Medien-Nebelwand fesselt der IDF die Hände

Verfasst 26. Januar 2012 von heplev
Kategorien: Die Welt und Nahost, Israel, Medienwelt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Tags: ,

Pesach Benson, HonestReporting Media Backspin, 26. Januar 2012

Hier haben wir ein klassisches Beispiel dafür, wie Medienberichterstattung der IDF die Hände fesselt.

Die IDF diskutiert den Gebrauch von Phosphorgranaten bei zukünftigen Aktionen im Gazastreifen. Nach Angaben der Jerusalem Post konzentriert sich die Debatte auf negative PR, nicht operationelle Überlegungen.

Die Granaten – made in U.S.A. und von der NATO für Einsätze genehmigt – dürfen in besiedeltem Gebiet eingesetzt werden, um Ziele zu illuminieren oder zu markieren und um eine Nebelwand für die eigenen Truppen zu schaffen. Doch die Armee-Oberen machen sich nicht darum Sorgen.

Die JPost schreibt:

Bilder explodierender Granaten – die wie weißer Phosphor erscheinen – kamen während der Operation Gegossenes Blei in der Presse weit verbreitet vor und die IDF brauchte Tage, bevor sie bestätigte, dass sie im Gazastreifen Granaten einsetzte, die weißen Phosphor beinhalteten…

Die Nutzung der Granaten wird als entscheidend in der Unterstützung von Bodenoperationen in städtischem Gelände wie Gaza und dem Libanon angesehen, aber in der IDF gibt es eine fortgesetzte Diskussion darum, ob sie in einer zukünftigen Operation im Gazastreifen eingesetzt werden sollte, da sie in Israel möglicherweise Public Relations-Schäden verursachen könnte.

Anfang des Monats enthüllte die Jerusalem Post, dass der Generalstab der IDF das Kommando Süd angewiesen hatte, Vorbereitungen für eine groß angelegte Operation im Gazastreifen innerhalb der nächsten Monate zu treffen.

„Es steht außer Frage, dass die Nutzung der Granaten Israels Image unglaublichen Schaden zufügte, da eine Reihe von NGOs behaupteten ihr Gebrauch sei ein Kriegsverbrechen“, sagte diese Woche ein Vertreter des Verteidigungsministeriums.

Wollen wir die Luft etwas reinigen.

  1. Der Gebrauch von Phosphorgranaten innerhalb angemessener Vorgehensweisen ist legal.
  2. Die IDF schoss sich selbst ins Knie, wenn sie anfangs den Gebrauch von Phosphor abstritt, als die Times of London die Sache erstmals aufbrachte.
  3. Der Medien-Hype insistierte, dass Israel absichtlich Phosphorgranaten in großer Menge einsetzte, um Menschen zu schädigen und Gebäude zu zerstören.
  4. Die Armee maßregelte zwei höhere Offiziere, weil sie in einem Fall den Gebrauch der Granaten unangemessen befahlen.

Ich wünschte oft, dass die IDF der öffentlichen Meinung sensibler anginge. Dieser Fall gehört nicht dazu. Phosphorgranaten einzusetzen sollte eine rein operationelle Frage sein. Das System muss nur gestrafft werden, um den IDF-Repräsentanten zu erlauben, dass sie rasch und genau reagieren.

Die Palästinenser haben keine Hemmungen, weißen Phosphor in ihre Granaten zu füllen. Erst diesen Monat schlugen zwei Phosphorgranaten im westlichen Negev ein. Die Hamas schuf weder eine Nebelwand noch markierte sie ein Ziel.

Die Moral von der Geschicht‘: Die Meinungsmache-Spielchen der Medien können der IDF erfolgreich die Hände fesseln.

(Bild via YouTube/babySmokesTooMuch)

Warum weigert sich Saeb Erekat jetzt zu verhandeln?

Verfasst 25. Januar 2012 von heplev
Kategorien: Die Welt und Nahost, Palästinenser

Tags: , , , , , ,
Saeb Erekat

Saeb Erekat

Pesach Benson, HonestReporting.com. 25. Januar 2012

Die palästinensischen Verzögerungstaktiken vernichten die Sondierungs-Friedensgespräche in Jordanien. Con Coughlin vom Daily Telegraph erklärt wie und warum:

Die meisten Menschen im Westen glauben, der Hauptgrund dafür, dass die Gespräche nicht voran kommen, sei Israels Verweigerung von Kompromissen bei seinem Siedlungsbauprogramm.

Dass die Regierung Netanyahu darauf besteht, Siedlungen zu bauen, ist sicherlich ein Hindernis, doch eng an zwischen den beiden Seiten stattfindenden Sondierungsgesprächen in Jordanien befindliche westliche Diplomaten sagen mir, der wahre Grund für die Schwierigkeiten bestehe darin, dass die palästinensische Delegation – angeführt vom palästinensischen Verhandlungsveteran Saeb Erekat – es ablehnt, die Gespräche ernst zu nehmen.

Mir sagte z.B. ein westlicher Diplomat, der für das Quartett arbeitet, dass, als die israelische Delegation letzte Woche zu einem Treffen in der jordanischen Hauptstadt Amman ankam, um ihre neuesten Sicherheitsvorschläge zu unterbreiten, Herr Erekat es schlicht abgelehnt habe, den Raum zu betreten.

Und was bedeutet das?

Herrn Erekats Weiterung, den Verhandlungsraum zu betreten und zu hören, was die Israelis zu sagen hatten, verheißt für die Bemühungen des Quartetts, die beiden Seiten zur Wiederaufnahme voller Verhandlungen zu bewegen, nichts Gutes. Es wirft Fragen darüber auf, wie ernst genau es den Palästinensern mit dem Erreichen eines Friedensabkommens ist. Während Israel sich zunehmend isoliert fühlt, weil die Aufmerksamkeit der Welt sich auf den Fallout der jüngsten Revolten in Libyen, Ägypten und Syrien konzentriert, gibt es unter westlichen Diplomaten den wachsenden Verdacht, dass die Palästinenser auf der Grundlage vorgehen, dass sie, wenn sie den Prozess hinziehen, in der Lage sein werden, eine bessere Vereinbarung mit Israel zu erzielen.

Wenn das der Fall ist, dann liegen sie heftig falsch. Der wahre Feind im Nahen Osten ist heute der Iran, nicht Israel; und indem sie den islamistischen Militanten in die Hände spielen, die Israels Vernichtung anstreben, könnten die Palästinenser erleben, dass ihre Sache von einem weit größeren regionalen Konflikt überholt wird.

Niedrig angesetzte Sondierungsgespräche sind eine Gelegenheit für Mahmud Abbas von einem hohen Baum herunterzuklettern, nachdem er auf einem totalen Siedlungsbaustopp als Vorbedingung bestand. Doch stattdessen entscheiden sich die Palästinenser dafür die Israelis, Jordanien und das Quartett anzufurzen.

Vor zwei Jahren entdeckte David Ignatius, dass Mahmud Abbas‘ Strategie darin besteht nichts zu tun. Er hält sich nach wie vor daran.

Medien-Spickzettel für den 24.01.2012

Verfasst 24. Januar 2012 von heplev
Kategorien: Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Islamstaaten, Israel, Lesen/besuchen, Medienwelt, Nahost allgemein, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Tags: , , , , , , ,

HonestReporting Media Backspin, 24. Januar 2012

Alles, was Sie über die Berichterstattung zu Israel und dem Nahen Osten wissen müssen.

Die Gastfreundschaft für flüchtige Hamasniks im östlichen Jerusalem; ein Redakteur entschuldigt sich tränenreich dafür, dass er vorschlug, der Mossad solle Präsident Obama töten; „Pinkwashing“ gewinnt die Aufmerksam der AP.

Israel und die Palästinenser

* Die New York Times beschreibt die Gastfreundschaft des Roten Kreuzes für Flüchtige der Hamas im östlichen Jerusalem:

Cecilia Goin, Sprecherin für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, sagte per Telefon, die Organisation habe die drei von Anbeginn an informiert, dass sie auf dem Gelände bleiben könnten, dass das Rote Kreuz aber keine diplomatische Immunität genießt und die israelischen Behörden nicht daran hindern könnte sie zu verhaften. Die Organisation habe auch die israelischen Behörden informiert, dass die drei sich auf dem Gelände befinden, sagte sie.

Die drei empfingen den größten Teil des Tages über Verwandte und andere Besucher in den Protestzelten und ihnen wurde die Nutzung eines Raums innerhalb des Rotkreuz-Gebäudes erlaubt, wo sie nachts schliefen.

* Minister Yuli Edelstein persönlich führte eine Busladung Journalisten auf einer Medientour in und um die Westbank-Gemeinde Itamar. The Media Line schloss sich an.

Es war für die von der Regierung gesponserte Fahrt wichtig, dass den Medien gezeigt wurde, dass Palästinenser und Juden koexistieren. Im Industriegebiet Barkan bei Ariel – der größten jüdischen Stadt in der nördlichen Westbank – sagen palästinensische Arbeiter in einer Kunststofffabrik, sie ziehen die Arbeit mit den Israelis vor, weil sie das Doppelte dessen bezahlt bekommen, was sie verdienten, wenn sie für einen palästinensischen Arbeitgeber arbeiteten.

Der Arabische Frühling Winter

Die großen Medien werfen einen Blick auf den Arabischen Frühling ein Jahr nach Beginn. Einige Perspektiven, die Sie verpasst haben könnten (alle Links in Englisch):

* Tage, nachdem die Arabische Liga das Mandat ihres Beobachtungsteams in Syrien um einen weiteren Monat verlängerte, steigen die Golfstaaten aus. Die BBC fasst das Problem zusammen:

Jon Leyne Cairo von der BBC sagt, die Ankündigung so einflussreicher Länder vom Dienstag sei ein weiterer großer Schlag für die Mission der Arabischen Liga.

Der Schritt des Gulf Cooperation Council (Golf-Kooperationsrat) ist eine Illustration, wie geteilt die Arabische Liga wegen der syrischen Krise ist, sagt unser Korrespondent.

Der Rest der Zusammenstellung

  • Ein Kommentar der Redaktion der Chicago Tribune gibt Europas zusätzlichen Sanktionen gegen das Öl des Iran seine Zustimmung

Bei harten Sanktionen ist finanzielles Chaos eines der Risiken. Das größere Risiko liegt aber darin, dem Iran zu gestatten, in den Atomclub zu spazieren und im Nahen Osten ein Wettrennen um Atomwaffen auszulösen.

  • Angst vor Anthrax hat das israelische Konsulat in Boston geleert; Ermittler sagen jetzt, das war blinder Alarm
  • YouTube berichtet, dass jede Sekunde eine Stunde Videomaterial hochgeladen wird und „jeden Tag eine Milliarde Mal ein Video angeklickt wird“. Wie zu erwarten knabbert YouTube geräuschvoll an den Zahlen in Form eines Videos.

Wenn Sie mehr sehen wollen, lesen Sie das Media Cheat Sheet von Montag.

Kein Ruhmesblatt Brzezinskis: “Israelis kauften Einflussnahme im Kongress“

Verfasst 23. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Israel, Sonstiges, Geistesgrößen, Medienwelt, Geschichte

Tags: , ,

HonestReporting Media BackSpin, 23. Januar 2012

Zbigniew Brzezinskis Ansichten zu den Beziehungen zwischen Israel und den USA sind wohl noch nicht schräg genug. Ziehen sie sich mal diese Salon-Schlagzeile rein:

Brzezinski: Israelis „kauften Einflussnahme“ und überlisteten Obama

Die Überschrift ergibt sich aus dieser Formulierung:

„Die Israelis haben im Kongress einen großen Einfluss, und in einigen Fällen sind sie in der Lage, Einflussmöglichkeiten zu kaufen.“

Der Kommentar ist schwach (stimmt’s, Tom Friedman?), aber mit Salon habe ich ein Hühnchen zu rupfen: Im Interview – und Brzezinski Buch – geht es nicht um israelisch-amerikanische Beziehungen, sondern um Washingtons Position im internationalen Kontext:

….Brzezinski kann sich vorstellen, dass China die USA als stabilisierende Kraft in der Weltpolitik ablöst. „Ich glaube nicht, dass liberale Staaten sich zurückhaltender oder stabilisierender verhalten“, sagt er. „Die Aktionen der Vereinigten Staaten während der letzten 20 Jahre, insbesondere der Krieg mit dem Irak, geben keinen Anlass zur Beruhigung, was diesen Punkt betrifft.“….

Im Fokus der „Strategischen Vision“ steht nicht der Nahe Osten, sondern der weiter östlich gelegene. Im Gegensatz zu Anhängern der als realistisch bezeichneten außenpolitischen Denkart, die sich als Realismus bezeichnet, sieht Brzezinski einen Krieg zwischen China und den Vereinigten Staaten nicht als unvermeidlich an. Konflikt ja, aber Krieg? Nein.

Man kann den Rest von Brzezinskis Ausführungen zu China Aufstieg lesen. Eine Schlagzeile, die das Interview akkurater beschrieben hätte, wäre wohl so ausgefallen:

Brzezinski: Wahrscheinlichkeit eines Krieges zwischen den USA und China im nächsten Jahrzehnt liegt in weiter Ferne

Eine Formulierung aus einem breiter angelegten Interview herauszupicken und diese zur Story zu machen, ist Bestandteil der Salon-Agenda. Dagegen hat Brzezinski natürlich nichts einzuwenden.

(Brzezinski-Foto via YouTube/tpmtv

Press TV: Iranischer Propagandasender Off the Air – wo er hingehört

Verfasst 23. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Europ. Medien und Nahost, Weltmedien und Nahost, Israel, Islam+Islamisten, Medienwelt, Iran, Islamstaaten

Tags: , , , , , ,

HonestReporting Media BackSpin, 23. Januar 2012

Das staatlich gelenkte iranische Propagandaorgan Press TV hatte Ende des Jahres 2008 eine Lizenz erworben, um via Satellit aus seinen Londoner Studios seine ganz speziellen „News“ in die Wohnzimmer von Millionen Briten auszustrahlen.

Wie ein Fernsehsender, der die Holocaustleugnung gefördert hatte und via seine iranischen Hintermänner eine bösartige Agenda gegen Israel betrieben hatte, eine britische Lizenz für Berichterstattung in der ersten Reihe bekommen konnte, ist ein Rätsel.

Aber seitdem sah sich Press TV mehrmals Ermittlungen von Ofcom, der britischen Regulierungsbehörde für Medien, ausgesetzt. Darunter fielen auch Berichterstattung und Kommentierung zu Israel durch die Star-Moderatoren Lauren Booth und George Galloway.

Darüber hinaus zog Press TV die Aufmerksamkeit von Ofcom auf sich wegen einer Beschwerde, dass er bei seiner Berichterstattung über die Versuche des iranischen Regimes im Anschluss an die Wahlen von 2009, die Dissidenten niederzuknüppeln, seine Verpflichtung zur Unparteilichkeit und sorgfältigen Berichterstattung verletzt hatte; und in jüngster Vergangenheit wurde der Sender wegen der Ausstrahlung dieses Interviews mit Newsweek-Journalist Maziar Bahari bestraft, weil es durch Folter zustande gekommen war. Bahari war wegen seiner Berichterstattung über die Demonstrationen nach den iranischen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009 inhaftiert worden. Der Sender zeigte auch einen Hang für Fortsetzungsgeschichten, die keine seriösen Medien bringen würden.

All dies gipfelte im Entzug der Sendelizenz für Press TV in Großbritannien durch Ofcom; augenscheinlich wegen Verletzung der britischen Rundfunkvorschriften bei der Berichterstattung aus Teheran. Der Guardian berichtet:

„Ofcom hat beschlossen, Press TV Limited mit sofortiger Wirkung die Lizenz zu entziehen“, so der Regulierungsbeauftragte in einer Erklärung. 

Ofcom schrieb Press TV in November einen Brief, in dem das Problem angesprochen und die Wahl aus zwei Rechtsmitteln angeboten wurde. 

Zum einen sollte die redaktionelle Aufsicht für das Programm von Press TV auf Großbritannien übertragen werden, oder aber an den Iran. 

„Die Rundfunkvorschriften setzen voraus, dass die Lizenz von der Person gehalten wird, die in der Regel die Kontrolle über die TV-Ausstrahlung besitzt, das heißt, die Person, die für die Programmauswahl des Senders zuständig ist und den Programmablauf organisiert“, so Ofcom. 

„Ofcom räumte Press TV die Möglichkeit ein, einen korrekt lizenzierten Antrag auf Ausübung seiner Tätigkeit in Teheran zu stellen und dabei behilflich zu sein“, sagte der Regulierungsbeauftragte. 

Ofcom sagte, dass Press TV auf keine der beiden Optionen reagierte bzw. keine davon implementierte. 

„Press TV hatte die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge zu Ofcoms ’beabsichtigtem Lizenzentzug’ darzustellen“, so der Offizielle.

„Press TV versäumte, den notwendigen Antrag zu stellen, und Ofcom entzog deshalb Press TV die Lizenz für Ausstrahlungen in Großbritannien.“

Auch wenn Press TV online  immer noch abrufbar ist, bedeutet dies zweifellos einen schweren Schlag für den Sender. Statt gemeinsam eine Rundfunkplattform mit Sky News, CNN und BBC zu teilen, ist Press TV nun wieder an den Rand gedrängt worden – wo er hingehört.

Knesset-Ausschuss diskutiert über schwaches Image Israels in den Medien – ohne die Medien

Verfasst 21. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Israel, Lesen/besuchen, Medienwelt, Weltmedien und Nahost

Tags: ,

HonestReporting Media BackSpin, 21. Januar 2012

Hoppla.

Auf der Sitzung eines Knesset-Ausschusses wurde Israels schwaches Image in den Medien diskutiert, und Jewish News 1 verweist auf ein eklatantes Versäumnis:

Und am meisten überraschte wohl, dass kein einziger Vertreter der großen ausländischen Presseorgane mit Sitz in Israel auf der Tagung zugegen war – keiner von AP, BBC oder einem amerikanischen Sender.

Waren die Medienverteter eingeladen, aber nicht interessiert? Oder kamen die Abgeordneten nicht auf die Idee, einen Input von der Auslandspresse einzuholen?

Beide Varianten erscheinen plausibel.

Und beide sagen viel aus über Israels schlechtes Image in den Medien.

Mashaal, My Belle*

Verfasst 19. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Araber, Die Welt und Nahost, Geistesgrößen, Geschichte, Islam+Islamisten, Medienwelt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Tags: , , , ,

HonestReporting Media BackSpin, 19. Januar 2012

Globe & Mail (G&M, [bd]) drückt angesichts des Abgangs von Hamas-Chef Khaled Mashaal auf die Tränendrüse.


Holen Sie schon mal die Papiertaschentücher raus. Patrick Martin fährt fort:

Meshaal wird sein Amt in einer schwierigen Zeit niederlegen – gerade jetzt, wo seine relativ moderate Vermittlungstätigkeit am dringendsten benötigt wird.

Der besonnene und ernsthafte Mann war maßgeblich an den Anstrengungen zur Versöhnung mit der säkularen PLO beteiligt und hatte sogar Syriens bedrängten Präsident Bashar aufgefordert, politische Reformen durchzuführen statt sein eigenes Volk zu bekämpfen….

Verglichen mit Scheich Yassin und Dr. Rantisi – beide aus Flüchtlingslagern in Gaza stammend – ist Meshaal, der in einem Dorf nördlich von Ramallah in der Westbank geboren wurde, ein Gemäßigter, was seinen freiwilligen Abgang erklärt.

G&M zufolge rückte Mashaals Moderation im Jahr 2009 ins Blickfeld, als er sich dagegen aussprach, dass man nach der Operation Gegossenes Blei Selbstmordattentäter nach Israel schicke.

Angesichts Hunderter getöteter Gazaner aufgrund israelischer Flächenbombardierung, Raketen- und Granatenbeschuss und nur weniger israelischer Opfer dachten viele, dass die Hamas nun die Waffe aus ihrem historischen Arsenal zum Einsatz bringen würde, die viele Israelis das Leben gekostet und im ganzen Land Angst und Schrecken verbreitet hatte: Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten. Beginnend im Jahr 1994  bis Ende 2005 hatte die Hamas mehrere Dutzend solcher Anschläge verübt und andere Gruppen zur Nachahmung inspiriert.

Doch Parlamentsabgeordnete der Hamas sagten, dass Meshaal im Jahr 2005 ein Ende der Anschläge befohlen habe. Trotz der andauernden Gewaltanwendung der Hamas in Gaza hätte er nicht die Absicht gehabt, auf die tödliche Taktik zurückzugreifen, für die die Hamas wegen ihrer Gewalt berüchtigt war, so die Parlamentarier.

In der Tat führte die Hamas während dieser Zeit und auch niemals danach einen Selbstmordanschlag gegen israelische Zivilisten durch. Das geht nun ins siebte Jahr.

Jeder – Globe & Mail ausgenommen- weiß, dass der Terror wegen israelischer Sicherheitsmaßnahmen wie dem Bau der Sicherheitsbarriere abnahm. Selbst Ramadan Shalah, Führer der Terrorgruppe Islamic Jihad, gab zu, dass die Selbstmordanschläge nur nachließen, weil man dazu nicht in der Lage war, und nicht, weil man das wirklich wollte.

Abgesehen davon: warum sich mit Märtyrer-Operationen befassen, wenn man tausende Raketen auf Israel abfeuern kann?

Khaled, wir haben dich verkannt.

————–
*Hier handelt es sich wohl um ein Wortspiel, bezogen auf den Song „Michelle“ von den Beatles: „Michelle [MyBelle]

EUobserver schmettert Gastkommentar-Diskussion ab

Verfasst 16. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Antisemitismus, Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Geistesgrößen, Israel, Medienwelt, NGOs, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Tags: , , , ,

HonestReporting Media BackSpin, 16. Januar 2012

Geht es nach dem Selbstverständnis der Webseite, wurde EUobserver mit dem Ziel gegründet, „die Debatte über europäische Politik anzustoßen und zu entwickeln.“

Könnte man angesichts einer aktiven Rolle der EU in der Nahost-Diplomatie und vor allem der Finanzierung der palästinensischen Autonomiebehörde inklusive einer erheblichen Anzahl von NGOs (Nichtregierungsorganisationen) nicht auch eine lebhafte Debatte auf der Opinion-Seite des EUobserver erwarten?

Die Antwort lautet Nein, falls Sie einen Standpunkt vertreten sollten, der nicht in den vorherrschenden Zeitgeist passt, wie NGO Monitor entdeckte, nachdem Professor Gerald Steinberg einen Gastbeitrag als Reaktion auf einen [unerträglichen (bd)] veröffentlichten Artikel Alon Liels eingereicht hatte.

Zur Korrespondenz zwischen NGO Monitor und EUobserver bitte hier weiterlesen [In Englisch]

————
Anmerkung (bd): Die erbärmlichen Ausreden des EUobserver-Redakteurs Andrew Rettman sprechen für sich….

Abgeordnetenausschuss lehnt Boykott des Guardian ab

Verfasst 16. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Antisemitismus, Europ. Medien und Nahost, Medienwelt, Weltmedien und Nahost

Tags: , ,

HonestReporting Media BackSpin, 16. Januar 2012

Der Abgeordnetenausschuss der Juden in Großbritannien verwarf einen ins Gespräch gebrachten Boykott des Guardian. Nach Angaben der Jewish Chronicle war vorher ein Antrag formuliert worden, der darauf drängte,

„dass alle, die sich gegen Antisemitismus zur Wehr setzen wollen, den Guardian nicht mehr kaufen bzw. dort Anzeigen schalten sollen“.

Die hinter dieser Idee stehende Frustration ist nachvollziehbar. Al-Guardian gewann im Jahr 2011 HonestReportings Auszeichnung für die unehrenhafteste Berichterstattung für ein ganzes Jahr schlampiger und verfälschter Nachrichten und Kommentare – weit vor allen anderen Zeitungen.

Man kann niemandem vorschreiben, wofür er sein Geld ausgeben soll.

Aber wenn man ein Abonnement oder eine Werbeanzeige kündigt, beraubt man sich selbst der Möglichkeit, an der Diskussion teilzunehmen.

Ein toter iranischer Wissenschaftler und Israels „No Comment“-Politik

Verfasst 16. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Die Welt und Nahost, Geistesgrößen, Geschichte, Iran, Islam+Islamisten, Islamstaaten, Israel, Weltmedien und Nahost

Tags: , , ,

HonestReporting Media BackSpin, 16. Januar 2012

Letzte Woche wollte eine Leserin in Australien (nennen wir sie A.) mehr über Israel und Mostafa Rashan wissen - den Wissenschaftler, der das Urananreicherungsprogramm in Natanz geleitet hatte. Sie schreibt:

Gestern wurde berichtet, dass im Iran ein Wissenschaftler durch den Mossad getötet wurde….Israel hat die Fragen der Medien nicht beantwortet. Was sagt uns das?

Während die USA jegliche Beteiligung bestreitet, fährt Israel eine „No Comment“-Politik, was heißt, dass die Regierung eine Verbindung zu möglichen verdeckten Aktivitäten irgendwo in die Welt weder bestätigt noch dementiert.


Man kann davon ausgehen, dass dieses Informationsvakuum die Möglichkeit bietet, Israels Namen durch den Schmutz zu ziehen, oder man könnte argumentieren, dass die Gerüchteküche gut sei für den Ruf des Mossad, unabhängig davon, ob er seine Finger im Spiel gehabt haben könnte.

So oder so: die No-Comment-Politik ist das was sie ist.

Mangels Bestätigung oder Dementi aus Jerusalem bleiben wir auf Gerüchte, Spekulationen, Kommentare und anonyme Quellen angewiesen, die mit nicht verifizierbaren kryptischen Kommentaren wohl eher eigene Interessen verfolgen als eine Aufklärung der Öffentlichkeit. Von all dem gibt es eine Menge in den Zeitungen zu lesen, und nichts davon kann als Nachricht bezeichnet werden. Worte sind nur Schall und Rauch.

Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass Israel beim Anschlag eine Rolle gespielt hat, und eine Diskussion darüber ist legitim. Und neben Israel haben auch andere Länder ein Interesse daran, das iranische Atomprogramm zu aufzuhalten. Ich habe sogar davon gehört, dass der Iran seine eigenen Wissenschaftler umbringt, wenn sie in Ungnade gefallen sind.

Aber letztendlich wissen wir lediglich, dass ein Wissenschaftler bei einem Autobombenanschlag getötet wurde und das Regime erbost ist. Alles andere ist reine Spekulation.

„Es ist unmöglich, das Offensichtliche mit dem üblichen Narrativ zu Israel in Einklang zu bringen“

Verfasst 13. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Geistesgrößen, Israel, Lesen/besuchen, Medienwelt, Weltmedien und Nahost

Tags:

HonestReporting Media BackSpin, 13. Januar 2012

Greg Sheridan erinnert mich daran, warum Watchdogs wie HonestReporting gegen den verzerrten Blick der Massenmedien auf Israel ankämpfen.

Der Kolumnist des Australian – auf Besuch in Israel – schreibt:

Der Aufenthalt in Israel ist gefährlich, weil es unmöglich ist, das, was man ganz klar mit eigenen Augen sieht, mit dem anerkannten Narrativ zu Israel  in Übereinstimmung zu bringen. In den internationalen Medien wird Israel als militant, rechtsextrem und unterdrückerisch dargestellt. In Wirklichkeit ist Israel die einzige pluralistische Demokratie im Nahen Osten, die einzige Nation, wo die Rechte der Frauen – und der Homosexuellen – geschützt werden. Es hat eine lebendige Linke, eine kakophonische Demokratie und eine innovative Wirtschaft.

Die überwiegende Mehrheit der Israelis würde gerne die Palästinenser und deren Gebiete los sein, wenn sie sich darauf verlassen könnten, dass sie im Gegenzug dafür Frieden und Sicherheit hätten.

Sheridan hat das Offensichtliche erfasst.

Wird dies in das Gruppendenken der Auslandspresse eindringen?

Syrien: Erstmals westlicher Journalist getötet

Verfasst 13. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Araber, arabische Medien, Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Islamstaaten, Medienwelt, Weltmedien und Nahost

Tags: , ,

HonestReporting Media BackSpin, 13. Januar 2011

Gilles Jacquier, ein preisgekrönter Kameramann, der für France 2 TV gearbeitet hatte, wurde in Homs getötet, als eine Pro-Assad-Demonstration mit Granaten beschossen wurde. Dabei gab es weitere 7 Todesopfer.

CNN berichtet, dass Damaskus „eine bewaffnete terroristische Gruppe“ beschuldige, aber die LA Times zitiert syrische Aktivisten, die mit dem Finger auf das Regime deuten:

Sie machten die  syrischen Behörden  für die Todesfälle verantwortlich, denen sie vorwerfen, dass diese Journalisten einschüchtern aus der Stadt berichten wollen, die als Epizentrum der Unruhen gesehen wird.

Das France 2-Team befand sich – zusammen mit anderen Reportern – in Homs auf einer von der Regierung organisierten Medien-Tour. Weitere Details und Videos zum Vorfall von The Lede.

Kriegsspiel-Szenario: Israel am Tag danach

Verfasst 10. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Nicht kategorisiert

Tags: , , , ,

HonestReporting Media BackSpin, 10. Januar 2012

Ein israelischer Think Tank mit einem Kriegsspiel-Szenario, das den Tag nach dem erfolgreichen Test einer Atombombe durch den Iran simuliert.

Die Times of London (Paywall; alternativ: The Australian) interpretiert die Ergebnisse, und etliche Nachrichtenservices beziehen sich auf den Times-Beitrag.

Das Planspiel wurde letzte Woche vom Institute for National Security Studies (INSS), einem Think-Tank, in Tel Aviv durchgeführt. Seine Schlussfolgerungen gehen davon aus, dass ein Atombombentest die gesamte Machtbalance im Nahen Osten radikal verändern würde….

„Die Simulation zeigte, dass der Iran nicht auf Nuklearwaffen verzichten will, sondern versuchen wird, sie dazu zu nutzen, um mit den Großmächten eine Übereinkunft zu erzielen, die seine Position verbessert.“

„Verbesserung seine Position“ bedeutet verstärkte iranische Hegemoniebestrebungen.

Die Experten….vermuten, dass sich ein Atomtest im Januar 2013 durch eine Reihe provokativer Forderungen aus Teheran ankündigen wird. Dazu gehören die iranische Forderung nach Neube-stimmung seiner Grenze zum Irak, Anspruch auf Herrschaft über Bahrain und Low-Level-Aktionen gegen die Schiffe der 5. US-Flotte in der Golfregion.

Weitere Ergebnisse:

• Die Saudis entscheiden sich für die Entwicklung eines eigenen Nuklearprogramms bei gleich-zeitiger Meidung amerikanischer Sicherheitsgarantien.
• Die Türkei kneift vor dem Konflikt und droht mit ihrem Austritt aus der NATO, falls Israel dort Mitglied werden solle.

Aber am bemerkenswerten war der Joker: eine militärische Antwort Israels:

Die Experten machten deutlich, dass auch dann, wenn Israel unter Druck gesetzt werden würde, jeglichen militärischen Plan gegen den Iran aufzugeben, es diese Option auf dem Tisch behalten würde.

„Die militärische Option Israels könnte wahrscheinlich ein signifikanter Hebel sein – wenn nicht gegen den Iran, dann in Richtung einige der Hauptakteure“, so The Times. „Die Simulation veranschaulichte, dass nach einem iranischen Nukleartest auch diese Option oder die Androhung auf deren Einsatz von Relevanz wäre“….

Das INSS-Szenario legt nahe, dass die Wahrscheinlichkeit, Israel müsse „mit ihm“ leben, Wirklichkeit werden könnte.

(Bildauswahl via Times of London/source INSS)

Große Momente palästinensischer Pressefreiheit

Verfasst 10. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: arabische Medien, Geistesgrößen, Islam+Islamisten, Medienwelt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Tags: , ,

HonestReporting Media BackSpin, 10. Januar 2012

Ein weiterer großer Moment in der Geschichte palästinensischer Pressefreiheit: PA-Sicherheitskräfte verhören einen Journalisten, der geschrieben hatte, dass Ismail Hanija von der Hamas „legitimer palästinensischer Ministerpräsident“ sei.

Wesentlich interessanter ist jedoch, dass der vernommene Journalist selbst enge Verbindungen zur Hamas unterhält. Dazu die Jerusalem Post:

Khaled Amayreh, die für die ägyptische tageszeitung Al-Ahram Weekly schreibt und enge Beziehungen zur Hamas unterhält, erwähnte, dass er in den vergangenen Tagen zweimal auf die Kommandantur der palästinensischen Preventive Security Service* in Hebron bestellt worden sei.

Amayreh, 55, war verhört worden, weil er kürzlich Stellungnahmen abgegeben hatte, in denen er die PA-Führung kritisierte und Haniyeh als legitimen Premierminister bezeichnete.

Der palästinensische Journalistenverband verurteilte die Vorladung Amayrehs und sagte, dass dies im Zusammenhang mit der Unterdrückung der Meinungsfreiheit in der West Bank durch die PA stünde.

Die Gruppe erwähnte, dass die PA-Sicherheitskräfte dem Journalisten gesagt hätten, er würde wegen seiner Statements und Artikel jeden Tag zum Verhör vorgeladen werden.

Ich frage mich, ob Al-Ahram weitere Reporter in der Westbank oder im Gazastreifen beschäftigt, die enge Kontakte zu Hamas, Fatah, der Muslimbruderschaft, Salafi al-Nour, Islamic Jihad, His-bollah etc. unterhalten….

(Haniyeh-Foto via YouTube/euronewsit)

———
*Hier mehr:
http://www.globalsecurity.org/intell/world/palestine/pss.htm

Medien-Spickzettel 6. Januar 2012

Verfasst 6. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Araber, arabische Medien, Christen in Nahost, Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Geschichte, Iran, Islam+Islamisten, Islamstaaten, Israel, Lesen/besuchen, Medienwelt, Nahost allgemein, Weltmedien und Nahost

Tags: , , , , , , , , , , , , ,

HonestReporting Media BackSpin, 6. Januar 2012

Arabischer Winter

Irish Times-Korrespondent Michael Jansen mit dem Blick für den großen Zusammenhang:

Statt sich zu einer Mehrparteiendemokratie zu entfalten, dürfte der Arabische Frühling nicht nur eine autoritäre sunnitische Fundamentalistenherrschaft gebären, sondern auch eine sunnitische Einheit von Marokko bis zum Golf begünstigen -  mit Ägypten als Meinungsführer. Wenn dies einträfe könnten die Fundamentalisten eine Front zum Iran errichten – der schiitischen Großmacht in der Region und ihren Verbündeten im Irak -, und [gleichzeitig] massiv gegen Israel vorgehen statt mit ihm Frieden zu schließen. Israel wird von der überwältigenden Mehrheit der Fundamentalisten nicht nur als unrechtmäßiger Besatzer Palästinas gesehen, sondern auch als Usurpator heiligen muslimischen Bodens.

• Bemühungen um eine Zusammenführung der syrischen Oppositionsgruppen scheiterten. Außer, dass hier in kläglicher Weise ihre Unfähigkeit reflektiert wird, eine Regierung nach Assad zu stellen, beinhaltet dies auch, dass es keine einheitliche Stimme gibt, die als Ansprechpartner für den Westen in Frage käme. Mehr dazu in der Financial Times (via Google News). Aber der Syrische Nationalrat startete schon eine Website….

•  CNN: Syrer verwarfen die schändliche Beobachtermission der Arabischen Liga.

• Der Washington Post zufolge ist ein Showdown zwischen der Muslimbruderschaft und Ägyptens Militär fait accompli [vollendete Tatsache; (bd)]:

Bisher war die relativ moderate [sic; (bd)] islamistische Gruppe ein Bündnis mit dem Militärrat eingegangen, der nach Mubaraks Sturz am 11. Februar letzten Jahres die Kontrolle über das Land übernommen hatte. Aber nachdem sich die militärische Führung entschlossen hatte, ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen zu sichern, während Ägypten in Richtung Demokratie taumelte, sagen einige Analysten, dass ein Zusammenstoß zwischen den beiden Zentren der Macht unvermeidlich sei.

Die langfristigen Ziele von Militär und Bruderschaft „stimmen nicht miteinander überein“, so Shadi Hamid, ein Ägypten-Experte beim Brookings Doha Center. „Das Militär will gewissermaßen als Macht hinter den Kulissen bestehen bleiben. Das ist sicherlich nicht das, was die Bruderschaft will.“

• Tony Karon (Time) denkt über die israelisch-amerikanische Debatte nach, was eine Einbeziehung der Muslimbruderschaft beträfe.

• Es ist schon ein Jahr her, seit eine Bombe eine koptische Kirche in Alexandria verwüstete und viele christliche Opfer forderte – aber Ägypten stoppt seine Ermittlungen seit Monaten. AP (Associated Press) mit einer Rückschau auf die bekannten Fakten und einem Fazit:

Aber das Versagen einer Antwort betreffend, wer hinter dem Anschlag steckte, hat unter Ägyptens christlicher Minderheit Verbitterung darüber ausgelöst, weil der Staat zu wenig unternimmt, sie zu schützen.

Bedrohung durch das iranische Nuklearprogramm

The Media Line sprach mit Eingeweihten über die Fähigkeit des Iran, die Straße von Hormuz zu blockieren:

„Marine und IRGC (Revolutionsgarden; [bd] können den Golf nicht für einen längeren Zeitraum absperren, aber sie besitzen die Fähigkeit, in einem Zeitraum von 5 bis 10 Tagen den Schiffsverkehr im Golf ernsthaft zu gefährden“, so Anthony Cordesman….

Koch vom Gulf Research Center geht davon aus, dass die größte Bedrohung durch den Iran von dessen asymmetrischer Kriegsführung ausgeht, die darin besteht, dass er angeworbene Truppen oder stellvertretende Kriegsparteien für Sabotageakte in Stellung bringt. Der Iran benötigt nicht die Blockade von Hormuz, um Unheil anzurichten; er könnte Ölfelder und Kraftwerke sowie andere kritische und anfällige technische Einrichtungen auf der arabischen Seite des Golfs ins Visier nehmen.

„Das ist ein viel gefährlicheres Szenario“, so Koch. „Die Iraner haben gezeigt, dass sie diesbezüglich eine sehr intelligente Macht sein können.“


****
Sonstiges bitte hier lesen [In Englisch]….

Hamas: Israel besetzt Gaza nicht

Verfasst 3. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: arabische Medien, Islam+Islamisten, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Tags: , , , , ,

HonestReporting Media BackSpin, 3. Januar 2012

Die Hamas gibt zu, dass Gaza nicht von Israel besetzt ist. YNet News zitiert Mahmoud Zahar (Abb. rechts):

„Volkswiderstand passt nicht zum Gazastreifen“, sagte al-Zahar. „Gegen wen genau würde sich ein Aufstand richten? Um solch einen Widerstand handelte es nur zu, wenn Gaza besetzt wäre“. Allerdings behauptete er, dass alle Formen von Widerstand – einschließlich des bewaffneten – für die West Bank angemessen sind, da sie „noch immer im Besatzungszustand ist“.

1. Das wussten wir die ganze Zeit.
2. Erzähl das mal der Flotilla-Bewegung.
3. Das beeinträchtigt den Propagandawert der Reise von Ismail Haniyeh in die Türkei, wo sich Haniyeh mit Ministerpräsident Erdogan traf und die Mavi Marmara besuchte.
4. Wenn Robert Fisk, der Pöbler von Comment is Free, und George Galloway palästinensischer sind als die Hamas, werden sie Zahar gegenüber nachsichtig sein, was seine Verwendung des Begriffes Besatzung betrifft. Letztlich war es ihre Reaktion auf die PaliLeaks.
5. Die Raketen werden sowieso weiterhin fliegen.

(Bild von Zahar via YouTube/alljie)

Medien-Spickzettel 1. Januar 2012

Verfasst 1. Januar 2012 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Antisemitismus, Araber, arabische Medien, Chaoten / Anarchisten, Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Geistesgrößen, Geschichte, Iran, Islam+Islamisten, Islamstaaten, Israel, Lesen/besuchen, Medienwelt, NGOs, Palästinenser, UNO, Weltmedien und Nahost

Tags: , , , , , , , ,

HonestReporting Media BackSpin, 1. Januar 2012

Eine in Verlegenheit geratene Arabische Liga erwägt, ihre Beobachter aus Syrien abzuziehen; Google investiert viel Geld in israelische Start-ups, aber das könnten auch schlechte Nachrichten bedeuten. Und Gaddafis Tochter verursacht Stirnrunzeln wegen Inanspruchnahme eines israelischen Anwalts.

Israel und die Palästinenser

• Zum Jahrestag der Operation Gegossenes Blei rückt ein ausgezeichneter Kommentar  im New Statesman einiges zurecht:

[Colonel Richard] Kemp sagt, dass UN-Schätzungen zufolge die durchschnittliche Zahl von Todesopfern unter Zivilisten im Verhältnis zu der von Kombattanten weltweit gesehen 3:1 ist – also 3 Zivilisten auf einen Kämpfer. So ist das z.B. [auch] in Afghanistan. Aber im Irak und im Kosovo war es noch schlimmer: man veranschlagt die Relation auf 4:1. Einzelne Berichte gehen davon aus, dass die Quotienten in Tschetschenien und Serbien wesentlich höher waren. In Gaza betrug die Relation weniger als 1:1.

Während der 22-tägigen Operation in Gaza war Israel nachweislich darum bemüht, das Leben von Zivilisten zu schützen und gleichzeitig gezielt gegen Kombattanten vorzugehen. Der Israel-Korrespondent von ‘Jane Defence Weekly’ – verantwortlich für eine Erstellung zu Israels Statistik im abgelaufenen Jahr -, erklärte: „Die IDF hat im Jahr 2011 in Gaza 100 Menschen getötet. Neun davon waren Zivilisten. Das bedeutet eine Relation Zivilisten/ Kämpfern von fast 1:10.“

• Die PA plant, das Thema Siedlungen vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen. Mehr dazu bei Haaretz.

Arabischer Frühling Winter

• Robert Bowker: Hamas sieht Chance in Verdrossenheit

• Ein Leitartikel in der Washington Post greift die ägyptischen Behörden scharf an wegen deren Razzien bei 17 NGO’s, die sich für Förderung der Demokratie und Menschenrechte einsetzen:

Die Razzien vom Donnerstag stellen somit eine frontale Provokation der Obama-Administration [die von Unterstützung eines Übergangs zu einer demokratischen Zivilregierung in Ägypten und Beschwichtigung der Generäle geschwafelt hatte], durch den herrschenden Militärrat dar. Das Militär versucht, die schwindende innenpolitische Unterstützung wiederzugewinnen, indem es das innenpolitische Chaos teuflischen „fremden Mächten“ in die Schuhe schiebt; es versucht auch, liberale und pro-demokratische Gruppen zu zerschlagen, die seinem Unterfangen widerstanden haben, die eigene Macht auf unbestimmte Zeit zu zementieren.

Atomare Bedrohung durch den Iran

Wird Israel den Iran in diesem Jahr angreifen?

CNN: Der Iran testete erfolgreich seinen ersten selbstgefertigten Atombrennstab.

Sonstiges

Google steckt viel Geld in israelische Start-ups. Aber das bedeutet nicht zwangsläufig eine gute Nachricht:

„Ab dem Moment, wo israelisches Hightech in erster Linie auf die die Arbeit in Forschungszentren der großen Unternehmen basiert, wird sein Glück von dem dieser Firmen abhängen, was bedeutet, dass bei einem Personalabbau dort das auch auf den Arbeitsmarkt in Israel zurückwirkt“, so Doron A. Peled.

• Oberst Gaddafis Tochter Aisha hat den israelischen Anwalt Nick Kaufman engagiert, der die Familie in ihrem eigenen Bestreben nach Gerechtigkeit unterstützen soll: er soll Druck auf den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) ausüben, was die Umstände des Todes ihres Vaters betrifft, weil sie davon ausgeht, dass Rebellen und NATO sich Kriegsverbrechen schuldig gemacht hätten. Kaufman gegenüber The Daily Beast:

„Es hat nichts mit der Tatsache zu tun, dass ich Israeli bin“, äußerte Kaufman in einem Telefoninterview. „Wenn es zu einer Verhandlung beim ICC kommt, bin ich einer der wenigen Anwälte mit reichlich Erfahrung auf diesem Gebiet.“

Den kompletten Medien-Spickzettel bitte hier lesen [In Englisch].

PLO-Gesandter: Kanaaniter waren auch nur Besatzer

Verfasst 28. Dezember 2011 von heplev
Kategorien: Antisemitismus, Geistesgrößen, Geschichte, Islam+Islamisten, Palästinenser

Tags:

Pesach Benson, HonestReporting, 28. Dezember 2011

Als wären Newt Gingrichs Kommentare über die Identität der Palästinenser nicht genug Sprengstoff, kommt jetzt ein PLO-Diplomat mit einem Gegenargument, das eine absolute Bombe ist.

Maen Rashid Areikat, der Hauptrepräsentant der PLO in den USA, sagt in einem Op-Ed der Washington Post, die Palästinenser habe es schon vor den Kanaanitern gegeben:

Wir haben unter der Herrschaft einer Vielzahl von Imperien gelebt: den Kanaanitern, Ägyptern, Philistern, Israeliten, Persern, Griechen, Römern, Kreuzfahrern, Mongolen, Ottomanen und schließlich den Briten.

Airekats Behauptung hat weder Hand noch Fuß, wenn er sich dabei auf die Bibel stützt. Jeder kennt die Geschichte von Noah und der Flut, zahlreiche Zivilisationen des Altertums bezeugen unabhängig voneinander ebenfalls eine weltweite Überschwemmung. Und Kanaan* – Noahs Enkel – zog in das Heilige Land, nachdem er für seine Rolle bei der Erniedrigung Nohas verflucht wurde.

Das bedeutet, dass Kanaan in ein leeres Heiliges Land zog. Mir ist keinerlei wissenschaftliche Forschung bekannt, die nahe legt, dass vor den Kanaanitern überhaupt jemand in der Region lebte. Ich habe palästinensische Behauptungen kanaanitischer Herkunft gehört, aber nie, dass sie schon vor den Kanaanitern dort waren. Das ist etwas sehr weit hergeholt.

Ich vermute, Airekats ursprüngliche Palästinenser, die „seit undenkbaren“ Zeiten in Kanaan leben, waren richtig gute Schwimmer.

Noah verflucht Kanaan (von Voltaire)
Abbildung: Noah verflucht Kanaan (Voltaire)

———
*Näheres zur Person Kanaan hier. Dazu auch 1. Mose, 9,18 [bd].

Jesus wäre von Palästinensern erschossen worden

Verfasst 26. Dezember 2011 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Antisemitismus, Chaoten / Anarchisten, Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Geistesgrößen, Geschichte, Israel, Medienwelt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Tags:

HonestReporting Media BackSpin, 26. Dezember 2011

Hier wieder eine wirklich hässliche Verdrehung des Guardian:

Die im Beitrag von Phoebe Greenwood so heftig kritisierte Sicherheitsbarriere wurde errichtet, um Selbstmordbomber und Beschuss durch Palästinenser aus fahrenden Autos etc. abzuwehren; also jener Art von Aktivitäten, die manche Leute beim Weihnachtsmann auf die schwarze Liste bringt.

Wenn Jesus dieses Jahr geboren werden sollte, wäre es wahrscheinlicher, dass er von Palästinensern erschossen worden wäre – irgendwo auf einer dunklen und einsamen Straße zwischen Nazareth und Bethlehem.

——————
P.S. (bd):

Zum immer wieder erzählten Märchen, Bethlehem sei von einer Mauer eingeschlossen, schreibt der seit 1971 in Jerusalem lebende Nahost-Korrespondent Ulrich Sahm:

Wen kümmert es, dass die Mauer lediglich 1,3 Kilometer lang an der Grenze zu Jerusalem steht, während Bethlehem nach Osten, Süden und Westen völlig offen ist und die Straßensperren schon vor Jahren weggeräumt worden sind?

„Ein intrigant und geschickt arrangiertes Manöver der Israel-Lobby“

Verfasst 22. Dezember 2011 von Bernd Dahlenburg
Kategorien: Antisemitismus, Geistesgrößen, Geschichte, Israel, Medienwelt, Weltmedien und Nahost

Tags: , , , , , ,

HonestReporting Media BackSpin, 22. Dezember 2011

Wenn das alles ist, was Tom Friedman an Bedauern zu seiner Kolumne aus der letzten Woche zu bieten hat, würde ich ihm mehr Respekt zollen, wenn er konsequent schwiege oder wenigstens ein für allemal ins Bett mit Walt and Mearsheimer steigt.

Friedman gegenüber der NY Jewish Week:

„Im Nachhinein hätte ich vielleicht eine genauere Formulierung wie „arrangiert“ von der Israel Lobby verwenden sollen – eine Umschreibung, die keine große Verschwörungstheorie suggeriert, der ich auch nicht anhängen würde“, so Friedman. „Die Leser hätten sich so mehr auf mein Argument fokussieren können, das ich zu 100 Prozent vertrete.“

Seine Begründung, sagte er, sprach die Notwendigkeit an, hin und wieder zwischen amerikanischen und israelischen Interessen zu unterscheiden und zu beachten, dass viele amerikanische Juden “ tief besorgt sind über die momentane Politik Israels.“

In einer berechtigten Diskussion zwischen amerikanischen und israelischen Interessen zu unterscheiden, ist legitim. Aber kann man sagen, die Israel-Lobby hätte „arrangiert“ (oder wie es Merriam-Webster definiert: etwas mit mehr oder weniger subtilem Geschick und Kunstfertigkeit zu ersinnen oder zu planen), und all der Applaus im Kongress für Bibis Rede spielt keine Rolle?

Warum so höflich, Tom? Sagen Sie einfach, was Sie wirklich denken: Washingtons von beiden Parteien getragene überwältigende Zustimmung für die Rede des israelischen Ministerpräsidenten dort spiegelt logischerweise nichts anderes wieder als ein intrigantes, geschickt eingefädeltes Manöver der Israel-Lobby.


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 35 other followers