Große Medien und die Bedeutung von ‘Mea Culpa’

HonestReporting Media BackSpin, 2. Mai 2011

Ich frage mich, ob westliche Journalisten, wenn sie anonyme israelische Quellen heranziehen, die in den israelischen Medien zitiert werden, sich bemühen, die Experten zu hinterfragen, von denen sie ihre Eingebung erhalten.

Wenn schließlich ein Kolumnist „hochrangige Sicherheitsbeamte“, “Spitzen des Verteidigungsministeriums” und “die gesamte obere politische Klasse“ so zitiert, dass sie Land-für-Frieden-Deal mit Syrien favorisieren würden, dann ist das ein dicker Hund. Aber anonyme Quellen können ihre Meinung ändern. Und ein israelischer Journalist könnte so weit gehen, ein Mea Culpa in eigener Sache zu verfassen.

Das ist von Bedeutung im Fall des israelischen Kolumnisten Sever Plocker, der eingestand, sich geirrt zu haben, als er früher um Unterstützung eines Land-für-Frieden-Abkommens mit Syrien geworben hatte – ein Standpunkt, den er, wie er sagte, in Gespräch mit israelischen Sicherheitskräften gewonnnen habe:

Dreimal in den vergangenen drei Jahren schrieb ich Artikel zu einem Friedensvertrag zwischen Israel und Syrien. Ich schrieb, basierend auf zahlreichen Gesprächen mit hochrangigen Sicherheitsbeamten, dass Israel mit Assads Regime Frieden schließen könne, wenn es im Gegenzug seine Bereitschaft erkläre, sich von den Golanhöhen zurückzuziehen, deren sicherheitsrelevanter Stellenwert fragwürdig geworden ist, wenn nicht sogar gänzlich unbedeutend.

Die drei Kolumnen, auf die Plocker verweist, enthalten Zitate, die normalerweise von ausländischen Journalisten aufgegriffen worden wären. Ob die Rolle rückwärts ähnliche Aufmerksamkeit erhält, bleibt abzuwarten….

Artikel 1: Anfang des Jahres, bevor irgendjemand eine Vorahnung vom „arabischen Frühling“ hatte, schrieb Plocker:

Ein Friedensvertrag mit Syrien scheint den vollen Preis wert zu sein, einschließlich einer sicheren syrischen Stellung am Ostufer des Sees Genezareth wie früher schon. Aus diesem Grund unterstützen hochrangige Beamte des Verteidigungsministeriums einen umfassenden Friedensvertrag mit Syrien im Austausch für einen vollständigen Rückzug aus dem Golan.

Artikel 2: Im Jahr 2007 schrieb Plocker:

Meine Gesprächspartner jedoch lenkten meine Aufmerksamkeit in eine völlig andere Richtung: Die Chancen auf einen Frieden mit Syrien. Ein hochrangiger Beamter des Verteidigungsministeriums, der inzwischen die Karriereleiter noch weiter nach oben gestiegen ist, benutzte teilweise harte Worte bei seiner Kritik an der Weigerung der Olmert-Regierung, mit den Syrern in Dialog zu treten; er nannte es “ein Verbrechen an der Nation” und eine “unendliche Tragödie.”

Aber auch andere vermittelten die gleiche Botschaft: Frieden mit Syrien ist machbar….

Artikel 3: Und im Jahr 2006 brachte Plocker ein ähnliches Argument. Online konnte ich den Originalartikel nicht finden, aber Plocker verwies selbst darauf. Hier das Schlüsselstück:

Fast die gesamte obere politische Klasse in Israel befürwortet ein Vorantreiben der Verhandlungen mit Syrien und ist bereit, mit dessen Konsequenzen zu leben. Dies ist die größte nationale Entscheidung, die Olmerts Kabinett vor die Türschwelle gefallen ist – ein Friedensabkommen mit Syrien wird dem amtierenden Regime in Teheran und seinen nuklearen und kriegerischen Ambitionen einen schweren Schlag versetzen und dazu beitragen, seinen Niedergang herbeizuführen.

Wenn es um anonyme Zitate geht, die in der israelischen Presse auftauchen, zieht die ausländische Presse häufiger Haaretz-Beiträge heran (manchmal mit Risiko). Aber auch die Jerusalem Post, Yediot, die großen Fernseh- und Radiosender sind nicht unbeteiligt.

Nun, da die syrischen Aufstandsbewegungen Plocker – und noch wichtiger, das Sicherheits-Establishment – zum Überdenken ihrer Standpunkte gebracht haben, wäre es für die großen Medien dann nicht angebracht, über diese Umwälzungen nachzudenken?

Oder sind die Mainstream-Medien nur an israelischen Kolumnisten interessiert, die ihre eigenen Ansichten bestätigt sehen wollen?

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