LA Times-Stringer* gehen mit Israel Lobby-Mist hausieren

HonestReporting Media BackSpin, 18. Januar 2011

Gestresste westliche Nachrichtenmedien verlassen sich hauptsächlich auf die Zusammenarbeit mit freiberuflichen palästinensischen Journalisten und Fotografen, die sich in der West Bank auskennen: in der Umgebung, in der Sprache, im Umgang mit den Bewohnern und manches mehr. Umfangreiche Berichterstattung über die West Bank würde ohne Stringer zum Stillstand kommen.

Einer dieser Stringer auf meinem Radar ist LA Times-Freelancer Maher Abukhater. Der Ruf nach einer stärkeren politischen Einbeziehung der EU in einen Friedensprozess mag richtig sein. Aber Abukhater liegt völlig daneben, wenn er in der heutigen Ausgabe der Beiruter Tageszeitung Daily Star schreibt:

Anders als die USA, die eine Politik der blinden Unterstützung Israels aus verschiedenen Gründen verfolgt, hauptsächlich aber, weil die israelische Lobby den US-Kongress steuert, was letztendlich dem Weißen Haus die Hände bindet, hat Europa in der Tat seine Nahost-Politik weit mehr vorangebracht als die Vereinigten Staaten….

So tragen die Palästinenser einen Teil Mitschuld daran wegen ihres irrtümlichen Glaubens, dass nur die USA auf Israel einwirken könnten. Aber wegen einer US-Administration, deren Hände durch die Macht der israelischen Lobby in Washington gebunden sind, waren die USA nicht in der Lage, die Erwartungen zu erfüllen, und die Palästinenser wurden im Regen stehen gelassen.

Zur Klarstellung:

1. Jüdische US-Bürger haben wie alle Amerikaner das Recht, Einfluss auf ihre gewählten Volksvertreter auszuüben, was ihre Fragen betrifft, ob wir z.B. über Gesundheitsreformen sprechen, Studiengebühren, Umwelt etc. So funktioniert das Einmaleins der Demokratie nun einmal.**

2. Die amerikanische Öffentlichkeit identifiziert sich deshalb so stark mit Israel, weil viele gemeinsame Werte bestehen: Leben, Freiheit, Gleichheit, Demokratie, Redefreiheit, Verantwortungsbewusstsein und mehr. Bei der Palästinensischen Autonomiebehörde sucht man solche Werte vergeblich.

3. Zu behaupten, dass eine jüdische Gruppierung in der Lage wäre, den Kongress zu kontrollieren und das Weiße Haus in seinen Entscheidungen in dem Ausmaße zu beeinflussen, wie es Abukhater darstellt, entspricht bestenfalls kleinkarierter Ignoranz und schlimmstenfalls antisemitischer Verschwörungstaktik.

4. HonestReporting hat entlarvt, wie palästinensische Fixer ihre Medienbosse manipulieren und westliche Berichterstattung vergiften. Lesen Sie dazu auch Der Einfluss palästinensischer Stringer auf die ausländische Nachrichtenberichterstattung.

Abukhater kann seine Standpunkte vertreten. Aber eine große und einflussreiche Tageszeitung wie die LA Times sollte nicht jedem Journalisten vertrauen, der mit solch einem Mist hausieren geht.

————–
* Stringer = Freelancer, siehe Wikipedia

** Ich kann mich nicht daran erinern, dass sich muslimische (arabischstämmige) US-Amerikaner schon einmal darüber beschwert hätten, dass ihre Lobbyarbeit unangemessen groß wäre. Und das nicht zu knapp wie wir wissen.  Weshalb wohl hat Obama seine nach Amtsübernahme 2008 gemachte Ankündigung, Jerusalem sei unteilbare (!) Hauptstadt Israels, so schnell wieder zurückgenommen? Sicher nicht deshalb, weil ihn eine “Jüdische Lobby” dazu gedrängt hätte. [bd].

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2 Kommentare - “LA Times-Stringer* gehen mit Israel Lobby-Mist hausieren”

  1. Reiko Says:

    zur Korrektur: Obama: “Israel sei unteilbare (!) Hauptstadt Israels” – richtig “Jerusalem”


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