Washington Post: Verantwortung für Omars Tod spielt keine Rolle

HonestReporting Media BackSpin, 13. März

Es muss ziemlich stressig gewesen sein für Max Fisher, so viele Fotos verwundeter Palästinenser und Israelis während des letztjährigen Gaza-Konfliktes betrachtet zu haben.

Der Washington Post-Blogger argumentierte im November und nun wieder, dass es keine Rolle spiele, wer das Baby Omar getötet hat.

Gibt uns eine Schuldzuweisung für Mishrawis tragischen Tod, so schrecklich er auch ist, einen wirklichen Einblick dafür, wer für 60 Jahre Krieg zur Rechenschaft zu ziehen ist? Und dient eine Aufteilung von Schuldzuweisung wirklich dazu, beiden Seiten gerecht zu werden?

Schwer herauszufinden, inwiefern das Wissen darüber, durch welche Rakete Mishrawis getötet worden sein könnte, die umfassenderen Fragen beantworten könnte, für die diese Debatte stellvertretend steht: Verantwortung für die Weiterführung des lange andauernden Konflikts, für die Auslösung der Kämpfe im vergangenen November und für die israelischen und palästinensischen Zivilisten, die letztlich darunter leiden.

Aber hier handelt es sich bekanntermaßen um heikle Debatten. Wie sonst bei so vielen lang anhaltenden geopolitischen Konflikten kommt dabei niemand als Engel oder Dämon davon, auch wenn man sich das auf den jeweiligen Seiten so wünschte. In vielerlei Hinsicht bietet ein singuläres Foto wie das eines verwundeten oder getöteten Kindes oft ein sauberes und geringeres Risiko, über Probleme zu reden, die zu verworren sind, als dass man sich mit ihnen direkt auseinandersetzen will. Sie [die Probleme [bd, Medien Backspin]) offerieren eine willkommene Gelegenheit, Argumente durchzusetzen, dienen aber nicht zwangsläufig dazu, ihnen einen Riegel vorzuschieben.

Ja, Krieg ist schmutzig.

Und ja, das Foto zeigt einen kleinen Ausschnitt eines zähen Abnutzungskrieges.

Aber wenn Nachrichten der sprichwörtlich “erste Entwurf einer Geschichte” sein sollten, obliegt es den Massenmedien, die Fakten richtigzustellen. Das ist der beste Weg, vielen unnötigen Debatten zu begegnen.

Es ist die Zeitgeschichte, die uns die Möglichkeit gibt, Ereignisse in einen größeren historischen Kontext zu stellen. Ich kann Fishers sehnlichen Wunsch nachvollziehen, das Große Ganze sofort erfassen zu wollen. Aber nach was er Ausschau hält ist das Produkt von Geschichte, nicht von Nachrichten. Nachrichten behandeln harte Fakten, die man im Einmaleins des Journalismus lernt: Wer, was, wo, wann, warum und wie.

Die „Was dies alles bedeutet“ – Fragen stellen sich fehlbaren großen Denkern, jenen, die wir als Experten, Streber und moderierende TV-Sprecher bezeichnen.

Leider findet die Dämonisierung Israels im Hier und Jetzt statt – und derzeit, da die Welt anlässlich Fotos wie diesem zu Jihad Mishawaris Tragödie bedauernswerte Rückschlüsse zieht.

Und was den ersten Entwurf der Geschichte angeht, wird die Anzahl der Menschen, die das Foto im November sahen und in einen Zusammenhang mit israelischer Verantwortlichkeit interpretierten, niemals der Zahl derjenigen Menschen entsprechen, die heute die echte Geschichte kennen. Der Israel zugefügte Schaden kann nicht rückgängig gemacht werden.

Aber welche Lehren können die Washington Post und die Mainstream-Medien daraus für die Zukunft ziehen?

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3 Kommentare - “Washington Post: Verantwortung für Omars Tod spielt keine Rolle”

  1. Zahal Sagt:

    Reblogged this on World-Media-Watch.

  2. Paul Sagt:

    Lieber Bernd,
    Du schreibst:
    “Aber welche Lehren können die Washington Post und die Mainstream-Medien daraus für die Zukunft ziehen?”

    Es ist richtig, sie “können” Lehren daraus ziehen.
    Allerdings habe ich da meine Zweifel, dass sie das wirklich “können”.
    Dazu müssten sie ihre einseitige faktenresistente Sichtweise ablegen. Können sie das?
    Sie müssten ihre Voreingenommenheit zu Israel ablegen. Kurz, sie müssten ihre gesamte Ideologie ändern.
    Können sie das? Können sie das wirklich?

    Ich glaube, nein.
    Die oben von Dir wiedergegebenen Passagen lassen diesen Schluss jedenfalls zu. Das ist ihre Art mit der Wahrheit umzugehen. Daran wird sich leider auch nichts ändern.

    Ein Bild soll das verdeutlichen, dass es ihnen unmöglich ist:
    Eher würde der Papst ein Atheist werden, als das diese Journalisten ihre Meinung ändern würden.

    Deshalb sage ich, so traurig es auch für uns ist:
    Sie können es nicht, weil sie es auch nicht wollen.

    Deshalb ist es notwendig, dass Israel weiter dagegen anschreibt und wir, jeder entsprechend seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten, Israel dabei unterstützen.

    Herzlich, Paul


    • Lieber Paul,

      natürlich gibt es gegen deine präzisen Überlegungen überhaupt nichts einzuwenden. Und du hast ja auch völlig Recht.

      Wie du aber sicher bemerkt hast, hat unsere abschließende Bemerkung “Aber welche Lehren können die Washington Post und die Mainstream-Medien daraus für die Zukunft ziehen?” eher sarkastischen Charakter.

      “Können” wäre sicher kein Problem, aber “Wollen”?

      Wir geben aber die Hoffnung nicht auf.

      Ich freue mich übrigens immer wieder sehr darüber, wie sensibel und sorgfältig du auf unsere Beiträge reagierst. Das zeugt von großer menschlicher Reife und dem Bemühen, sich wirklich ernsthaft mit den Texten anderer Blogger auseinanderzusetzen.

      Dir ein schönes Wochenende!
      Bernd
      ___________
      P.S.:
      Ich denke, dass mein Co-Blogger Heplev das ähnlich sieht.


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