5 Gedankenspiele zu Gilad Shalit, vor denen man sich hüten sollte

HonestReporting Media BackSpin, 12. Oktober 2011

Israel und die Hamas bestätigten eine Übereinkunft zur Freilassung Gilad Shalits innerhalb der nächsten Tage. Es ist beruhigend zu wissen, dass ein Ende in Sicht ist. [Aber] man viel darüber diskutieren, ob es klug ist, Terroristen freizulassen; die Freude über Shalits Rückkehr überwiegt jedoch.

Da Gilad Shalit die Schlagzeilen der nächsten Tage dominieren wird, hier 5 Gedankenspiele, vor denen man sich hüten sollte.

1. Reinwaschung von Terror-Aktivitäten der Freigelassenen.

Einige der Namen, die wir in den nächsten Tagen lesen werden, scheinen einer Schurken-Galerie des Terrors entnommen. Marwan Barghouti zum Beispiel wurde vor einem Zivilgerichtshof wegen seiner Rolle bei Terroranschlägen mit 5 Todesopfern verurteilt. Mona Awana freundete sich übers Internet mit dem16-jährigen Ofir Rachum an und lockte ihn nach Ramallah, wo er von Awanas Kumpanen der Tanzim-Miliz ermordet wurde. Ahmed Sa’adat gab den Befehl, den israelischen Tourismusminister Rehavam Ze’evi zu ermorden.

Aktivismus wird von Aktivisten praktiziert und Terrorismus von Terroristen. Welche Vokabeln wird ihre Zeitung verwenden?


2. Die Hamas mäßigt sich.

Die Medien sagten dasselbe, als die Islamisten ihre Teilnahme an den palästinensischen Parlamentswahlen angekündigt hatten; und auch noch, nachdem sie diese gewonnen hatten – und immer, wenn sie an Verhandlungen zur nationalen Einheit teilnahmen, die zu keinem Ergebnis führten. Der Deal ist eine strategische Entscheidung ihrerseits, und sie werden weitere Entführungen planen.

Wie wir wissen, hat die Hamas sich erst dann wirklich gemäßigt, wenn sie Israels Existenzrecht anerkennt, auf Gewalt verzichtet und sich an die bisherigen Vereinbarungen hält, die Mahmoud Abbas nun aus dem Fenster schmeißt, wenn er bei der UNO für die Eigenstaatlichkeit wirbt.


3. Bibi entschied sich so, um Abbas zu schwächen.

Es trifft natürlich zu, dass so ziemlich alles, was die Hamas aufwertet, schlecht für Abbas ist. Aber das ist eine Auswirkung des Shalit-Deals und nicht dessen Ursache.

4. Jeglicher Kampf zwischen Israel und Gaza ist Teil einer Gewaltspirale.

Man kann davon ausgehen, dass Berichte in ihrer Rückschau auf den Konflikt und die Umstände, die zu Shalits Entführung geführt hatten, von einer „Gewaltspirale“ sprechen werden. Man wird stichwortartig, nicht wertend und auf höfliche Weise sagen, dass es ein blutiges Chaos war, das die Palästinenser anrichteten….und die Israelis reagierten darauf mit….was die Hamas veranlasste, dass sie…

Dummerweise bietet diese verkürzte Darstellung keinen Kontext. Diese wertneutrale Haltung setzt Terror mit der Abwehr gegen selbigen gleich. Und diese Höflichkeit ist unangebracht gegenüber Menschen, deren selbsterklärtes Ziel ist, Israel zu zerstören. Nichtsdestoweniger gibt es Wege, Kontext beizumengen, ohne Details darüber zu finden wie an anderer Stelle. Aber Gewaltspirale (und seine Verwandte Wie-du-mir-so-ich-dir) geht überhaupt nicht.


5. Wenn es keine israelische Sturheit gäbe, wäre Gilad Shalit unter den gleichen Bedingungen schon Jahre vorher freigelassen worden.

Mag sein. Wir kennen die Details über die Verhandlungen zum Gefangenenaustausch nicht, die unter Olmert und Netanyahu geführt worden waren. Aber man kann konstatieren: demokratische Gesellschaften wählen Führungspersonen, damit diese in bestem Glauben schwierige und Bauchschmerzen verursachende Entscheidungen treffen.

Und wissen Sie was? Während sich Euphorie in Gaza und der Westbank breitmacht, werden möglicherweise einige Palästinensern vorsichtig andeuten, dass, wenn die Hamas nicht so stur gewesen wäre, hunderte Gefangene schon Jahren vorher unter den gleichen Bedingungen freigelassen worden wären.

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Ein Kommentar - “5 Gedankenspiele zu Gilad Shalit, vor denen man sich hüten sollte”


  1. [...] 5 Gedankenspiele zu Gilad Shalit, vor denen man sich hüten sollte – mal sehen, was unsere Medien so an Wortspielen und Beschönigungen in Sachen Terroristen von sich geben. [...]


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