Archive for the ‘Araber’ category

Meinungsseite der New York Times beschreibt Israel als rassistischen Staat

29. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 28. Oktober 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

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Nach dem Gazakonflikt diesen Sommer und den zunehmenden Spannungen zwischen Juden und Arabern steht seit kurzem Israels Behandlung seiner arabischen Minderheit im Vordergrund. Der israelische Präsident Reuven Rivlin unternahm große Anstrengungen, dieses unbestreitbare Problem in der israelischen Gesellschaft anzugehen.

Und hier mischt sich die New York Times ein – ihr Beitrag zur Debatte ist die Veröffentlichung der Meinung von Rula Jebreal, die dieses wichtige Thema angeht, indem sie eine extreme Agenda vorantreibt. Jebreal ist eine italienisch-palästinensische Journalistin, Roman– und Drehbuchautorin mit israelischer und italienischer Staatsbürgerschaft. Sie war eine Kommentatorin für MSNBC, und im Rahmen ihrer Arbeit rügte sie den Sender und andere US-Nachrichtensender in einer Liveausstrahlung, die US-Medien hätten sich im Gazakonflikt auf Israels Seite geschlagen.

Jebreal hat bereits bewiesen, dass sie beim Thema Israel noch ein paar offene Rechnungen hat, und so schreibt sie voller Eifer in der New York Times:

a) Sie beschuldigt Israel der absichtlichen Einführung von Gesetzen, die die Bürgerrechte seiner arabischen Minderheit beschneiden sollen.
b) Sie greift das Rückkehrgesetz als „diskriminierend gegenüber Arabern“ an.
c) Sie lässt wesentlichen Kontext aus, wenn sie sicherheitspolitische Gesetzgebung erwähnt, um israelische Gesetze als inhärent rassistisch darzustellen.
d) Sie beschreibt die IDF als von religiösen Soldaten dominiert, was wiederum zu religiös befeuertem Rassismus führe.
e) Sie stellt die Politik des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman falsch dar.

Sie sagt:

Israel wird immer mehr zu einem Projekt ethnisch-religiöser Reinheit und Ausgrenzung.

Sie greift Israels Rückkehrgesetz an und verlinkt zu einer Datenbank mit „50 diskriminierenden Gesetzen“, die von der Adalah-Organisation unterhalten wird. NGO Monitor sagt: „Entgegen Adalahs ständigen Versuchen, Israel als antidemokratisch und rassistisch hinzustellen, einschließlich häufiger Veranstaltungen bei den Vereinten Nationen und anderen internationalen Plattformen, haben viele der aufgelisteten Gesetze nichts mit israelischen Arabern zu tun noch können sie als ‘diskriminierend’ beschrieben werden.

Zum Rückkehrgesetz sagen Alexander Yakobson und Amnon Rubinstein:

Es unterscheidet nicht zwischen Bürgern im Land. Es setzt die Staatsbürgerschaft von Nichtjuden in keiner Weise herab. Statt dessen ist es gänzlich nach außen gerichtet, an die Juden der Welt. Daher ist bei der Verurteilung des Rückkehrgesetzes die Behauptung stillschweigend inbegriffen, Israel sei die Bevorzugung von Juden in seinen Einwanderungs– und Staatsbürgerschaftsgesetzen verboten.

Sie fahren fort:

Sobald wir Israel als nationale Heimat des jüdischen Volkes und als die Verwirklichung seines Rechts auf Selbstbestimmung anerkennen , können wir ihm nicht das Recht verwehren, seine Türen für Angehörige ebenjenes Volkes zu öffnen. Das Rückkehrgesetz ist ein Repatriierungsgesetz (Rückkehr in ein nationales Heimatland). Seine Rechtmäßigkeit erwächst aus der Existenz des jüdischen Volkes als typisches Diasporavolk und der Existenz des Staates Israel als Nationalstaat jenes Volkes. Es ist das Recht eines Nationalstaats, Angehörigen seiner eigenen Ethnizität, die Bürger anderer Länder sind, eine bevorzugte Behandlung hinsichtlich Einwanderung und Erwerb der Staatsbürgerschaft angedeihen zu lassen.

Ist Jebreals Angriff auf das Rückkehrgesetz, einem zentralen Bestandteil der jüdischen Identität des israelischen Staates, ein Beweis, dass sie mit der Rechtmäßigkeit Israels als Nationalstaat des jüdischen Volkes ein Problem hat?

Jebreal schreibt:

Palästinensische Bürger Israels hingegen unterliegen einem Familienzusammenführungsverbot: Wenn sie einen Palästinenser aus der Westbank oder in Gaza heiraten, können sie wegen dem „Gesetz über Staatsangehörigkeit und Einreise nach Israel“ nicht in Israel leben.

Was sie nicht erwähnt, ist, dass dieses Gesetz, das als einstweilige Anordnung formuliert ist, aus legitimen Sicherheitsgründen im Verlauf der sogenannten Zweiten Intifada verabschiedet wurde. Die jüngste Erweiterung des Gesetzes wurde abgesegnet wie folgt:

Der Schin Bet ist der Ansicht, die Population derer, die um Familienzusammenführung bitten, stelle aufgrund der nachgewiesenen Bedrohung, solches könne bei der Durchführung von Terroranschlägen und bei Spionage helfen, ein Risiko dar.

Überdies ist er der Ansicht, das Sicherheitsrisiko nehme im Lichte regionaler Entwicklungen zu, wobei die Sicherheitslage im Gazastreifen, die Stärkerwerdung islamisch-extremistischer Gruppierungen, die permanente Natur der Hamasregierung in Gaza und die Stärkerwerdung des islamischen Dschihad betont werden.

Jebreal behauptet, selbst vor der Verabschiedung eines kontroversen Gesetzes sei es „Palästinensern praktisch verwehrt gewesen, eine Wohnung in einer mehrheitlich jüdischen Stadt zu kaufen oder zu mieten“. Tatsächlich wird das von ihr zitierte Zulassungsausschussgesetz in kleinen Dörfern und Gemeinden angewandt, die neue Bewohner schon immer auf der Grundlage selektiver Kriterien zugelassen haben. Im israelischen Gesetz gibt es nichts, das es einem arabischen Bürger des Landes verwehren würde, irgendwo Wohnraum zu kaufen oder anzumieten, auch in Städten mit jüdischer Mehrheit.

Jebreal behauptet weiter:

Das Bildungssystem führt zu weiterer ethnischer Separation. Abgesehen von einigen gemischten Schulen sind die meisten Bildungseinrichtungen in Israel in arabische und jüdische aufgeteilt.

Tatsächlich ist diese Aufteilung ein Resultat von Israels Bemühungen, Minderheitenrechte zu schützen, indem es seiner arabischen Bevölkerung die Gelegenheit gibt, gemäß seiner kulturellen Normen auf Arabisch zu lernen. Es ist keine negative Diskriminierungspolitik, wie Jebreal die Leser der New York Times glauben lassen möchte.

Jebreal äußert sich weiter zum Thema Bildung und Erziehung:

Laut Nurit Peled-Elhanan, einer Soziologieprofessorin an der Hebräischen Universität, die die umfassendste Untersuchung der Lehrpläne an öffentlichen Schulen Israels vorgenommen hat, gibt es in israelischen Schulbüchern keinen einzigen positiven Bezug auf Palästinenser. Palästinenser werden entweder als „arabische Bauern ohne Nationalität“ oder als schreckliche „Terroristen“ bezeichnet, wie Professor Peled-Elhanan in ihrem Buch „Palestine in Israeli School Books: Ideology and Propaganda in Education“ dokumentiert.

Tatsächlich wurde Peled-Elhanans Buch von Arnon Groiss, Forschungsdirektor im Center for Monitoring the Impact of Peace (CMIP-RA), gründlich widerlegt. Er schloss:

Es ist klar, dass Dr. Peled-Elhanan das Ziel hatte, die israelischen Lehrpläne als rassistisch hinzustellen. Motiviert von ihrer persönlichen politischen Agenda statt von Forschergeist, schoss sie ihren Pfeil ab und zeichnete danach ein Ziel darum herum – oder anders gesagt, sie brachte ihre vorgefasste Meinung vor und versuchte dann, Beweise dafür zu finden. Das war keine einfache Aufgabe, da israelische Schulbücher kein signifikant rassistisches Material beinhalten, aber dieses Problem schreckte sie nicht ab. Sie bemühte sich eindrucksvoll um angebliche Beweise, ungeachtet der Kosten. (…) Diese stark politisierte und somit einseitige Herangehensweise verzerrt das Material zu einem Bild, wie es ihr gefällt. Es handelt sich nicht um eine wissenschaftliche Arbeit.

Jebreal sagt:

Israels Absonderungssystem führte zu einer Situation, wo laut einer kürzlichen Umfrage 42% der Juden sagen, sie seien niemals einem Palästinenser begegnet.

Jebreal vergisst der Einfachheit halber, dass israelische Juden sorglos in palästinensischen Städten aßen und einkaufen, bis die Palästinenserbehörde entstand und es im Jahr 2000 zu einem Gewalt– und Terrorausbruch kam. Kein „Absonderungssystem“ hat zu diesen Umfrageergebnissen geführt, sondern es ist die inhärente Gefahr israelischer Tode durch palästinensischen Terror, die den Tagen ein Ende bereitete, als Juden und Araber sich noch frei untereinander bewegt hatten.

Jebreal stellt die bizarre Behauptung auf, ultraorthodoxe Juden spielten eine Schlüsselrolle in der IDF, und die israelische Armee sei von Religion beherrscht:

Die stärkere Integration ultraorthodoxer Juden nützt eindeutig den jüdischen Israelis, aber für palästinensische Bürger Israels bedeutet dies einen neuen religiös inspirierten Rassismus zusätzlich zur altbekannten säkularen Diskriminierung.

Was ist denn Jebreals Argument? Dass die arabischen Bürger Israels vom Dienst in der IDF ausgenommen sind, schützt sie vor der unbequemen Lage, die Waffe gegen ihre Cousins in den Nachbarländern ergreifen zu müssen. Israelische Araber können jedoch freiwillig in der IDF dienen, und viele Araber, insbesondere aus drusischen und beduinischen Gemeinschaften, dienen verdienstvoll. Es gibt keine Hinweise dafür, dass eine kleine Zunahme ultraorthodoxer Juden in der IDF „religiös inspirierten Rassismus“ fördert.

Jebreals Tirade geht weiter:

Stolz fördern die Führer des Landes eine Politik des Hasses. Israels Außenminister und Führer der säkular-nationalistischen Yisrael-Beiteinu-Partei, Avigdor Lieberman, vertrat einen Aufruf zum Boykott der Geschäfte palästinensischer Bürger Israels und wollte den „Transfer“ von Palästinensern verdächtigerweise für legal erklären lassen.

Keine dieser sogenannten „Politiken des Hasses“ sind Politik der israelischen Regierung, und Jebreal verschweigt wesentliche Zusammenhänge. Liebermans Boykottaufruf war speziell auf Geschäfte gemünzt, die bei einem allgemeinen Streik zur Unterstützung der Palästinenser in Gaza teilnahmen und die die Operation Fels in der Brandung verurteilten, nicht jedoch auf arabische Geschäfte generell.

Und Jebreal verlinkt sogar einen Artikel, der ihrer Behauptung, Lieberman fördere „Transfers“, direkt widerspricht. Der Bericht hält Liebermans Aussage klar fest, sein Plan würde die Verschiebung von Israels Grenzen beinhalten, nicht die Umsiedlung von Menschen, und er weist den Begriff „Transfer“ gezielt zurück. Des weiteren:

Dies wäre im Einklang mit internationalen Gesetzen unter der Bedingung, dass es mit Zustimmung der Palästinenser geschieht, niemanden ohne Staatsbürgerschaft lässt und einen Mechanismus für finanzielle Entschädigung vorsieht, ähnlich demjenigen, der 2005 bei den jüdischen Siedlern während Israels Rückzug aus dem Gazastreifen zum Einsatz kam.

Jebreal spricht sich also gegen Politik aus, die nicht israelischem Gesetz entspricht und die sich zu dieser Zeit nicht einmal auf dem legislativen Radar befindet.

Jebreal schließt:

Während Israel (wie die Vereinigten Staaten) behauptet, anderswo Rassismus und Menschenrechtsverletzungen zu verabscheuen, erlässt die politische Führung des Landes aktiv Gesetze, die ein tiefgreifendes institutionalisiertes Diskriminierungssystem garantieren. Was Israel jedoch braucht, ist eine Bürgerrechtsbewegung.

Wie oben dargelegt, fördert die politische Führung Israels kein „tiefgreifendes institutionalisiertes Diskriminierungssystem“. Statt dessen setzt sich Israel damit auseinander, wie es am besten garantieren kann, dass seine arabische Minderheit in den Genuss aller Möglichkeiten und legalen und demokratischen Rechte kommt, die Israels jüdische Bürger genießen.

Dass alle von Jebreal zitierten Gesetze ausgiebig von Israels Rechtssystem debattiert wurden und dass ein ausgedehntes Netzwerk nichtstaatlicher Organisationen sich für Israels Araber einsetzt, ist ein Zeichen, dass die Bürgerrechte in Israel sehr lebendig sind.

Die New York Times hat die Gelegenheit ergriffen, wieder einmal Israels Unzulänglichkeiten herauszupicken und so aufzublasen, dass ein ganzer Staat dämonisiert wird. Leider ist es mittlerweile genau das, was wir von dieser „maßgeblichen Zeitung“ erwarten.

Amira Hass: Wenn nur Journalisten, die uns passen, willkommen sind

5. Oktober 2014

Pesach Benson, HonestReporting, 1. Oktober 2014 (Übs.: Yvaine de Winter)

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Was ist an diesem Bild verkehrt?

Die israelische Journalistin Amira Hass berichtete über eine Konferenz an der Bir-Zeit-Universität. Sie war ehrlich mit den palästinensischen studentischen Organisatoren, die bei der Veranstaltung aushalfen, und gab an, dass sie für Haaretz arbeitet.

Hass sagt, sie habe 20 Jahre lang über Veranstaltungen berichtet und Palästinenser am Ramallah-Campus interviewt und sei mit vielen von ihnen befreundet. Es gab keinen Grund zu glauben, die Konferenz am Dienstag mit dem Titel „Alternativen zur neoliberalen Entwicklung im besetzten palästinensischen Territorium – kritische Perspektiven“ sei anders als andere akademische Plaudereien, über die sie berichtet hatte.

In den vergangenen zwanzig Jahren war ich Dutzende Male in der Birzeit-Universität und saß dort bei verschiedenen akademischen Konferenzen im Publikum. Ebenso interviewte ich Universitätslehrkräfte auf dem Campus und auch außerhalb.

Aber dieser Dienstag war anders.

Zwei der Dozenten forderten Hass auf zu gehen.

Israelische Juden sind auf dem Campus nicht gestattet. Studenten könnten in die Konferenzhalle einbrechen, um gegen ihre Präsenz zu protestieren. Palästinensische Studenten brauchen eine sichere, israelfreie Zufluchtsstätte. Hass sollte angeblich gehen, um ihre eigene Sicherheit zu wahren. Es gab Gerüchte, die langjährige Haaretz-Kolumnistin sei angegriffen worden.

Hass’ Freunde sympathisierten mit ihr – einige verließen aus Protest sogar die Konferenz -, aber die lebhafte Lobby im Said Khoury Development Studies Building war nicht die geeignete Plattform, um über die Politik der Universität zu diskutieren.

Also ging sie.

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Ich weiß, wie es ist, als Reporter in einem Raum voller Leute zu sein, die dich nicht unbedingt bei sich haben wollen. Man fühlt, wie die Augen auf einem ruhen. Mental priorisiert man die Informationen, die man haben will, falls man zu einem vorzeitigen Abschied veranlasst wird. Man formuliert witzige Einzeiler im Geiste, um aufdringliche Leute zum Schweigen zu bringen.

Auch wenn man innerlich nervös ist, macht man seinen Job, denn das wird von professionellen Journalisten erwartet.

Und wenn man gehen muss, geht man. Die Geschichte schreibt man trotzdem.

Hass’ Reaktion war jedoch, ihre ungerechtfertigte Behandlung zu rechtfertigen:

Ich verstehe das emotionale Bedürfnis der Palästinenser nach einem sicheren Raum, der den Bürgern jenes Landes nicht zugänglich ist, das ihnen ihre Rechte vorenthält und ihr Land raubte. Als Linke jedoch hinterfrage ich die antikolonialistische Logik des Boykotts von linken israelisch-jüdischen Aktivisten. Solche Linke streben nach keinem Koscher-Zertifikat, während sie sich der Besatzung entgegenstellen und dem jüdischen Privilegien-Regime ein Ende setzen wollen.

Das Problem dabei ist, dass es hier nicht wirklich um „sicheren Raum“ geht, was durch die viele Zeit bewiesen wird, die Hass vorher an der Bir-Zeit-Universität verbracht hatte.

Hier geht es um die machtvolle palästinensische Bewegung gegen die Normalisierung der Beziehungen zu Israel. Diese Antinormalisierungsbewegung stellt sich Unternehmern entgegen, die mit Israelis arbeiten, gegen Friedensdelegationen an der gesellschaftlichen Basis, selbst gegen nichtpolitische Wohlfühlveranstaltungen wie eine Fußballklinik mit Lionel Messi und dem FC Barcelona.

Und zu verschiedenen Gelegenheiten hat die Antinormalisierungsbewegung auch Hass’ professionelle Kollegen bedroht, israelische Journalisten, die in der Westbank arbeiten. Hier einige Beispiele:

1. Unterbrechung einer Pressekonferenz in Ramallah wegen der Anwesenheit israelischer Journalisten.
2. Bedrohung des Lebens des erfahrenen arabisch-israelischen Journalisten Mohammed Najib, der Menschen auf Ramallahs Straßen für i24 News interviewte.
3. Der Beinahemord an Times-of-Israel-Reporter Avi Issacharoff.
4. Der Boykott von Aktivitäten am Internationalen Tag der Pressefreiheit, da diese vom US-Konsulat gesponsert wurden.

Hass besuchte Bir Zeit als Reporterin, suchte nach einer Story und blieb am Puls der Palästinenser. Das tun Journalisten im öffentlichen Interesse. Doch als Hass ihren Rauswurf aus Bir Zeit schönredet, schreibt sie als Aktivistin, nicht als Journalistin. (Hinsichtlich Haaretz und deren offen dargelegter politisierter Agenda überrascht das nicht wirklich.)

Ihre Antwort ist auch nicht so extrem wie die von Robert Fisk (Nachdem der britische Journalist 2001 von afghanischen Flüchtlingen verprügelt wurde, schrieb er: „Wäre ich ein afghanischer Flüchtling in Kila Abdullah, hätte ich genauso gehandelt. Ich hätte Robert Fisk angegriffen. Oder irgendeinen anderen Westler, den ich hätte finden können.“), aber sie begibt sich auf Glatteis gegenüber israelischen Reportern, die von Antinormalisierungs-Hitzköpfen angegriffen wurden und solche Übergriffe auch in Zukunft zu befürchten haben.

Bir Zeits Stellungnahme zu dem Vorfall skizziert die Politik des Campus als israelfreie Zone.

Die Universitätsgemeinschaft ist stolz darauf, dass sie den akademischen Boykott Israels wahrt. Dieser Boykott bezieht sich jedoch auf Institutionen, nicht auf Individuen, insbesondere im Falle von Personen, die bewiesen haben, dass sie wie Journalistin Hass auf der Seite der Menschlichkeit und Gerechtigkeit stehen.

Doch Hass war dort in ihrer Eigenschaft als Reporterin für Haaretz, einer israelischen Institution.

Was Bir Zeit in Wirklichkeit sagt, ist, dass nur Journalisten willkommen sind, die ihnen passen.

Als Journalistin sollte diese Politik für Hass unhaltbar sein, selbst wenn (oder sogar besonders weil) sie auf der Empfängerseite steht. Doch als Aktivistin gibt Hass letztlich ihr Einverständnis.

Bild: CC BY-SA HonestReporting, flickr/Keoni Cabral, Hass via YouTube/FrancePalestine

Wie man eine „Siedlungskrise“ erschafft

4. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 02.10.2014

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Es ist wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Der israelische Premierminister Netanyahu trifft sich mit US-Präsident Obama, und die Medien sind voll mit Geschichten über israelischen Siedlungsbau und Verurteilungen sowohl vom Weißen Haus als auch vom US State Department.

Wie kam es also zu dieser „Verkettung unglücklicher Umstände“?

Zuallererst wäre so etwas ohne die vollkommen siedlungsbesessenen Medien nicht möglich gewesen. Ungeachtet all dessen, was in der Region vor sich geht, schließen sich viel zu viele noch immer unhinterfragt dem Narrativ an, der Bau von jüdischen Wohnhäusern (in diesem Fall in einem Stadtteil Jerusalems) sei das größte Friedenshindernis im Nahen Osten.

Rechnen Sie zweitens die symbiotische Beziehung zwischen den Medien und nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) mit ein, insbesondere derjenigen, die Israels Politik gegenüber kritisch eingestellt sind. Die Washington Post sieht die Dinge bei ihrem Bericht über die Baupläne für Givat Hamatos in Jerusalem richtig:

Die Siedlungsentwicklung war jahrelang in Planung, befand sich jedoch bis letzte Woche auf Eis. Letzte Woche gab die Regierung eine öffentliche Bekanntmachung heraus, was ihr erlaubte, Angebote entgegenzunehmen und mit dem Bau zu beginnen. Die Bekanntmachung erhielt jedoch keinerlei Aufmerksamkeit, bis die israelische Lobbygruppe Peace Now kurz vor dem Treffen zwischen Obama und Netanyahu eine Pressemeldung über sie veröffentlichte.

Tatsächlich wurde alles erst zu einer Story, als das hier im E-Mail-Postfach ausländischer Journalisten landete:

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Also hielt Peace Now diese Pressemeldung bewusst für eine ganze Woche bis zu dem Zeitpunkt zurück, von dem sie wussten, dass sie in der Presse maximale Zugkraft haben und Netanyahu auf seiner US-Reise noch mehr Kopfschmerzen bereiten würde. Und dies trotz der Tatsache, dass der Bau in Givat Hamatos schon im Dezember 2012 genehmigt worden war.

Aber z. B. für die Times of London ist das eine brandneue Siedlung und kein Bau in einem bereits existenten Bereich von Jerusalem:

Spaltungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten traten zutage, als Stunden vor einem Treffen zwischen den Oberhäuptern beider Nationen eine kontroverse neue jüdische Siedlung genehmigt wurde.

Es ist keine „neue jüdische Siedlung“, und sie wurde ganz gewiss nicht Stunden vor dem Treffen zwischen Netanyahu und Obama genehmigt.

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Im Bild oben: Givat Hamatos ist rot umrandet, blau sind die jüdischen Stadtteile, braun sind die arabischen Stadtteile.

Was ungeachtet israelischer Medien in der Pressemeldung ebenfalls fehlt, ist die Tatsache, dass die Hälfte der Wohneinheiten in Givat Hamatos für arabische Bewohner bestimmt ist. Bei den Argumenten bezüglich Siedlungen in Jerusalem wird generell missverstanden, dass man arabische Einwohner Jerusalems oder israelische Araber nicht legal davon abhalten kann, Immobilien innerhalb der Stadtgrenzen zu kaufen, zu mieten oder dort zu wohnen.

Also können wir klarstellen, dass Timing und Inhalt der Givat-Hamatos-Story nichts weiter als eine künstlich erschaffene „Krise“ darstellen, die in Wirklichkeit unbeachtet geblieben wäre, wäre da nicht Peace Now gewesen.

Bild: CC BY-SA HonestReporting, flickr/Philip Taylor

CNN gibt Sharon Schuld an Massaker

18. Januar 2014

HonestReporting Media BackSpin, 15. Januar 2014

Im Clip unten vom 12. Januar 2014 interviewed die CNN-Moderatorin den Reporter Mohammed Jamjoom, der aus dem CNN-Studio Beirut über die arabischen Reaktionen auf Ariel Sharons Tod berichtet. Während Jamjoom erwähnt, dass Sharon “indirekt verantwortlich sei” für die Massaker von Sabra und Shatila im Jahr1982, geht er nicht einmal darauf ein, dass die eigentlichen Täter libanesische christliche Falangisten waren.

Ein Filmausschnitt zeigt Jamjooms Besuch in den Flüchtlingslagern, wo – welch’ Überraschung – Hinterbliebene von 1982 die Schuld allein dem “Kriegsverbrecher” Sharon zuschreiben.

Bildunterschriften am unteren Rand des Bildschirms tun nichts, um die Vorstellung zu entkräften, dass Sharon das Massaker selbst angeordnet haben könnte:

„Araber geben Sharon die Schuld an Massaker in libanesischen Flüchtlingslagern.

„Hunderte getötet in den libanesischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila im Jahr 1982“

und am schlimmsten :

“Ein israelischer Untersuchungsausschuss  gab Sharon die Verantwortung für die Massaker von 1982

Diese letzte Bildunterschrift täuscht ganz bewusst.

Von den Arabern, deren Aussagen als Bildunterschriften genutzt wurden sowie der Berichterstattung Jamjooms erhält der schlecht informierte TV-Zuschauer die falsche Botschaft laut und deutlich – Ariel Sharon hat persönlich ein Massaker begangen.

Große Momente der plausiblen Möglichkeit etwas abzustreiten nach Art der Hisbollah

3. September 2013

Pesach Benson, HonestReporting.com, 3. September 2013

Die Hisbollah sagt, sie werde aus  Syrien gegen Israel Vergeltung üben, wenn der Westen interveniert. Naharnet griff arabische Medienberichte auf.

Die Quelle sagte, die Hisbollah wolle den Libanon nicht in die „militärische Initiative“ involvieren, die auszuüben sie sich entschied.

Großartige Idee. Dann kann die IDF einen Präventivangriff auf die Hisbollah von Syrien, der Türkei oder vielleicht sogar dem Irak aus führen, damit Israel nicht auch in dieses Schlamassel verwickelt wird.

IDF mit neuer Info-Website zur Hisbollah

18. Juli 2013

HonestReporting Media BackSpin, 18. Juli 2013

Die IDF hat offiziell eine neue Webseite eingerichtet, die über Terror und Ideologie der Hisbollah informiert.

Die neue Website liefert eine Vielzahl von Informationen über die libanesische Terrororganisation, einschließlich ihrer Entstehungsgeschichte, Ideologie, Führung und kriminelle Aktivitäten. Sie berichtet über die Aktivitäten der Hisbollah im Libanon und in Syrien, ihre Anschläge gegen Israel sowie ihren Terroranschläge und Beteiligung an anderen Verbrechen im Ausland.

“Die Hisbollah ist einer der aktivsten Terrororganisationen weltweit und hat erfolgreich ein globales Terror-Netzwerk aufgebaut. Die lange Liste der Verbrechen umfasst Selbstmordanschläge, Flugzeugentführungen, Morde, Waffenschmuggel und Raketenangriffe auf Zivilisten”, so zu lesen auf der neuen Webseite.

Das Datum der Webseitenfreischaltung ist nicht zufällig: in diesem Monat jährt sich die Vereitelung eines Hisbollah-Anschlages auf Zypern; 7 Jahre zuvor führte die Hisbollah einen Anschlag auf israelischem Gebiet durch (an der Nordgrenze), der zum zweiten Libanonkrieg führte; und weiterhin kämpfen Hisbollah-Milizen im syrischen Bürgerkrieg an der Seite des Assad-Regimes.

Besuchen Sie die Info-Webseite der IDF zur Hisbollah hier.

Muslimbruderschaft mit Fotofälschung

12. Juli 2013

HonestReporting Media BackSpin, 12. Juli 2013

Abbildung: Die Facebook-Seite der ägyptischen Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (FJP) – dem politischen Arm der Muslimbruderschaft – stellte alte Fotos ein, die in Syrien getötete Kinder zeigen.

Dazu ist auf der Webseite von Al Arabiya zu lesen (Hervorhebung durch uns):

Die Muslimbruderschaft wird grober Täuschung in ihren Fernsehausstrahlungen und Sozialen Medien beschuldigt, darunter einiger Darstellungen, die von einem Leser als „faustdicke Lüge“ angeprangert wurden.

Sowohl die Mainstream-Medien als auch Soziale Medien wie Facebook und Twitter wurden während der Unruhen zu Schlachtfeldern zwischen den gegnerischen Seiten, was zum Sturz von Mohammad Mursi in Ägypten geführt hatte.

Kritiker verweisen auf Fälschungen durch Medien, die mit der Muslimbruderschaft kooperieren, während der Vorwurf der Voreingenommenheit gegen Al Jazeera fallen gelassen wurde, aber auch andere wie Al Arabiya und CNN wegen ihrer Berichterstattung angegriffen worden waren.

In einem der dreistesten und bedenklichsten Fälle zeigt die ägyptische Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (FJP) – der politische Arm der Muslimbruderschaft – Bilder von Kindern, die in Syrien getötet worden waren – mit der Behauptung, sie wären Opfer der jüngsten Unruhen in Ägypten.

Kommt uns bekannt vor, oder? Es ist nicht das erste Mal, dass Bilder von toten syrischen Kindern missbraucht wurden.

Zu Beginn der Operation Säule der Verteidigung im Jahr 2012 twitterte der palästinensische Journalist/Aktivist Hazem Balousha ein bewegendes Foto eines Mädchens auf einer Tragbahre, das angeblich bei einem israelischen Luftangriff verletzt worden war.

BBC-Reporter Jon Donnison war beeindruckt und sorgte für die Verbreitung des Fotos. Aktivisten entdeckten jedoch, dass das Foto in Wirklichkeit einen Monat vor Kriegsbeginn in Syrien aufgenommen worden war.

Dies veranlasste HonestReporting,  Donnison eine Auszeichnung für den unaufrichtigsten Reporter des Jahres 2012 zu verleihen. Wie viele andere werden dieser speziellen Form besonders grober Fauxtography noch auf den Leim gehen?


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