Norwegische Medien verdrehen die Nachrichten

Manfred Gerstenfeld, HonestReporting.com, 23. August 2012

Seit einer Reihe von Jahren hat Norwegen die erste Position auf dem Index der Pressefreiheit gehalten. Die Wahrnehmung, dass Norwegen eine freie Presse hat, ist allerdings weitgehend falsch. In der Tat beaufsichtigen oder zensieren die norwegischen Behörden die Medien nicht. Doch es gibt eine starke antiisraelische Schieflage sowie Selbstzensur unter den Redakteuren der meisten Medien. Das Land grenzt auch an Russland. Doch man gewinnt oft den Eindruck, dass Israel häufiger in der norwegischen Presse auftaucht, als der mächtige Nachbar. Norwegens Medien sind besessen von Israel und viele hetzen auf verschiedene Weisen gegen das Land.

Die Anomalien mehrerer führender norwegischer Medien gehen oft über die übliche Einseitigkeit vieler anderer westlicher antiisraelischer Zeitungen hinaus. Sie berichten ohne weiteres über Dinge, mit denen sie Israel rügen können, aber die zahlreichen palästinensischen Verbrechen werden oft ausgelassen oder überaus lückenhaft gebracht. Man sucht in der Regel vergeblich nach Artikeln über das Parteiprogramm der Hamas, das deren Absicht,  Völkermord an den Juden zu verüben, anführt. Dasselbe gilt für die Glorifizierung von Mördern jüdischer Kinder durch die palästinensische Autonomiebehörde. Regelmäßige und durchsichtige Lügen von palästinensischen Ministern, Offiziellen und Medien bekommen nur selten Aufmerksamkeit, wenn überhaupt.

Norwegische Medien schauen oft weg, wenn es um die riesige Kriminalität und Verfehlungen beim humanitären Recht in der arabischen und muslimischen Welt geht. Zu erwähnen, dass es keine andere Religion gibt, in der mörderische, ideologische Kriminalität so sehr aufblüht wie in der islamischen Welt, ist genauso tabu.

Gelegentlich erscheint in einer der großen Zeitungen ein positiver Artikel über Israel. Das war vor kurzem der Fall bei einem Editorial in der drittgrößten Tageszeitung Dagbladet. Darin wurde sich über das fehlende Interesse in Norwegen bezüglich der vielen Kriegsopfer in Syrien im Vergleich mit einem Fokus auf Israel gewundert.

Gäbe es nicht die wenigen mutigen Leute wie die Redakteure der kleinen christlichen Wochenzeitschrift Norge Idag und den führenden norwegischen Blog Document.no, hätten die Norweger keine Möglichkeit, etwas darüber zu lesen, wie unausgewogen die Information zum Nahen Osten ist, mit denen sie vom staatlichen Fernseh- und Radiosender NRK und fast allen Medien gefüttert werden. Die kleine christliche Tageszeitung Dagen ist genauso mutig. Sie veröffentlichte vor kurzem einen meiner Artikel, in dem ich erkläre, warum Premierminister Jens Stoltenberg von der Arbeitspartei ein Teilzeit-Antisemit ist.

Anfang 2009 wurde ein englischsprachiger Blog namens Norway, Israel and the Jews gegründet. Er wurde gegründet, nachdem sein Blogger mein Buch Behind the Humanitarian Mask: The Nordic Countries, Israel and the Jews (Hinter der humanitären Maske: Die nordischen Länder, Israel und die Juden) aus dem Jahr 2008 gelesen hatte. Er hatte die darin enthaltenen Fußnoten zum norwegischen Antisemitismus und antiisraelischer Einseitigkeit überprüft. Zu seiner Überraschung waren alle Zitate korrekt. Der Blog – inzwischen von einer anderen Bloggerin bedient, die unter dem Pseudonym Miranda McGonagal schreibt – ist eine Hauptquelle für Informationen über weit verbreiteten norwegischen Antisemitismus geworden. Dieser wird weithin über Antiisraelismus zum Ausdruck gebracht.

2009 schlug eine Reihe Akademiker dem Verwaltungsrat der NTNU Universität Trondheim einen kulturellen/akademischen Boykott Israels vor. Detaillierte Beschreibungen, wie dieser Kampf gegen diesen Boykott von jüdischen und anderen Organisationen im Ausland geführt wird, sind nur zu Norwegen; Israel und die Juden zu finden. Die norwegischen Medien berichteten wenig und spät über diese Boykott-Aktion, die später vom NTNU-Verwaltungsrat niedergestimmt wurde.

Ein Beispiel dafür, wie die norwegische Presse unliebsame Informationen zum Land verschweigt, gab es im Sommer 2010, als der damalige US-Senator Sam Brownback dem norwegischen Botschafter in Washington einen Brief schickte. Darin gab er seinen Sorgen über norwegischen Antisemitismus und Antiisraelismus Ausdruck. Angehängt war eine detaillierte Beschreibung antisemitischen Handelns durch norwegische Minister, die auch König Harald V. involvierten. Zu dem Brief gab es in den norwegischen Medien fast völliges Schweigen. Man fragt sich allerdings, ob je ein anderer US-Senator geruhte, Norwegen wegen irgendetwas in diesem Land anzusprechen. Der Blog Norway, Israel and the Jews war der erste, der Brownbacks Brief veröffentlichte.

Norwegische Kritiker der von der norwegischen Arbeitspartei dominierten Regierung wurden nach den Massenmorden des kriminellen Anders Breivik im Juni 2011 noch stärker zum Schweigen gebracht. Premierminister Jens Stoltenberg behauptete fälschlich kurz danach, es werde noch mehr Offenheit (sic) und Demokratie in Norwegen geben. Das Gegenteil geschah, wie es der in Norwegen lebende amerikanische Autor Bruce Bawer beschrieben hat. Er veröffentlichte ein Buch mit dem Titel The New Quislings: How the International Left Used the Oslo Massacre to Silence Debate About Islam (Die neuen Quislinge: Wie die internationale Linke das Oslo-Massaker nutzte, um die Diskussion über den Islam zum Schweigen zu bringen).

Ich kann einige meiner eigenen surrealen Erfahrungen mit den norwegischen Medien hinzufügen. Ein Interview, das der Journalist Fredrik Graesvik mit mir führte, wurde im März 2009 vom wichtigen norwegischen kommerziellen Fernsehsender TV2 ausgestrahlt. Er übersetzte das meiste dessen, was ich sagte, korrekt. Graesvik warf jedoch ein, dass ich die Norweger als „Barbaren und nicht intellektuell“ ansähe, weil sie Wale und Seehunde töten. Das war eine starke Verfälschung meiner Worte.

Die Person bei TV2, die dieses verzerrte Interview für die Internetseite des Senders verschriftlichte, malträtierte meine Zitate noch mehr und behauptete fälschlich, ich hätte gesagt, „Norweger seien unintelligent und barbarisch“ und „Norwegen ist das antisemitischste Land in Europa“. Die norwegische Presseagentur NTB verbreitete diese falschen Zitate weiter. Sie wurden von vielen norwegischen Medien und einigen schwedischen Zeitungen aufgegriffen. Das Ergebnis: Ich bin jetzt im Besitz einer maßgeblichen Sammlung an Hassmails von Norwegern. TV2 gab dazu dem britische Holocaust-Leugner David Irving mehr als eine Viertelstunde Sendezeit, um seine Ansichten darzustellen. Der Sender zahlte seine Reisekosten und Spesen für den Trip nach Oslo.

Sidsel Wold, damals Israel-Korrespondentin des staatlichen Radios NRK, übertraf TV2 noch. Sie interviewte mich und behauptete hinterher, sie hätte das Interview versehentlich gelöscht. Statt mich erneut zu interviewen, erfand sie ein falsches Interview. Sie sammelte im Internet einige aufgezeichnete Texte von mir. Danach strahlte sie ein erfundenes Interview mit mir aus, das voller Entstellungen war und kritisierte danach den Text, den sie fälschlich mir zuschrieb. Dafür erhielt sie eine Unredlichkeits-Erwähnung bei HonestReportings Dishonest Reporter-Preis 2010. So wurde Wold eine der seltenen norwegischen Journalisten, die tatsächlich einen internationalen Preis gewannen.

Dr. Manfred Gerstenfeld hat 20 Bücher veröffentlicht, von denen einige Antisemitismus und Antiisraelismus zum Thema haben.

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