

In Gaza ist es nicht leicht, grün zu sein
“Die Hamas unterdrückt Initiativen, die der Botschaft widersprechen könnten, dass die Palästinenser wegen einer israelischen Blockade leiden würden.”

Griechenland umwirbt Israel nach dessen Fallout mit der Türkei
Wie füreinander bestimmt: Griechenland braucht Geld, Israel braucht Freunde.

Britische Juden üben scharfe Kritik an Lesereise eines Haaretz-Kolumnisten
Promotet Gideon Levy sein neues Buch über die Scottish Palestinian Solidarity Campaign?

Gaza-Einkaufszentrum will Entschlossenheit demonstrieren
Die Blogger sprachen sich für und gegen Ethan Bronners neuesten Beitrag aus. Solider Journalismus, mehr nicht.

Implikationen bei IDF-Rückzug aus der West Bank
Oberst Richard Kemp mit wichtigen Fragen zu möglichen NATO-Friedenstruppen in der West Bank.

Irgendetwas stimmt in dieser Welt nicht mehr

22. August 2010

HonestReporting Media BackSpin, 22. August 2010

Der unbeteiligte Ton dieser Daily Telegraf-Schlagzeile beunruhigt mich:

US versichern Israel, dass der Iran ein Jahr von der Herstellung einer Atombombe entfernt ist

Nennt man das nicht Beschwichtigung?

Schwedischer Fotojournalist macht Israel wegen Beschuss von Gaza-Whirlpools nieder

9. August 2010

HonestReporting Media Backspin, 9. August 2010

Aus dem Blog Schweden Israel and the Jews:

Das Helsingborg Dagblad entschied sich gestern eine Rezension von Kent Klichs Buchs Gaza Photo Album zu bringen, die Sören Sommelius verfasste. Das Buch zeigt Bilder von Häusern im Gazastreifen nach der Operation „Gegossenes Blei“ Anfang letzten Jahres. Das Buch zielt darauf ab die Zerstörung palästinensischer Häuser hervorzuheben, gibt aber auch Schlüssel-Einblicke in den Reichtum, der in der Tat heute im Gazastreifen existiert; Reichtum, den in ihren Berichten zur Lage im Gazastreifen alle schwedischen Medienorgane unterlassen…

Sommelius beendet seinen Artikel damit, dass er schreibt:

„Klichs Fotografien sind registriert, sie dokumentieren die Kriegsverbrechen der israelischen Armee. In einer gerechten Welt würden die IDF-Kommandeure und Regierungsvertreter in Gerichtsverfahren über das befragt werden, was stattfand. Die Bilder sind Beleg dessen, was geschah und sind daher Anklage, Bilder, die Israel wegen ‚Verbrechen gegen die Menschlichkeit‘ anklagen.

Darauf antwortet Israel-Sweden:

Ich erlaube mir anderer Meinung zu sein. Die von Kent Klich aufgenommenen Bilder zeigen die wahre Realität in Gaza; wegen der korrupten, von der Hamas geführten Regierung, können einige Menschen im Gazastreifen, wie auf den Bildern zu sehen ist, in Luxus leben und tun das auch. Ihr Lebensstandard vor dem Krieg war weit höher als der schwedischer Einwanderer in den Viertel von Rosengård in Malmö.

Hier ist der betreffende Whirlpool:

Fauxtography-Files: Mainstream-Medien schreien Foul

21. Juli 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. Juli 2010

Anfang dieser Woche wurden zwei palästinensische Fotografen durch die IDF verwundet: die Foreign Press Association (im Folgenden mit ihrem Kürzel FPA genannt) griff den Zwischenfall auf, um über das Wesen freier Berichterstattung zu sinnieren.

Jetzt postete ein anderer Auslandsfotograf dieses Video zum Thema. Es belegt, dass Fauxtography weiterhin fröhliche Urständ feiert.

Einiges an diesem Video beschäftigt mich doch ziemlich.

Fil Kalers, britischer Fotoreporter, der dieses Video drehte, ist weithin als Sympathisant der palästinensischen Sache bekannt. Hier einige Arbeitsproben. Allein dies wirft schon etliche Fragen bezüglich der Objektivität seines Videos auf.

Überrascht es Sie, dass ein Fotograf wie er den Vorzug für arrangierte Fotos bekam? Für mich sieht es so aus, als ob hier mehr Fotografen als Demonstranten mit ehrlichem Glauben beteiligt sind, selbst wenn man Kinder als legitime Protestler miteinbezieht.

Dieses Video widerspricht den Fotos, die von den Nachrichtenagenturen verbreitet wurden. Es zeigt offensichtlich Fotografen, die sich klar vor den Augen der Soldaten bewegen, und es widerlegt den FPA-Vorwurf, Soldaten hätten „auf das Gesicht eines klar erkenntlichen Pressefotografen eingeschlagen, der für eine akkreditierte und bekannte Nachrichtenagentur arbeitet“.

Die einzigen verletzten Fotografen konnte ich wahrnehmen bei Videoposition (2:15); sitzend fotografierend mit einem verwundeten rechten Bein, und einen anderen bei (3:15), von dem ich annehme, dass er durch eine Blendgranate einen Schock erlitten hatte.

Alles andere macht deutlich, dass jeder Fotograf, der angeblich vor den Augen seiner Kollegen ins Gesicht geschlagen worden sein könnte, als Star der israelischen Pressezensur durchgegangen wäre.

So sehen eben die Risiken aus, derer sich Journalisten stolz rühmen, wenn sie sich im Kampfgebiet befinden. Schließlich FPA’s Stellungnahme zu israelischen Pressebeschränkungen bezüglich Gaza, als die Operation Gegossenes Blei anlief:

Die Behauptung, dies geschehe „im Interesse unserer Sicherheit“, ist offensichtlich lächerlich.

(Richtig, die FPA-Behauptung; [Bernd D.] war lächerlich. Reporter sind erwachsene Menschen. Den wahren Grund für die Medienbeschränkungen können Sie hier noch einmal nachlesen).

Auf welche Bilder sind die Nachrichtenagenturen also erpicht? Bilder wie 1, 2, 3 und 4. Sie unterschlagen die Rolle der Kinder, einer minimalen Zahl wirklicher Demonstranten. Die Hälfte der Fotos hebt die Opferrolle armer Journalisten hervor, die meine Sympathie nach Studium des Videos verloren haben.

Der beste Moment im Film wurde in keiner der von mir beobachteten Berichterstattungen aufgegriffen. Bei (4:00) fragt ein Soldat einen der Demonstranten, warum er Kinder für seinen Protest mitschleppe.

Wenn doch nur die Mainstream-Medien so eine Frage stellen würden!

Dazu passend: Und Sie dachten, diese Vuvuzelas wären nervig

Wie die Kontrolle der Hamas Nachrichten steuert

19. Juli 2010

HonestReporting Media BackSpin, 19. Juli 2010

Die Hamas führt die Journalisten am Gängelband. Sehen Sie mal, über was in den Nachrichten berichtet wird und über was nicht.

In den Nachrichten (AP)

Gaza-Familie kämpft in einem Zelt ums Überleben

Kein Thema in den Nachrichten (Elder of Ziyon)

Große Eröffnung des Einkaufszentrums in Gaza Stadt*

In den Nachrichten (AFP)

Europäische Spitzendiplomaten fordern weitere Lockerung der Gaza-Blockade

Kein Thema in den Nachrichten (Daled Amos)

Geschäftsleute in Gaza fordern Embargo der Hamas, da Israel seine Beschränkungen lockert

Die Palästinenser verfügen also über genügend Zement und möchten ihre Geschäfte vor ausländischen Produkten abschirmen. Wie kommt es also, dass Korrespondenten vor Ort in Gaza diesen Geschichten nicht nachgehen?

——————-
* AP hat auch noch darüber berichtet, wie bei Beer 7 nachzulesen ist.


Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 323 Followern an