Wie wär’s zur Abwechslung mit einer Bahrain-Apartheid-Woche?

HonestReporting Media BackSpin, 22. Februar 2011

Eben las ich Nick Kristofs neuen Beitrag Apartheid in Bahrain?

Können Sie sich die Empörung vorstellen, wenn der Staat Israel die israelischen Araber und die Palästinenser in der gleichen Weise behandelte wie es Kristof am Beispiel des Umgangs der bahrainischen Sunnis mit den dort lebenden Schiiten aufzeigt?

Es herrscht Angst vor dem Pöbel, Misstrauen gegenüber einer vollständigen Demokratie und dem Anspruch auf Recht. Apartheid ist nicht ganz die treffende Metapher, weil es keine formelle Trennung gibt (auch wenn die Wohnviertel entweder überwiegend sunnitisch oder schiitisch geprägt sind), und die Leute pflegen gewöhnlich gute Beziehungen zu Angehörigen der jeweils anderen Glaubensrichtung. Aber wie kann ein System fair sein, wenn 70 Prozent seiner Bevölkerung nicht für den Dienst in der Armee zugelassen werden? Wie kann ein System, in dem die hochrangigsten Kabinettsposten allein von einer Familie besetzt werden, als fair bezeichnet werden?

Die Regierung spricht von “Einheit” und wirft der Opposition vor, Sektierertum zu unterstützen. Also bitte! Ein Freund aus den USA befand sich mitten im Treiben am Donnerstagmorgen, als die Polizei angriff. Sie schnappte ihn sich; aber als sie erkannte, dass er US-Amerikaner war, reagierte sie freundlich und sagte, dass sie hinter Schiiten her wären. Mein Freund sagte, dass ihm diese Erfahrung einen kalten Schauer bescherte –  ihm war so, als ob sie Ratten jagten. Und etliche Leute, die auch dort waren, sagten mir, dass die Polizei anti-schiitische Schimpfworte und Flüche gebrauchte, als sie Häftlinge misshandelten.

Diskriminierung in Bahrain wäre ein gutes Gesprächsthema für die Israel-Apartheid-Woche – vielleicht bald an einer Universität in Ihrer Nähe.

Letztendlich ist die heuchlerische Boycott-Divestment-Sanctions (BDS)-Bewegung mehr an Israel-Bashing interessiert als an sozialer Gerechtigkeit. Sie können also noch lange darauf warten, bis eine Bahrain-Apartheid-Woche ausgerufen wird.

Ein Grund mehr übrigens, israelische Demokratie zu exportieren.

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