Endlich gibt die BBC “schlampigen Journalismus” zu

Simon Plosker, HonestReporting.com, 11. November 2012 (original veröffentlicht bei Times of Israel)

Stellen Sie sich einfach mal das Szenario vor: Eine Vorzeige-Nachrichtensendung der BBC recherchiert ein angebliches israelisches „Kriegsverbrechen“ und erhebt Anschuldigungen allein aufgrund der unbestätigten Hinweise nicht genannter palästinensischer „Augenzeugen“.

Eine Woche später kommt die Wahrheit heraus – die Kugeln, die die palästinensischen Kinder bei dem Vorfall töteten, wurden von palästinensischen Bewaffneten während eines Schusswechsels zwischen rivalisierenden islamistischen Gruppen abgefeuert.

Der Generaldirektor der BBC, George Entwistle, gibt zu, dass es hier „inakzeptable journalistische Standards“ gegeben hat und tritt von seinem Posten zurück; er sagt, es war „das Anständige, das zu tun war“.

Der direkt neben ihm stehende BBC-Treuhand-Vorsitzende Lord Patten sagt: „George hat uns wegen der inakzeptablen Fehler – dem inakzeptabel schlampigen Journalismus – der so viel Streit verursacht hat, sehr ehrenhaft seinen Rücktritt angeboten.“

Das können Sie sich nicht vorstellen? Nicht verwunderlich, wenn man die Zahl der Male bedenkt, bei denen die BBC versucht hat schlampigen Journalismus wegzuerklären, sobald es um die Berichterstattung über Israel geht.

Und wenn die BBC falsch liegt? Rollen Köpfe? Keine Chance. Teil des oben beschriebenen Szenarios ist allerdings real. Der Generaldirektor der BBC ist wegen eines Falls von schlampigem Journalismus zurückgetreten, nachdem BBC Newsnight einen ehemals prominenten Politiker als Pädophilen und Kinderschänder anklagte und sich dabei auf die Behauptungen genau einer Quelle verließ, von der sich sich am Ende herausstellte, dass sie sich geirrt hatte.

Zugegeben, dieser Skandal bei der BBC ist der Höhepunkt einiger für die Organisation fürchterlicher Wochen, da eine ihrer Top-Ikonen, der Kinderfernseh-Moderator und DJ Sir Jimmy Savile – inzwischen verstorben – von einer Konkurrenzorganisation als einer der produktivsten britischen Pädophilen und Sexualstraftäter enthüllt wurde. Das, nachdem die Vorzeigesendung BBC Newsnight eine identische Ermittlung aus Gründen fallen ließ, die derzeit einer externen Ermittlung unterzogen werden.

In Reaktion auf die Savile-Enthüllungen forderte ein britischer Minister fundamentale Reformen zur Transparenz bei der BBC; er erklärte: „Ich denke, es gibt da ein Problem im Kern der BBC; sie ist als Organisation zu geheimniskrämerisch. Ich denke, sie sollte jetzt darüber nachdenken, sich den Anfragen gemäß des Freedom of Information Act (FOI) zu öffnen.“

In der Tat – wenn es um fehlende Transparenz geht, dann schnellt einem der Balen-Bericht ins Gedächtnis. 2004 beauftragte die BBC Malcolm Balen, einen hochrangigen Redaktionsberater, die Vorwürfe zu untersuchen, die Berichterstattung der BBC zum israelisch-palästinensischen Konflikt sei voreingenommen. Der Bericht, von dem angenommen wird, dass er die Vorwürfe bestätigt, wurde nie für die Öffentlichkeit freigegeben und die BBC gab mehr als £330.000 für die Bekämpfung einer Freedom of Information-Anfrage aus, sie solle die Ergebnisse veröffentlichen.

HonestReporting testete, ob die BBC jetzt nach dem Aufruf nach mehr Transparenz für FOI-Anfragen offener ist oder nicht. Wir stellten eine relativ einfache Frage: „Wie sieht Aufschlüsselung der Ausgaben aus, die das Jerusalemer BBC-Büro für das Outsourcing und selbstständige Auftragnehmer und Stringer, sowohl israelisch als palästinensisch, zu tragen hat?“

Jede Antwort hätte uns eine Vorstellung davon geben können, ob die BBC sich unverhältnismäßig auf palästinensische Quellen verlässt, um ihre neuen Operationen zur Nachrichtensammlung in Israel und den Palästinensergebieten zu unterstützen.

Nach ein paar Wochen war dies die Antwort der BBC:

Die von Ihnen angeforderte Information ist vom [Freedom of Information] Act ausgeschlossen, weil dieser für „journalistische, künstlerische oder literarische Zwecke“ gilt. Die BBC ist daher nicht verpflichtet Ihnen diese Information zu geben und wird das in diesem Fall nicht tun. Part VI des Schedule 1 des FOIA besagt, dass von der BBC und anderen öffentlich-rechtlichen Sendern gehaltene Informationen nur dann vom Act abgedeckt wird, wenn sie „anderen Zwecken als Journalismus, Kunst oder Literatur“ dienen. Von der BBC wird nicht verlangt Informationen zu geben, die dem Zweck der Gestaltung der Arbeitsergebnisse der BBC oder Informationen zur Unterstützung dienen und eng mit diesen kreativen Aktivitäten zusammenhängen.

Einfach gesagt: Die BBC ist in der Lage sich hinter einem Schild zu verstecken, wenn sie locker behaupten kann, die angefragte Information sei durch einen journalistischen Freibrief gedeckt.

Als vom britischen Gebührenzahler finanzierter, öffentlich-rechtlicher Sender sollte die BBC zur Rechenschaft gezogen werden. Sicher, wenn es um die institutionelle Einseitigkeit der BBC gegenüber Israel geht, hat dieser Medien-Koloss es geschafft Versuchen auszuweichen sie Rechenschaft ablegen zu lassen.

Werden die jüngsten dramatischen Entwicklungen bei der BBC die Winde der Veränderung herbeizwingen, damit sie bei der BBC durch die aktuellen Nachrichten wehen? Oder ist es wahrscheinlicher, dass die giftige Tropfennahrung der antiisraelischen Berichterstattung der BBC sichergestellt hat, dass es die britische Öffentlichkeit nicht länger kümmert, ob Israel die Seite ist, der Unrecht getan wird?

Während „Auntie Beep“, wie die BBC liebevoll genannt wird, versucht das Vertrauen bei Zuschauern und Zuhörern wiederzugewinnen, ist es leider unwahrscheinlich, dass die Berichterstattung zu Israel bei irgendwelchen Reformen ein signifikanter Faktor sein wird.

Das sollte uns aber nicht von abhalten uns das vorzustellen.

Lord Patten hat eine „gründliche, radikale, strukturelle Überarbeitung“ der BBC gefordert. Berichterstattung über Israel ist nicht der einzige Teil der BBC, der Reform und Transparenz braucht. Doch sie ist symptomatisch für einige der schlimmsten institutionellen Einseitigkeiten im Herzen der Organisation.

BBC, es ist an der Zeit Farbe zu bekennen – veröffentlicht den Balen-Bericht und fangt an die Probleme in Ordnung zu bringen, die schon so lange so offensichtlich sind.

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