Studie: Selbstzensur bei palästinensischen Reportern weit verbreitet

Verfasst 19. Oktober 2014 von yvainedewinter
Kategorien: Medienwelt, Nahost-Konflikt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

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Alex Margolin, HonestReporting, 20. Oktober 2014
(Übs.: Yvaine de Winter)

SelfCensorship

Was können interessierte Leser tun, wenn sie eine Vorstellung von dem bekommen wollen, was in den Palästinensergebieten wirklich geschieht?

Wie sich herausstellt, ist es dabei das schlechteste, die palästinensische Presse zu lesen.

Eine Studie zeigt, dass gewaltige 80% der palästinensischen Journalisten eine Art Selbstzensur betreiben, und 68% der Journalisten „sagten, einiges von ihrem journalistischen Material und dem ihrer Kollegen durfte oftmals überhaupt nicht veröffentlicht werden“.

In der vom Palestinian Center for Development and Media Freedoms (MADA) durchgeführten Studie sagten nur 19% der palästinensischen Journalisten, sie hätten bei ihrer Arbeit niemals Selbstzensur betrieben.

Das bedeutet, dass nur einer von fünf palästinensischen Reportern den Versuch gemacht hat, die ganze Geschichte darzustellen, und nur einer von drei bekam seine Berichte nicht ständig abgelehnt und verworfen.

Selbstzensur bzw. die bewusste Zurückhaltung von Informationen ist besonders heimtückisch, da sie den Machthabern die Kontrolle über den Informationsfluss erlaubt, ohne den Anschein zu erwecken, auf die Journalisten Druck auszuüben.

Für gewöhnlich betreibt man Selbstzensur aus Angst vor Strafe oder Vergeltung in irgendeiner Form, wenn man nicht an der „Parteilinie“ festhält. Im letzten Gazakrieg beispielsweise haben Hamas-Terroristen die internationalen Presseleute aufmerksam verfolgt und begleitet, weshalb es praktisch keine Fotos davon gab, wie die Hamas Raketen auf Israel schießt.

Aber Selbstzensur kann auch stattfinden, wenn palästinensische Journalisten ihre Position zur Unterstützung eines politischen Standpunkts benutzen, z. B. der Antinormalisierungsbewegung in den Palästinensergebieten, die jede Form der Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinensern unterbinden möchte.

In jedem Fall ist der größte Verlierer bei dieser Praxis die Öffentlichkeit, die sich auf die Medien verlässt.

Zwar betrachtet die Studie die Selbstzensur als interne palästinensische Angelegenheit, sie hat aber auch Effekte weit über die Palästinensergebiete hinaus.

Westliche Reporter, die in den Palästinensergebieten arbeiten, verlassen sich oft auf palästinensische Mittelsmänner, Dolmetscher und Führer. Zensieren palästinensische Reporter ihre eigenen Berichte, wie können dann westliche Journalisten mit Sicherheit wissen, dass die Leute, auf deren Aussagen sie sich für ihre eigenen Storys verlassen, nicht dasselbe tun?

Und was noch wichtiger ist: Die Studie beweist aufs Neue, dass jede Information aus einer Region, die weder die Meinungsfreiheit unterstützt noch eine freie Presse unterhält, niemals hundertprozentig verlässlich sein kann.

Meinungsfreiheit – aber pass auf, was du sagst!

Verfasst 9. Oktober 2014 von heplev
Kategorien: Die Welt und Nahost

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Alex Margolin, HonestReporting.com, 2. Oktober 2014 (übersetzt von Cora)


In der bekloppten Welt der Campus-Debatten scheint es, als wäre ein Aufruf Israel zu boykottieren ein akzeptabler Ausdruck der Meinungsfreiheit, selbst wenn die Ausübung selbst – durch die Festlegung politischer Kriterien für jene, welche an der Diskussion teilnehmen dürfen, und welche nicht – die Verletzung der Redefreiheit bedeutet.

Denn eine Liste von Professoren zusammenzustellen, die den akademischen Boykott unterstützen, so wie es ein Wachhund namens AMCHA Anfang September gemacht hat, ist „erbärmlich“, denn sie ist „dazu geeignet, die Diskussion zu ersticken“ und den akademischen Austausch zu „schwächen“, so 40 Professoren für jüdische Studien in einem öffentlichen Brief, der letzte Woche veröffentlicht wurde.

„AMCHAs Taktik ist dazu angetan, die Diskussionen über Dinge, die in Israel und in der ganzen Welt debattiert werden, zu ersticken und die Annahme, dass Studenten vor ihren eigenen Universitäten geschützt werden müssen, ist unangebracht und destruktiv. Bemühungen dieser Art fördern nicht gerade die akademische Integrität, stattdessen dienen sie dazu, die Formen des akademischen Austauschs abzuwürgen, die die Lebensader der Universitäten sind.“

AMCHA, welche die Anti-Israel Aktivitäten auf über 300 Campusen in den USA beobachtet, veröffentlichte eine Liste von Professoren, welche zuvor in diesem Sommer einen Aufruf zum akademischen Boykott unterzeichnet hatten. Der ausdrückliche Zweck der Liste war, die Studenten über die offen ausgesprochene Ansichten der Professoren zu informieren, so dass sie nicht unvorbereitet in deren Seminare kommen.

„Studenten, welche mehr über den Mittleren Osten erfahren möchten, ohne sich dabei einer Anti-Israel Verleumdung oder möglicher antisemitischer Rhetorik auszusetzen, möchten vielleicht prüfen, welche Mitglieder der Fakultät unterschrieben haben, bevor sie sich anmelden. In der Petition rufen die Professoren ihre Kollegen der Mittel-Ost Studien dazu auf „israelische akademische Institutionen zu boykottieren“ und bitten darum, „nicht an Projekten und Veranstaltungen, in denen israelische akademische Institutionen involviert sind, teilzunehmen oder mitzumachen, nicht an Konferenzen oder anderen Veranstaltungen zu lehren oder beizuwohnen bei denen diese Institutionen vertreten sind und in keinem akademischen Journal zu veröffentlichen, das in Israel herausgegeben wird.“

Angesichts der harten Worte dieses öffentlichen Briefes der Professoren für jüdische Studien, fällt es schwer, jemand anderen zu finden, der die Anschuldigung, Diskussionen abzuwürgen besser erfüllt, als jene, die AMCHA dessen beschuldigen. Wenn die Nennung der Professoren, die öffentlich eine gewisse Meinung vertreten haben, „fehlgeleitet und zerstörerisch“ sein soll, was ist dann die Aufforderung dazu zu schweigen, um den „geistigen akademischen Austausch, der die Lebensader der Universitäten ist“ zu fördern? Jonathan Tobin stellt in im Commentary Magazine fest, dass die Akademiker ihre Prioritäten falsch gesetzt haben.

„Anstatt zu versuchen, AMCHA zum Schweigen zu bringen, sollten die jüdisc hen Akademiker die Eier haben, sich den wachsenden antizionistischen und antisemitischen Aktivitäten auf den Campusen entgegen zu stellen. Wenn sie das nicht tun, dann werden sie früher oder später feststellen müssen, dass sie als Juden nicht nur bei den Mittel-Ost Studien nicht willkommen sind.“

Oder wie der Rapper Ice-T vor zwei Jahrzehnten weise sagte: Meinungsfreiheit – aber achte darauf, was du sagst.

Die fünf größten Fälle von Medien-Versagen im Gaza-Krieg 2014

Verfasst 7. Oktober 2014 von heplev
Kategorien: Medienwelt, Weltmedien und Nahost

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Alex Margolin, HonestReporting, 16. September 2014 (Übersetzt von Cora)

Die Berichterstattung in Kriegszeiten mag für die Medien die ultimative Herausforderung sein. Doch der Konflikt zwischen Israel und der Hamas offenbarte einmal mehr die ernste Beschränkung des traditionellen Jouranlismus. Fünf Versager stechen besonders heraus.

Die 5 größten Medien-Versager
Ausgabe Gaza-Konflikt 2014

Medien Versagen # 1

Opferbilder als moralisches Barometer

Reporter vertrauten Zahlen, die ihnen von Gazas Gesundheitsministerium, das der Hamas untersteht, mitgeteilt wurden, und das, obwohl die Hamas ein strategisches Interesse an einer Inflation der Anzahl hat

Col. (Reserve) Reuwen Ehrlich vom Mei Amit Intelligence and Information Centre prüfte die Namen, die vom Gesundheitsministerium in Gaza herausgegeben wurden.

„Die Liste wurde hastig erstellt und später wurden Änderungen vorgenommen. Es gab eine Anzahl falscher Namen, die aufgelistet wurden, die Details der Todesursachen waren nur unvollständig, was die Identifikation verdächtigt macht. Es gab Namen, die mehr als einmal verwendet wurden und einige sind eher durch eigenen Beschuss, als durch die israelische Armee umgekommen. Die Liste unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Terroristen. Alle Toten auf der Liste werden „Shahids“ (Märtyrer) genannt.“

Viele Medienangaben behaupten, dass es sich bei 80% um zivile Opfer handelt.

Aber ein Bericht der New York Times fand heraus, dass ein verdächtig hoher Anteil der Opfer Männer im Alter zwischen 20 und 29 Jahren waren – das Hauptalter der Hamasterroristen.

Die Mainstream Medien präsentieren häufig eine Opferaufrechnung – die Anzahl der Palästinenser neben der Anzahl der Israelis.

Diese Aufzählung hat einen moralischen Unterton. Berichte ohne Hintergründe suggerieren, dass Israel der Aggressor war oder die Bedrohung Israels übertrieben wurde.

Doch die „Anzahl“ ist nicht die ganze Geschichte. Sie zeigen nicht die Anstrengung Israels, seine Zivilisten zu schützen und es schließt nicht in die Rechnung mit ein, mit welchen Mitteln die Hamas Zivilisten in Gefahr brachte, indem sie reine Wohngebiete zu Kriegsschauplätzen machte.

Wie Bret Stephens im Wall Street Journal schrieb:
„Der einzige Nutzen der Leichenzahlen besteht darin, den Reportern und Kommentatoren die ultimative Möglichkeit zu geben, Israel die Schuld zuzuschieben während sie den Fragen nach der tatsächlichen Verantwortung für das Morden ausweichen.“

Medienversagen # 2

Das Syndrom des „geprügelten Journalisten“

Die Hamas schüchtert Journalisten ein.

Die Situation in Gaza war so schlimm, dass die Foreign Press Association (FPA) eine verichtende Verurteilung des Benehmens der Hamas gegenüber den Journalisten herausbrachte.

Aus dem Statement der Foreign Press Association:

„Die FPA protestiert auf Schärfste gegen die aufdringlichen, ständigen, gewalttätigen und unlauteren Methoden der Hamas-Authoritäten und ihrer Vertreter gegenüber den internationalen Journalisten, die Gaza in den letzten Monaten besuchten …

In mehreren Fällen wurden ausländische Reporter, die in Gaza arbeiteten, schikaniert, bedroht oder über ihre Geschichten ausgefragt oder über Informationen, die sie über ihre Nachrichtenmagazine oder durch die Sozialen Medien weitergaben.“

Erstaunlicherweise war die Antwort einiger der einflussreichsten Journalisten, die über Gaza berichteten, darauf, dass die ganze Sache übertrieben sei.

Die Chefin des Jerusalemer Büros der New York Times, Jodi Rudoren, nannte das Statement der FPA via Twitter „Unsinn“.

Joshmitnick

Foreign Press Ass. Protestiert gegen aufdringliche, ständige, gewalttätige Hamasbelästigungen, Drohungen gegen Reporter in #Gaza pic.twitter.com

Jodi Rudoren

@ joshmitnick: Jeder Reporter, den ich getroffen habe und der in Gaza während des Krieges war, sagt, dass die israelische/jetzt FPA Darstellung Unsinn ist.

Warum geht jemand hin und spielt etwas gezielt herunter, das offensichtlich Auswirkungen auf die Darstellungen hat, die über diesen Konflikt auftauchen?

TRANSPARENZ

Wenn Reporter transparent über die Herausforderungen berichteten, dann zugeben müssten, dass die Hamas auf vielen Ebenen Anstrengungen unternahm, die Kontrolle über alle Berichte zu bekommen, die aus Gaza kamen.

Wie der Journalist Michael Totten nach der Veröffentlichung des AFP Statements schrieb:

„Der Gazakrieg war natürlich eine große Geschichte und es musste darüber berichtet werden. Aber es hätte genauso gut von der israelischen Seite der Grenze aus aufgedeckt werden können. Über beide Seiten der Geschichte zu berichten ist natürlich, wann immer es geht, vorzuziehen, doch eine ausgewogene Berichterstattung von Israel aus mit den zensierten Berichten aus Gaza zu vergleichen, ist eine journalistische Vernachlässigung der Sorgfalt. Hört auf damit!“

Medienversagen # 3

Fehlende Informationen werden nicht bekannt gemacht

Viele Journalisten und Fotografen behaupten, dass sie bei ihrer Arbeit von der Hamas nicht behindert wurden, aber sie konnten auch nicht glaubhaft erklären, warum es so wenige Bilder von Hamaskämpfern in Aktion gab.

 

Der Starfotograf der New York Times, Tyler Hicks, sagte, dass er überhaupt keinen Terroristen oder Raketenrampe gesehen habe. „Es war als gäbe es sich gar nicht.“ sagte er.

Und so haben die meisten Bildreihen das Geschehen auch behandelt – als ob es keine Raketenabschussrampen und Leute, die diese auf Israel abgeschossen hatten, gegeben habe.

Dagegen gab es keinen Mangel an Fotos von Palästinensern, die auf die israelischen Luftangriffe reagierten. In unzähligen Fotostrecken aus Gaza war es schwer auszumachen, dass hier zwei Seiten kämpften, nicht nur eine.

Mediale Veröffentlichungen haben die Pflicht, den Leser wissen zu lassen, wenn etwas fehlt.

Medienversagen # 4

Überbetonung grausamer Kriegsbilder

Während es aus den Tagen schwerster Kämpfe in Gaza buchstäblich keine Bilder von Hamaskämpfern gibt, findet man Bilder von Kindern und Babys, die bei israelischen Luftangriffen verletzt wurden, in Hülle und Fülle.

Aber das verdreht die Auseinandersetzung in Gaza aufs Schlimmste. Nimmt man das Fehlen der Bilder von Hamaskämpfern dazu, wird die Botschaft klar: Israel ist ein Aggressor, der auf Kinder zielt.

Tatsächlich aber kämpfte Israel um seine Bevölkerung vor Raketenbeschuss und Tunnel unter seiner Grenze zu beschützen.

Medienversagen # 5

Das Versagen, die tatsächlichen Ziele der Hamas klar zu stellen.

Während der Wochen der Kämpfe und vor allem während der Perioden, in denen über einen Waffenstillstand verhandelt wurde, behaupteten die Medien, dass die Hauptmotivation der Hamas entweder die Aufhebung der Blockade rund um Gaza, oder die Eröffnung eines Hafens oder Flughafens sei.

Aber warum hat die Hamas dann Jahre darauf verwendet, ein Tunnelsystem und Bunker zu bauen, die die Grenze unterqueren und weit bis nach Israel hineinreichen?

Es wäre ehrlicher, wenn man darauf hinweisen würde, dass sich die Hamas der Vernichtung Israels verschrieben hat.

Ihre Charta sagt das deutlich:

„Die islamische Widerstandsbewegung ist ein Glied in der Kette im Kampf gegen die zionistischen Invasoren. Sie geht zurück auf das Jahr 1939 … und auf die Muslimbruderschaft im Krieg 1948 und den Jihad Operationen der Muslimbruderschaft in den Jahren 1968 und danach …

Die islamische Widerstandsbewegung strebt nach der Realisierung des Versprechen Allahs, egal wie lange es dauern mag. Der Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, hat gesagt:

„Der Tag des Gerichtes wird nicht kommen, bis die Muslime die Juden bekämpfen (Juden töten), während sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken. Die Steine und Bäume werden rufen: Oh Muslim, oh Abdullah, da ist ein Jude hinter mir, komm und töte ihn …“

Die Medien haben die Verpflichtung den Konflikt als das darzustellen, was er ist: Die Aggressionen einer Terroristengruppe, die darauf hinarbeitet, Israel zu zerstören und Israels Anstrengungen, seine Bürger zu beschützen.

S.E. Cupp schrieb in der New York Daily News:

Es wird selten in einem Nachrichtenbericht erwähnt, dass das vorrangige Ziel der Hamas, ihr Hauptziel, das, was sie wirklich will und wozu ihr militärischer Arm geschaffen wurde und entschlossen ist, die totale Vernichtung Israels und die Auslöschung der Juden ist.

Das ist eine entscheidende Komponente, die in den Berichten regelmäßig ausgelassen wird. Aber jede Story, die das nicht als Hauptforderung der Hamas erwähnt, ist weder intellektuell ehrlich noch vollständig.

Der Telegraph weigert sich Jerusalem in Israel zu verorten

Verfasst 7. Oktober 2014 von heplev
Kategorien: Europ. Medien und Nahost

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Simon Plosker, HonestReporting 2. Oktober 2014 (Übersetzung: Cora)

In der Sparte Reisen des Telegraph wurden in einer Diashow die Fotos der 20 ältesten Städte der Welt publiziert. Sie enthält Orte wie „Athen, Griechenland“, „Beirut, Libanon“, „Larnaca, Zypern“ und „Damaskus, Syrien“.

Aber schaut mal auf die Überschrift zu dem Foto von Jerusalem (zum Vergrößern, klicken)

telegraphjerusalem2

„Jerusalem, Naher Osten“

Ein Leser von HonestReporting kontaktierte den Telegraph um zu fragen, wie man darauf käme. Dies war die Antwort:

„Da es nach internationalem Recht umstritten ist, griffen wir auf Naher Osten zurück um Streit zu vermeiden. Ost Jerusalem ist durch die UN nicht als israelisch anerkannt. Daher zogen wir es vor, neutral zu bleiben und benutzten Naher Osten.“

Geht man davon aus, dass dies eine Diashow ist, die sich eher mit der geografischen Lage denn mit der Politik dieser 20 Städte beschäftigt, ist es da vom Telegraf wirklich zu viel verlangt, das Offensichtliche festzustellen?

Wir haben es schon erlebt, dass sich die Medien absichtlich damit zurückhielten, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Aber auch noch den Standort nicht anerkennen? Das hat weniger mit Neutralität von seitens des Telegraph zu tun, sondern gehört eher zum Bereich krasser Dummheit.

Erekats neueste faustdicke Lüge: 96% der Toten in Gaza waren Zivilisten

Verfasst 6. Oktober 2014 von yvainedewinter
Kategorien: Antisemitismus, Die Welt und Nahost, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser, UNO

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Alex Margolin, HonestReporting, 6. Oktober 2014
(Übs.: Yvaine de Winter)

Erekat

Man muss sich fragen, warum seriöse Medien den Palästinenserfunktionär Saeb Erekat, der es mit der Wahrheit nicht sehr genau nimmt, überhaupt einladen. Es muss wohl am Unterhaltungswert seiner wahnwitzigen Aussagen liegen.

Und auch sein kürzlicher Auftritt im Army Radio war in dieser Beziehung keine Enttäuschung.

Erekat offenbarte, ganze 96% aller getöteten Palästinenser seien Zivilisten gewesen. Die Zahl übersteigt bei weitem die von den Vereinten Nationen angeführten Zahlen, die sich um die 75% bewegen und hauptsächlich auf Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums in Gaza beruhen. Israelischen Angaben zufolge waren zirka die Hälfte der im Krieg getöteten Einwohner Gazas Mitglieder der Hamas oder anderer Terrorgruppierungen.

Der Opferzahlendisput wird wahrscheinlich noch monatelang weitergehen. Zumindest in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit wird diejenige Seite tatsächlicher Gewinner des Gaza-Krieges sein, die die Welt davon überzeugen kann, mit größerer Moral und Sorgfalt gehandelt zu haben. Und Erekats große Lüge soll die Behauptung der Palästinenser untermauern, Israel habe in Gaza übermäßige Gewalt angewendet.

Erekat war natürlich auch der Palästinenserführer gewesen, der behauptet hatte, 2002 in Jenin seien 500 Palästinenser getötet worden. Die tatsächliche Zahl lag bei weit unter 100, und es gab auch beträchtliche israelische Opferzahlen. Laut Haviv Rettig Gur ist diese Art von Behauptung Teil einer umfassenderen Strategie, die auch von der BDS-Bewegung angewendet wird, um Israel international zu isolieren.

Die globale BDS-Kampagne, die von palästinensischen Zivilgruppen unter der Leitung der Fatah angezettelt wurde, sowie die Verbreitung völlig abwegiger Lügen bzw. Verzerrungen zum Leid der Palästinenser (vom „Jenin-Massaker“ 2002 bis zur Behauptung des obersten Friedensunterhändlers diese Woche, 96% der im Gaza-Krieg diesen Sommer getöteten Palästinenser seien Zivilisten gewesen) soll internationalen Druck auf Israel lenken. Dieser Druck wird Auswirkungen haben, die palästinensische Unterhändler nicht am Verhandlungstisch erreichen könnten.

Rettig Gur hat recht, dass das permanente Aufbauen internationalen Drucks auf Israel durch Methoden der Palästinenserführung eine Taktik ist, um bei den Verhandlungen in eine bessere Position zu kommen. Den Köpfen der BDS-Bewegung jedoch geht es nicht um Verhandlungen – sie wollen Israel isolieren, um seine Legitimität zu unterwandern und letztendlich seine jüdische Identität zu zerstören.

Bild: CC BY Münchner Sicherheitskonferenz/Tobias Kleinschmidt via Wikimedia Commons

Amira Hass: Wenn nur Journalisten, die uns passen, willkommen sind

Verfasst 5. Oktober 2014 von yvainedewinter
Kategorien: Antisemitismus, Araber, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Pesach Benson, HonestReporting, 1. Oktober 2014 (Übs.: Yvaine de Winter)

JournalistsActivists

Was ist an diesem Bild verkehrt?

Die israelische Journalistin Amira Hass berichtete über eine Konferenz an der Bir-Zeit-Universität. Sie war ehrlich mit den palästinensischen studentischen Organisatoren, die bei der Veranstaltung aushalfen, und gab an, dass sie für Haaretz arbeitet.

Hass sagt, sie habe 20 Jahre lang über Veranstaltungen berichtet und Palästinenser am Ramallah-Campus interviewt und sei mit vielen von ihnen befreundet. Es gab keinen Grund zu glauben, die Konferenz am Dienstag mit dem Titel „Alternativen zur neoliberalen Entwicklung im besetzten palästinensischen Territorium – kritische Perspektiven“ sei anders als andere akademische Plaudereien, über die sie berichtet hatte.

In den vergangenen zwanzig Jahren war ich Dutzende Male in der Birzeit-Universität und saß dort bei verschiedenen akademischen Konferenzen im Publikum. Ebenso interviewte ich Universitätslehrkräfte auf dem Campus und auch außerhalb.

Aber dieser Dienstag war anders.

Zwei der Dozenten forderten Hass auf zu gehen.

Israelische Juden sind auf dem Campus nicht gestattet. Studenten könnten in die Konferenzhalle einbrechen, um gegen ihre Präsenz zu protestieren. Palästinensische Studenten brauchen eine sichere, israelfreie Zufluchtsstätte. Hass sollte angeblich gehen, um ihre eigene Sicherheit zu wahren. Es gab Gerüchte, die langjährige Haaretz-Kolumnistin sei angegriffen worden.

Hass’ Freunde sympathisierten mit ihr – einige verließen aus Protest sogar die Konferenz -, aber die lebhafte Lobby im Said Khoury Development Studies Building war nicht die geeignete Plattform, um über die Politik der Universität zu diskutieren.

Also ging sie.

Amira-HassAmira Hass

Ich weiß, wie es ist, als Reporter in einem Raum voller Leute zu sein, die dich nicht unbedingt bei sich haben wollen. Man fühlt, wie die Augen auf einem ruhen. Mental priorisiert man die Informationen, die man haben will, falls man zu einem vorzeitigen Abschied veranlasst wird. Man formuliert witzige Einzeiler im Geiste, um aufdringliche Leute zum Schweigen zu bringen.

Auch wenn man innerlich nervös ist, macht man seinen Job, denn das wird von professionellen Journalisten erwartet.

Und wenn man gehen muss, geht man. Die Geschichte schreibt man trotzdem.

Hass’ Reaktion war jedoch, ihre ungerechtfertigte Behandlung zu rechtfertigen:

Ich verstehe das emotionale Bedürfnis der Palästinenser nach einem sicheren Raum, der den Bürgern jenes Landes nicht zugänglich ist, das ihnen ihre Rechte vorenthält und ihr Land raubte. Als Linke jedoch hinterfrage ich die antikolonialistische Logik des Boykotts von linken israelisch-jüdischen Aktivisten. Solche Linke streben nach keinem Koscher-Zertifikat, während sie sich der Besatzung entgegenstellen und dem jüdischen Privilegien-Regime ein Ende setzen wollen.

Das Problem dabei ist, dass es hier nicht wirklich um „sicheren Raum“ geht, was durch die viele Zeit bewiesen wird, die Hass vorher an der Bir-Zeit-Universität verbracht hatte.

Hier geht es um die machtvolle palästinensische Bewegung gegen die Normalisierung der Beziehungen zu Israel. Diese Antinormalisierungsbewegung stellt sich Unternehmern entgegen, die mit Israelis arbeiten, gegen Friedensdelegationen an der gesellschaftlichen Basis, selbst gegen nichtpolitische Wohlfühlveranstaltungen wie eine Fußballklinik mit Lionel Messi und dem FC Barcelona.

Und zu verschiedenen Gelegenheiten hat die Antinormalisierungsbewegung auch Hass’ professionelle Kollegen bedroht, israelische Journalisten, die in der Westbank arbeiten. Hier einige Beispiele:

1. Unterbrechung einer Pressekonferenz in Ramallah wegen der Anwesenheit israelischer Journalisten.
2. Bedrohung des Lebens des erfahrenen arabisch-israelischen Journalisten Mohammed Najib, der Menschen auf Ramallahs Straßen für i24 News interviewte.
3. Der Beinahemord an Times-of-Israel-Reporter Avi Issacharoff.
4. Der Boykott von Aktivitäten am Internationalen Tag der Pressefreiheit, da diese vom US-Konsulat gesponsert wurden.

Hass besuchte Bir Zeit als Reporterin, suchte nach einer Story und blieb am Puls der Palästinenser. Das tun Journalisten im öffentlichen Interesse. Doch als Hass ihren Rauswurf aus Bir Zeit schönredet, schreibt sie als Aktivistin, nicht als Journalistin. (Hinsichtlich Haaretz und deren offen dargelegter politisierter Agenda überrascht das nicht wirklich.)

Ihre Antwort ist auch nicht so extrem wie die von Robert Fisk (Nachdem der britische Journalist 2001 von afghanischen Flüchtlingen verprügelt wurde, schrieb er: „Wäre ich ein afghanischer Flüchtling in Kila Abdullah, hätte ich genauso gehandelt. Ich hätte Robert Fisk angegriffen. Oder irgendeinen anderen Westler, den ich hätte finden können.“), aber sie begibt sich auf Glatteis gegenüber israelischen Reportern, die von Antinormalisierungs-Hitzköpfen angegriffen wurden und solche Übergriffe auch in Zukunft zu befürchten haben.

Bir Zeits Stellungnahme zu dem Vorfall skizziert die Politik des Campus als israelfreie Zone.

Die Universitätsgemeinschaft ist stolz darauf, dass sie den akademischen Boykott Israels wahrt. Dieser Boykott bezieht sich jedoch auf Institutionen, nicht auf Individuen, insbesondere im Falle von Personen, die bewiesen haben, dass sie wie Journalistin Hass auf der Seite der Menschlichkeit und Gerechtigkeit stehen.

Doch Hass war dort in ihrer Eigenschaft als Reporterin für Haaretz, einer israelischen Institution.

Was Bir Zeit in Wirklichkeit sagt, ist, dass nur Journalisten willkommen sind, die ihnen passen.

Als Journalistin sollte diese Politik für Hass unhaltbar sein, selbst wenn (oder sogar besonders weil) sie auf der Empfängerseite steht. Doch als Aktivistin gibt Hass letztlich ihr Einverständnis.

Bild: CC BY-SA HonestReporting, flickr/Keoni Cabral, Hass via YouTube/FrancePalestine

Wie man eine „Siedlungskrise“ erschafft

Verfasst 4. Oktober 2014 von yvainedewinter
Kategorien: Araber, Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Israel, Medienwelt, Nahost-Konflikt, NGOs, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

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Simon Plosker, HonestReporting, 02.10.2014

givathamatosmonopoly

Es ist wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Der israelische Premierminister Netanyahu trifft sich mit US-Präsident Obama, und die Medien sind voll mit Geschichten über israelischen Siedlungsbau und Verurteilungen sowohl vom Weißen Haus als auch vom US State Department.

Wie kam es also zu dieser „Verkettung unglücklicher Umstände“?

Zuallererst wäre so etwas ohne die vollkommen siedlungsbesessenen Medien nicht möglich gewesen. Ungeachtet all dessen, was in der Region vor sich geht, schließen sich viel zu viele noch immer unhinterfragt dem Narrativ an, der Bau von jüdischen Wohnhäusern (in diesem Fall in einem Stadtteil Jerusalems) sei das größte Friedenshindernis im Nahen Osten.

Rechnen Sie zweitens die symbiotische Beziehung zwischen den Medien und nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) mit ein, insbesondere derjenigen, die Israels Politik gegenüber kritisch eingestellt sind. Die Washington Post sieht die Dinge bei ihrem Bericht über die Baupläne für Givat Hamatos in Jerusalem richtig:

Die Siedlungsentwicklung war jahrelang in Planung, befand sich jedoch bis letzte Woche auf Eis. Letzte Woche gab die Regierung eine öffentliche Bekanntmachung heraus, was ihr erlaubte, Angebote entgegenzunehmen und mit dem Bau zu beginnen. Die Bekanntmachung erhielt jedoch keinerlei Aufmerksamkeit, bis die israelische Lobbygruppe Peace Now kurz vor dem Treffen zwischen Obama und Netanyahu eine Pressemeldung über sie veröffentlichte.

Tatsächlich wurde alles erst zu einer Story, als das hier im E-Mail-Postfach ausländischer Journalisten landete:

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Also hielt Peace Now diese Pressemeldung bewusst für eine ganze Woche bis zu dem Zeitpunkt zurück, von dem sie wussten, dass sie in der Presse maximale Zugkraft haben und Netanyahu auf seiner US-Reise noch mehr Kopfschmerzen bereiten würde. Und dies trotz der Tatsache, dass der Bau in Givat Hamatos schon im Dezember 2012 genehmigt worden war.

Aber z. B. für die Times of London ist das eine brandneue Siedlung und kein Bau in einem bereits existenten Bereich von Jerusalem:

Spaltungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten traten zutage, als Stunden vor einem Treffen zwischen den Oberhäuptern beider Nationen eine kontroverse neue jüdische Siedlung genehmigt wurde.

Es ist keine „neue jüdische Siedlung“, und sie wurde ganz gewiss nicht Stunden vor dem Treffen zwischen Netanyahu und Obama genehmigt.

givathamatos

Im Bild oben: Givat Hamatos ist rot umrandet, blau sind die jüdischen Stadtteile, braun sind die arabischen Stadtteile.

Was ungeachtet israelischer Medien in der Pressemeldung ebenfalls fehlt, ist die Tatsache, dass die Hälfte der Wohneinheiten in Givat Hamatos für arabische Bewohner bestimmt ist. Bei den Argumenten bezüglich Siedlungen in Jerusalem wird generell missverstanden, dass man arabische Einwohner Jerusalems oder israelische Araber nicht legal davon abhalten kann, Immobilien innerhalb der Stadtgrenzen zu kaufen, zu mieten oder dort zu wohnen.

Also können wir klarstellen, dass Timing und Inhalt der Givat-Hamatos-Story nichts weiter als eine künstlich erschaffene „Krise“ darstellen, die in Wirklichkeit unbeachtet geblieben wäre, wäre da nicht Peace Now gewesen.

Bild: CC BY-SA HonestReporting, flickr/Philip Taylor


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