Wer verdreht die Geschichte der Unabhängigkeit Israels?

HonestReporting Media Backspin, 20. September 2011

Die Palästinenser wollen die Gründung Israels als Argument für ihren eigenen Vorstoß auf Staatlichkeit benutzen. Unglücklicherweise basieren einige der jüngeren Kommentare nicht auf akkuraten Fakten.

Die Behauptung: Henry Porter (The Observer):

Wir sollten uns daran erinnern, dass Israel, als es 1949 die Mitgliedschaft bei der UNO beantragte, damit argumentierte, dass Fragen zu Flüchtlingen und der Status Jerusalems eine bessere Chance auf eine Lösung hätten, wenn Israel die Eigenstaatlichkeit zuerkannt würde. Das ist genau die Position der Palästinenser. Abbas fordert nur, dass Palästinenser Israel in Verhandlungen gleichberechtigt treffen sollte.

Die Realität: Israels Unabhängigkeit kam nicht zustande, weil es von der UNO anerkannt wurde. Im Gegenteil. Israels Aufnahme in die UNO ergab sich aus seiner Unabhängigkeit.

Kurz gesagt: Großbritannien, das für das Mandat Palästina verantwortlich war, trat an die UNO heran und sagte: „Wir haben einen Bürgerkrieg am Hals und werden damit nicht mehr fertig. Was schlagt ihr vor?“

Im November 1947 befürwortete die UNO-Vollversammlung den Teilungsplan (eine Zweistaaten-Lösung), die die Araber zurückwiesen. Der Bürgerkrieg ging weiter; und als das Ende des britischen Mandats im Mai 1948 abzeichnete, bereiteten die Araber sich auf eine totale Invasion vor.

Am 14. Mai 1948, dem Tag vor dem Auslaufen des britischen Mandats, erklärte David Ben-Gurion Israels Unabhängigkeit. Obwohl die Streitkräfte Ägyptens, Syriens, Jordaniens, des Libanon und des Irak mit Unterstützung aus Saudi-Arabien und dem Jemen einfielen, sobald die Briten das Land verließen, waren die USA, die UdSSR und der Iran die ersten Länder, die den neuen jüdischen Staat anerkannten.

Nach dem Waffenstillstand von 1949 trat Israel der UNO bei und es hatte alle Merkmale der Eigenstaatlichkeit: eine einzige, souveräne Regierung, die dem Frieden verpflichtet war, definierte Grenzen (heute als Grüne Linie bekannt – was noch eine ganz andere, komplette Diskussion darstellt), eine permanente Bevölkerung und die Fähigkeit, Beziehungen mit anderen Staaten zu führen.

Die Aussage: Reza Alsan (LA Times):

1948, nachdem die UNO für die Teilung Palästinas stimmte, zog sich die Debatte der Weltmächte darüber hin, wie das Land geteilt werden sollte, und die Gewalt zwischen Juden und Arabern wurde schlimmer. Die Jewish Agency kam Verhandlungen zuvor und erklärte einseitig den Staat Israel; die Vereinigten Staaten erkannten ihn sofort an und die UNO akzeptierte die israelische Souveränität im Jahr darauf.

Die Realität: Zu der Zeit, als Ben-Gurion die Unabhängigkeit erklärte, wurden die Armeen von sieben Staaten bereits für eine Invasion zusammengezogen. Wen könnte Aslan als Israels Verhandlungspartner zeigen?

Die Aussage: Daoud Kuttab (The Scotsman):

Dies ist nicht das erste Mal, dass die UNO aufgefordert ist, im unlösbaren Nahost-Konflikt zu vermitteln; auch haben nicht nur Palästinenser das Thema angesprochen. 1947 stimmte die UNO dafür, das britische Mandat Palästina in einen jüdischen Staat und einen arabischen Staat zu teilen.

Die Realität: Es verdirbt die von Kuttab geschaffene Stimmung, aber die Araber lehnten die ursprüngliche Zweistaatenlösung der UNO vor 63 Jahren ab, zogen in den Krieg und verloren. Der Rest ist Geschichte. Die Realität tut weh.

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3 Kommentare - “Wer verdreht die Geschichte der Unabhängigkeit Israels?”

  1. manfredklaus Says:

    Ausgezeichnete Aufklärung über Geschichtsklitterung. Na ja, schon Luther schrieb vor 500 Jahren in seinem Buch “Die Lügen der Juden” , das von seinen eigenen Lügen nur so strotzt! Israel ist der Sündenbock der Welt, aber doch auch: Gottes Augapfel. Und wehe, wer den antastet!


    • @Manfred,

      Vorsicht!

      ich bin auch lutherischer Theologe :-)

      Aber ich habe deinen Kommentar schon richtig verstanden.

      Dennoch: man solte Luther nicht daraufhin reduzieren, was er gegen Ende seines Lebens gesagt hat: Die meisten seiner antijüdisch motivierten Tiraden (nicht antisemitischen) sind auf persönliche Probleme und theologische Verwirrtheiten/unerfüllte Erwartungen zurückzuführen. So wollte er zum Beispiel, dass die Juden noch vor seinem Tod “bekehrt” werden müssten.

      Kompliziertes Thema.

      Grüße
      Bernd; Admin


  2. [...] hat ein paar „wunderbare“ Fehldarstellungen der Staatsgründung Israels richtig gestellt, die dazu genutzt werden sollen die Palästinenser zu den Juden von heute zu machen und ihre [...]


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